Doch noch da – Metallica mit neuer Scheibe im Herbst

Erscheint Mitte November 2016 - "Hardwired - To Self-Destruct" von Metallica (Foto: Metallica / PR 2016)

Erscheint Mitte November 2016 – „Hardwired – To Self-Destruct“ von Metallica (Foto: Metallica / PR 2016)

Als Metallica-Drummer Lars Ulrich in den Neunzigern kajalstiftverschmiert das Ende von Heavy Metal verkündete, dass diese Musik nichts neues mehr bringe, muss dem Tennisstar-Sohn aus Dänemark wohl klar geworden sein, dass selbst seine Band nicht mehr zur großen Innovation einer Szene gehört, die sie mit Alben wie „Kill ‚Em All“, „Ride The Lightning“, „Master Of Puppest“ und „…And Justice For All“ in den Achtzigerjahren entscheidend vorangebracht hatte. Jetzt ist Metal anscheinend wieder da. Nach dem Retro-Comeback „Death Magnetic“ von 2008 erscheint im Herbst 2016 nun ein Doppeldecker namens „Hardwired … To Self-Destruct“.

Zwölf Songs tummeln sich auf dem Langeisen, welches die Metalwelt wieder lang erwartet und dann doch selbstzerfleischend verreißen wird – wahrscheinlich als zu wenig innovativ und zu „retro“. Ein Umstand, den Lars Ulrich auch gern beipflichtet. Das 1983 erschienene Debüt der Bay-Area-Trasher, „Kill ‚Em All“, soll seinen Bekundungen zufolge für die neue Scheibe maßgeblich Pate gestanden haben. Und wer ganz genau die erste Singleauskopplung „Hardwired“ anhört, stellt natürlich auch Parallelen zu „…And Justice For All“ fest. Der Trommler, der nach dem Debüt als Sänger für die 1981 in San Francisco gegründete Band im Gespräch war und beinahe nach „Master Of Puppets“ wegen seinen mangelnden Fähigkeiten als Drummer  rausgeworfen worden wäre, wenn nicht Bassist Cliff Burton zu früh den Löffel abgegeben hätte, sieht die im November 2016 erscheinende Doppelleistung vorm Hintergrund der Beschäftigung seiner Band und ihm mit dem eigenen Backkatalog. Offenbar wurde ihm bewusst wie prägend der Sound seiner Truppe von 1981 bis 1991 für die weltweit vernetzte Metalszene war, dass die seit „St. Anger“ eingesetzte Abkehr vom Sound der beiden „Load“-Scheiben fortgesetzt wird, Metallica sich eben auf seine Tugenden besinnt und da ansetzt, wo der Undergroundstatus 1989/89 endete. Nachdem die Band mit Lou Reed das „Lulu“-Album veröffentlichte, waren die Befürchtungen groß, der Vierer könnte wieder den Fokus verlieren und versuchen, einem Trend nachzuhecheln und das von der Metal-Fangemeinde positiv aufgenommene „Death Magnetic“ mit einem nach dem neuesten Trend hechelnden Rockschmus relativieren. Metallica und Elektro á la Linkin Park? Pfui Deibel, würde da so mancher mit der Nase rümpfen. Könnte aber funktionieren.

Das zehnte Studiolangeisen der Bay-Area-Thrasher Metallica heißt "Hardwired ... To Self-Destruct". (Foto: Metallica / PR 2016)

Das zehnte Studiolangeisen der Bay-Area-Thrasher Metallica heißt „Hardwired … To Self-Destruct“. (Foto: Metallica / PR 2016)

Was schon das 2014 veröffentlichte Stück „Lords Of Summer“ andeutet und nun durch den Reinhörer „Hardwired“ fortgesetzt wird: Metallica besinnt sich stärker denn je auf die eigenen musikalischen Wurzeln, die irgendwo zwischen der New Wave Of British Heavy Metal, Punk Rock und Industrial ihre Nährstoffe beziehen. Denn Lars und seine Mitstreiter ackern ihren Backkatalog durch und veröffentlichen einen Klassiker nach dem anderen – klangtechnisch aufgepeppt und mit Bonusmaterial aufgefüllt. Natürlich gibt sich der bekennende Kunst-Fan Lars Ulrich optimistisch, was die Ausrichtung und Qualität von „Hardwired … To Self-Destruct“ betrifft. Zutrauen darf man der Truppe einen großen Wurf doch noch. Vielleicht schafft das Quartett es erneut, sich an die Spitze der zweiten Welle des Thrash Metal zu setzen. Mit Slayer wird es wohl hingegen mit einem leider zu früh gegangenen Plus im Songwriter-Gespann etwas schwerer werden. Jedenfalls erstürmt der im August veröffentlichte Titelfrack (unten am Text klebt das dazugehörige Video) schon jetzt die Herzen der Metallica-Fans weltweit. Ist schneidend-geradeaus polternder Metal doch das, was sie von Metallica nun bekommen – oder darf die Metalli-Gemeinde noch Überraschungen erwarten? Zuzutrauen wäre es Lars Ulrich & Co., zu wünschen auch. Metal ist also doch noch da. Man muss aber Lars Ulrichs Irrtum aus den Neunzigern relativieren – Metal war nie weg. Aber jetzt hat dieses Genre wieder eine Aussage, die weniger klischeebeladen ist. Für Metallica muss sich eben keiner schämen.

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