Venom – Aller Anfang ist höllisch

Chaos war das, was ich Ende der achtziger Jahre hörte, als ich den Kassettenrekorder einschaltete und zum ersten Mal ein Lied von Venom hörte. (Von Wilbur Ebenezer Wilcox)

Ich dachte: „Was ist das, um Himmels Willen!“. Aus dem Radio röhrte „Welcome To Hell“.
Später machte ich mich über die Truppe mehr und mehr schlau. New Wave Of British Heavy Metal, so so. Trio Infernale. Pseudonyme. Venom legte mit seinem 1981 erschienenen Debüt den Grundstock für eine ganze Bewegung. Von nun an benannten sich die Krachmacher von Bathory, Mayhem, Dark Funeral & Co. nach Geistern, mystischen Wesen, gefallenen Engeln und sinistren Göttern. Eine Musik wie aus der Hölle auf die Erde gestoßen, Krach, um den Menschen das Fürchten zu lehren – das war die und ist die Intention von Cronos, Mantas und Abbadon gewesen.
„Welcome To Hell“ war der Start einer Reise ins Ungewisse. Drei Typen ließen sich nicht von ihrem höllischen Trip abbringen, egal wie schlecht die Kritiken ausfielen. Dabei sprüht das Studio-Debüt der drei Rabauken aus Newcastle vor sprödem Charme, dass der Funken sofort Flamme schlägt.

"Welcome To Hell", heute wie auch schon 1981 programmatisch (Copyright: Venom/Neat Records)

„Welcome To Hell“, heute wie auch schon 1981 programmatisch (Copyright: Venom/Neat Records)

Während Iron Maiden nach dem Filigranen und der Finesse suchte, polterte Venom auf alles los, was nicht bei Drei auf den Bäumen war. Die ruppige Mischung aus Heavy Metal und Punk Rock fasziniert heute genauso wie damals. „Welcome To Hell“ spricht die Sprache der Außenseiter, der Leute, die ihre Gefühle in Musik kanalisieren können und Aggressionen ablassen können. So gesehen hat Venom trotz ihrer Behauptung, Satan nur als Spaß in ihr Konzept reingerührt zu haben, viel mehr bewegt als andere Gruppen der damaligen Zeit. Diese Unbeschwertheit einfach mal so einen Klassiker aus dem Ärmel zu schütteln und dabei mit einer großkotzigen Selbstverständlichkeit aufzutreten, sollte genauso prägend für das künftige Metaluniversum sein wie der Groove und die rohe Kraft für Bands wie Metallica, Pantera und Slayer sie für sich vereinnahmten. Mit Songs wie „Welcome To Hell“, „Schizo“, „In League With Satan“, „Live Like An Angel“, „Witching Hour“ und den auf den Singles versteckten „Bloodlust“, „In Nomine Satanas“ und „Angel Dust“ hat Venom sich bereits 1981 den Sockel geschaffen, der mit „Black Metal“ und „At War With Satan“ mit einer Skulptur vollendet wurde. Leider nutzte die Band die Gunst der Stunde nicht und versank seit Mitte der achtziger Jahre bis Mitte der Neunziger in der Bedeutungslosigkeit. „Welcome To Hell“ hatte aber Venom über diese Bedeutungslosigkeit hinweg getragen. Ohne diesen Klassiker wäre die Metalwelt um ein aufschlussreiches Kapitel ärmer.

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