Muss Death-Metal-Geschichte umgeschrieben werden? – Comedian Richard Pryor erfand Black Death schon 1977

Black Death 1977 (Bild: Richard-Pryor-Show / Screenshot Artefakte)

Black Death 1977 (Bild: Richard-Pryor-Show / Screenshot Artefakte)

Als die britischen Krawallmacher von „Venom“ 1979 in Erscheinung traten, war ihr Auftreten ungesehen und unerhört für damalige Verhältnisse. Leder, Ketten, Nieten und dumpfe Klänge beschrieben Geschichten von Teufel, Hölle und mystischen Zinnober. 1982 erschien ihr Klassiker „Black Metal“. Als Mitte der Achtziger Bands wie Possessed, Bathory, Death und Morbid Angel auftauchten, nannte man ihre Töne „Death Metal“. Lange schien diese Tradition, diese Wurzel festgeschrieben zu sein. So gab auch die filmische Metalenzyklopädie „Metal Evolution“ es zum Besten. Bis jemand doch die Filmaufnahmen von der Richard-Pryor-Show entdeckte.

Der Streifen zeigt Männer mit weiß geschminkten Gesichtern und schwarz angemalten Augenhöhlen. Die in schwarzen Kapuzenmäntel gekleideten Typen bedienen die Instrumente während Richard Pryor (1940 – 2005) wie eine Inkarnation eines Mischwesens aus Ozzy Osbourne, Tina Turner, Gene Simmons und Alice Cooper gleich seine diabolischen Texte unter viel Getöse und mit viel mehr Qualm ins Mikro grunzt. Musikalisch hört man eher eine rockige Vorwegnahme des Funk’n’Rolls, wie der Musiker „Prince“ es später viel besser tun sollte.
Der US-amerikanische Schauspieler und Coemdian konnte zu dem Zeitpunkt seiner satirischen Showeinlage nur Gruppen wie Kiss, Sigue Sigue Sputnik, Black Sabbath, Alice Cooper und Arthur Brown kennen, die mit übertriebenen Outfits und Showeinlagen von sich reden machten. Es sind nur karnevalistisch anmutende Äußerlichkeiten, die Pryors Popanz dem Zuschauer einem schreihaften Lachkrampf abringen. Doch was bleibt hinter dem Showeffekt? Eingefleischte Metaller verstehen sich als wandelnde Nachschlagewerke und würden den Vergleich, dass Richard Pryor mit seiner Comedy-Band „Black Death“ zumindest äußerlich und zum Teilen gesanglich einen wichtigen Zweig in der Heavy-Metal-History vorweg nahm: Black und Death Metal.

Beide Richtungen des Heavy Metal boomten so richtig in den späten Achtzigern und vor allem in den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts, also knapp 15 bis 20 Jahre später nach Pryors Knaller in seiner eigenen Show. Während Bands wie Entombed und Death sich eher als lederbejackte und jeans-behoste Typen von der Straße präsentierten, achteten Bands wie Darkthrone, Mayhem, Immortal, Emperor, Mystifier und Morbid Angel auf einen adäquaten Look, der zu ihrer Musik auch passte. Zumindest zeigen Promofotos und Videoclips ein Image, das ziemlich dem ähnelt, was Richard Pryors Showeinlage zu etwas ganz speziellem machte.
Haben sich die Death-Metal-Bands an dieser Show orientiert? Wohl eher nicht. Sonst würden sämtliche Musiker sich auf den Comedy-Star berufen, der in den Achtzigern mit zahlreichen Filmen von sich Reden machte. Weil sie sich eher an Schockrockern und direkten musikalischen Vorläufern orientieren, wozu eben ganz weit vorne Venom gehört, dicht gefolgt von Black Sabbath und Mercyful Fate, ist die „Black Death“-Einlage seiner nach ihm benannten „Richard Pryor Show“ eher ein augenzwinkender Seitenhieb auf Bands wie Kiss und anderen Glamrock-Acts, die Ende der Siebziger große Erfolge feierten, und lieber auf ein knalliges Image Wert legten als auf Musik zu setzen. Richard Pryor dachte nicht im Leben daran, dass knapp zehn Jahre nach seinem Auftritt Musiker tatsächlich Grunzgesang und ein düsteres Image ganz bewusst als Stilmittel einsetzen würden, dennoch erscheint „Black Death“ als witzige Vorwegnahme von all dem, was später verdammt ernsthaft und entsprechend säuerlich dargeboten wird. Man denke an die Spinal-Tap-artigen und von unfreiwilliger Komik unterfütterten Videoclips und Live-Shows von der norwegischen Black-Metal-Band Immortal. Aus diesem Grund ist Richard Pryors „Black Death“ auch wahnsinnig aktuell. Witzig ist auch der Umstand, dass so mancher junger Mann mit seinen Kumpels, unabhängig von seiner Kenntnis der Richard-Pryor-Show, laut Metal-Archives seine Combo „Black Death“ nannte. Keine von ihnen war wirklich gut oder erfolgreich. Hätten sie sich lieber mal mit den einzig wahren „Black Death“ auseinandergesetzt. Dann wäre der Menschheit so manches erspart geblieben.

Der weiterführende Artikel im Decibel Magazin

Ein weiterer Text beim Classic Rock Magazin

Metal-Insider mit einem Feature

Dangerous Minds ebenfalls mit einem Artikel

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