Schreiunterricht: Crushing Common Borders gar nicht hippie-esk unterwegs

Frauenpower aus Leipzig - Crushing Common Borders aus Leipzig (Foto: CCB / Promo)

Frauenpower aus Leipzig – Crushing Common Borders aus Leipzig (Foto: CCB / Promo)

Metal und Leipzig – das scheint immer wie Arsch auf Eimer zu sein. Klar, Metal ist nicht die bevorzugte Stilrichtung, die die Leipziger den ganzen Tag hören. Aber dieses Genre ist nunmal am lautesten. Dieser Tage debütiert wieder eine Combo, die es wissen möchte und lädt zur Geburt ihres Erstlings „Emptiness“ ins Leipziger Helheim ein. Wilcox sprach mit der Frontfrau Alex und dem Gitarristen Stefan.

Gemeinhin denkt man bei Frauen im Metal eher an Rockröhren wie Doro Pesch, oder stöhnende Girls auf Manowar-Platten. Wer eure Musik hört, bemerkt, dass du gar nicht auf Weibchen machst. Also nicht so singst wie Tarja Turunen bspw. Warum bevorzugst du gutturalen Gesang?
Alex D.: Als ich bei Crushing Common Borders angefangen habe, merkte ich, dass die Musik doch eher in Richtung Metal ging. Da wollte ich natürlich meinen Teil beitragen und hab ein paar Wochen „Schreiunterricht“ bei „Screaming Lessons“ genommen. Auch damit ich lerne, wie man richtig screamt, ohne sich dabei die Stimme kaputt zu machen. Nun ist es aber nicht so, dass ich nur screame. In unsere Songs fließen sowohl Schreie als auch normaler Cleangesang mit ein.

Um welche Aussage geht es bei eurer Musik?
Stefan K.: Das ist unterschiedlich. Unsere Songs reflektieren mal philosophische Themen wie bei „Brain vs. Technology“. Dann gibt es wieder Lieder wie „Scorn you“ oder „The Mission“, die Sachen, wie Krieg und Zerstörung thematisieren. Da Alex den Großteil der Texte schreibt, fließen auch persönliche Themen in das Songwriting ein, was z.B. bei „Emptiness“, „Not my Blood“ oder „Vivre Libre“ der Fall ist. Allgemein haben unsere Songs also eher ernsthafte Aussagen. Dennoch sind wir kein Haufen depressiver Trauersäcke. Humor spielt bei uns auch eine große Rolle. Das merkt man, wenn man uns live sieht. Den Weltschmerz lassen wir unseren Liedern, während wir mit dem Publikum rumscherzen. Wir möchten, dass unsere Zuhörer Spaß und eine schöne Zeit haben. Da wäre es kontraproduktiv mit herunterhängenden Mundwinkeln einen auf bierernsten Weltverbesserer zu machen. Dazu lachen wir auch viel zu gerne.

Was könnt ihr zu eurer Veröffentlichung sagen, die im Oktober erscheint?
Alex D.: Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass wir den Entschluss gefasst haben, endlich mal unser Erstlingswerk in Angriff zu nehmen. Nach vier Jahren wurde es auch mal Zeit. Zudem wussten wir, dass Tim, unser ehemaliger Gitarrist, uns im Januar aus beruflichen Gründen verlassen musste. Daher haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und wollten noch vor Jahresende mit der Scheibe fertig sein. Anfang Dezember war es dann so weit: Wir haben uns ein Wochenende bei „Neue Welt Recordings“ in Plagwitz breit gemacht und die EP aufgenommen. Insgesamt haben wir dann fünf Songs fertigstellen können. Planübererfüllung, da eigentlich nur vier geplant waren. Dass die CD erst jetzt, fast ein Jahr später, rauskommt, liegt dann daran, dass wir noch einmal mit unserem neuen Gitarristen Nils alles neu einspielen mussten.

Was könnt ihr zu eurer Aufnahmezeit im Studio sagen?
Alex D.: Es war ein langes und anstrengendes Wochenende, aber es hat sich gelohnt. Die Stimmung war super und wir haben uns schon ziemlich zuhause dort gefühlt. Nicht umsonst nennen sich Neue Welt Recordings das entspannteste Tonstudio Leipzigs. Unsere Lieder haben wir alle live eingespielt. Also nicht erst das Schlagzeug, dann Bass, dann Gitarre, sondern gleich alle zusammen und ohne Klick. Wir finden das macht die ganze Sache organischer, als wenn jeder Schlag exakt wie ein Uhrwerk wäre. Den Gesang und die Soli haben wir dann separat eingespielt, aber das Fundament haben wir immer in einem Rutsch gegossen. Das hat uns zudem einiges an Zeit gespart, weshalb wir noch ein fünftes Lied aufnehmen konnten.

Wer saß an den Reglern?
Stefan K.: Aufgenommen, gemixt und gemastert von André Rauch, Neue Welt Recordings. Mit ihm hatten wir einen absolut fähigen Menschen im Studio, ohne den wir nicht so weit gekommen wären. Ein großes Danke noch einmal an dieser Stelle.

Beschreibt doch mal in ein paar Worten euren Stil.
Alex D.: In ein paar Worten ist leicht gesagt… Auf diese Frage antworten wir immer augenzwinkernd mit progressivem Punkrock-Hardcore-Stoner-Metal. Nein im Ernst, wir können und wollen uns nicht auf ein Genre festlegen. Wer sich festlegt, schränkt sich in seinen Möglichkeiten ein. Wir lassen uns da lieber die Freiheit, mit den Erwartungshaltungen des Publikums spielen zu können.

Wo würdet ihr eure Musik mit Beispielen belegt einordnen?
Alex D.: Da wir uns nicht auf ein Genre festlegen, macht das die Einordnung schwer, aber versuchen wir es mal. Es gibt viele verschiedene Bands und Stile, deren Einfluss in unserem Songwriting wiederzufinden ist. Stefan (Gitarrist, Anm. d. Red.) ist z.B. ein großer Fan von Disillusion, was sich vor allem in unseren längeren Stücken niederschlägt. Bei unserem Titeltrack „Emptiness“ kann man das ganz gut merken. Hier gibt es viele Tempo- und Rhythmuswechsel, die dem Song eine recht komplexe Form geben. Das musikalische Material des Intros taucht auch im Verlauf des Liedes wieder in veränderter Form auf und passt sich dem gerade erzeugten Stimmungsbild an. Diese Art von progressivem Songwriting verdanken wir Bands wie eben Disillusion, Opeth, oder durchaus auch Tool. Aber nicht alle unsere Songs gehen in eine solche Richtung. „Letters“ beispielsweise ist eher kurz, aggressiv und voll in die Fresse…Punkrock eben. Dabei kommen hier wieder unterschiedlichste Stile zur Geltung: Das Strophenriff ist angelehnt an Hardcore a lá Pro-Pain, während uns der rhythmusbetonte Soloteil ein wenig an System of a Down erinnert. Wer sich den Anfang des Solos dann mal genauer anhört, dem wird auffallen, dass Stefan hier die Melodie von „Come out and Play“ von the Offspring schamlos zitiert …ein Easteregg für den musikalischen Nerd. Stoner kommt bei uns ebenfalls nicht zu kurz. Das ist zum Beispiel bei unseren Songs „Not my Blood“ oder „Brain vs. Technology“ ganz gut zu hören. Auch hier wieder gemischt mit Riffs, die eher an Slayer als an Stoner erinnern. Das Beste ist natürlich immer noch sich unsere Musik einmal anzuhören und sich selbst ein Bild zu machen. Jeder sieht darin etwas anderes und das finden wir auch ganz gut so.

Wie bewerkstelligt ihr den Spagat zwischen Job, Studium und Musikmachen?
Alex D.: Es ist natürlich keine einfache Sache alles unter einen Hut zu kriegen. Aber so geht es wohl jeder Band. Das Musikmachen ist für uns eine, eigentlich DIE Leidenschaft schlechthin. Dass da das Wort „Leiden“ drinsteckt, kommt nicht von ungefähr. Man kann nunmal nicht nur von Luft und Liebe leben. Wir sind ja schließlich keine Hippies (Lächelt). Man muss ja irgendwie seinen Lebensunterhalt verdienen. Dabei ist klar, dass es da zu Reibungen kommt, aber diese Unannehmlichkeiten zwischen Job und Musik nehmen wir gern in Kauf. Schlussendlich überwiegt unser Drang, Musik zu machen, Songs zu schreiben, uns mitzuteilen doch stets den Aufwand und den Stress, den wir uns damit machen.

Habt ihr Träume, Wünsche, Hoffnungen, die ihr CCB erfüllen wollt?
Alex D.: So genau haben wir noch nicht darüber nachgedacht. Wir möchten natürlich so lang weitermachen bis wir tot umfallen und dabei so viele Menschen wie möglich mit unserer Musik beglücken. Wer weiß, was die Zukunft für uns bereithält?

Die Band ist schon heiß darauf, ihre EP präsentieren zu können. Am 10. Oktober steigt die Release-Party im Helheim. Das Konzert beginnt schon 20:30 Uhr.

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