Mit Herz, Hirn und Händchen – Sepultura

Sepultura anno 2013 (Copyright: Sepultura/Nuclear Blast)
Sepultura anno 2013 (Copyright: Sepultura/Nuclear Blast)

Lange Zeit ist es her als Max Cavalera noch bei Sepultura war. Noch immer wird der Frontmann von seinem Lieblingsstamm Soulfly und dessen Ast Cavalera Conspiracy als wichtigster Teil der Geschichte Sepulturas gesehen. Dass nach seinem Weggang seine Ex-Band Sepultura auch auf eigenen Füßen stehen kann, beweist die neueste Langrille „The mediator between head and hands must be the heart“. (Von W.E. Wilcox)

Die Jahre mit Max Cavalera von 1984 bis 1997 waren wohl entscheidend für den jetzigen Status von Sepultura. Die vom späteren Sarcophago-Vocalisten und Gitarristen sowie heutigen Ökonomie-Professor Wagner Lamounier und den Cavalera-Brüdern in Sao Paulo gegründete Band wurde anfangs für ihre musikalischen Gehversuche ausgelacht. Mit dem Erscheinen von Studioalben wie „Beneath The Remains“ (1989) und „Arise“ (1991) wurden die Brasilianer immer mehr respektiert. Der große Durchbruch kam allerdings mit den beiden Studiowerken „Chaos A.D.“ (1993) und „Roots“ (1996). Die Einbindung von traditionellen Musikinstrumenten und Rhythmen aus ihrem Heimatland bescherte Sepultura weltweiten Erfolg. Leadsänger Max Cavalera weitete die neuen Stilelemente in seiner neuen Band „Soulfly“ aus, wandte sich bei den vergangenen Studiowerken auch schnell dem einfachen Thrash-Metal zu, wie Sepultura ihn noch in den Achtzigern zelebrierten.
Sepultura hat mit Derrick Green einen Frontmann gefunden, der aber seit 1997 eine Konstante für die Band darstellt. Seit der Fortsetzung der experimentellen „Chaos A.D.“ und „Roots“-Phase und seiner Neuorientierung mit den umstrittenen, aber aus meiner Sicht unterbewerteten, Langeisen „Against“ (1998), „Nation“ (2001) und „Roorback“ (2003) fand Sepultura zu einem Stil, den man am besten als anspruchsvollen Hardcore Punk mit kräftiger Schlagseite zum Heavy Metal beschreiben kann. Sepulturas neuer Klang verfestigte sich mit „Dante XXI“ (2006), „A-Lex“ (2009) und „Kairos“ (2011). „The mediator between head and hands must be the heart“ definiert den Sound der Brasilianer noch einmal neu. Was bleibt, ist eine Stimmung, die Brutalität und Intellektualität miteinander vereint.

„Roots“ 2013 – „The mediator between head and hands must be the heart“

Produzent Ross Robinson, der bereits „Roots“ zu seinem richtigen Sound verhalf, meint zu „The mediator between head and hands must be the heart“, es sei Sepulturas wesentlicher Ausdruck für ihren Hunger, ihre Demut und all das, was „Roots“ einst auf geistiger Ebene charakterisierte. Nur mit dem Unterschied, dass „The mediator between head and hands must be the heart“ ohne Dramas und äußere Einflüsse entstand. Der Produzent sieht „The mediator between head and hands must be the heart“ als zweites „Roots“, nur auf einem anderen Level. Was „Roots“ für Sepultura 1996 den Sprung auf die Weltbühne des Heavy Metal sieht, könnte aus seiner Sicht das aktuelle Studiowerk für 2013 bedeuten. Sepultura erfindet sich mit ihrem Sound neu, bleibt aber im Kern sich treu.

So sieht der Brocken aus (Copyright: Sepultura/Nuclear Blast)
So sieht der Brocken aus (Copyright: Sepultura/Nuclear Blast)

Die Band will mehr. Die Phrase „The mediator between head and hands must be the heart“, so beschreibt es Andreas Kisser, ist für den Gitarristen ein starkes Wortspiel. „Ohne Herz bist du nur ein Roboter“, sagt er und meint die im Film thematisierte Transformation von Robotern zu Menschen. Denn, so schlussfolgert der Gitarrist, ein Mensch besteht nicht nur aus Händen und Hirn. Das Menschliche steckt im Herzen. Für Derrick Green sind die Inhalte dennoch im Hier und Jetzt verwurzelt. So erstreckt sich das Spektrum von einem ironischen Blick auf den Vatikan, dem ernsthaften Betrachten auf die Massenmanipulation von Menschen durch die Medien oder die zerstörische Kraft der Natur.
„The mediator between head and hands must be the heart“ steht auch für einen Wechsel. Der langjährige Trommler Igor Cavalera ist längst zu seinem Bruder geflattert. Mit Eloy Casagrande hat Sepultura einen Mann gefunden, der neuen Schwung in die Sache bringt. So sieht es Andreas Kisser. Der junge Herr an den Kesseln sah sich bei den Aufnahmen ganz schön unter Druck gesetzt, aber Kisser sieht alles ganz gelassen. Sepultura konnte mit Hilfe von Casagrande Songs komponieren, wie die Musiker es vorher so nicht konnten. Das hebt die Band als Ganzes auf eine neue Stufe. Death-Metal-Einflüsse kommen auf „The mediator between head and hands must be the heart“ ebenso zum Tragen wie das Einblenden von traditionellen, indigenen Instrumenten und Rhythmen. Was aber das faszinierende ist: trotz der Härte, der Brutalität und Kraft, die in „T.M.B.H.A.H.M.B.T.H.“ steckt, streut Sepultura immer wieder die fantastischen Samba-Rhythmen ein, spielt mit interessanten Ein- und Ausblendungen, weiß seine Nummern so zu gestalten, dass jede von ihnen einen eigenen Charakter entfaltet. Will heißen, „The mediator between head and hands must be the heart“ ist einfach super abwechslungsreich geworden und steht derzeit über alles, was Sepultura seit dem Ausstieg von Max Cavalera vollbracht hat. Ich persönlich hätte nicht gedacht, dass den alten Haudegen so ein Coup noch gelingt. Dagegen wirkt „Roots“ wie ein Kind, das mit Schlamm wirft. Auf ihrer aktuellen Scheibe sind es Molotow-Cocktails. Was ein Produzentenhändchen so bewirken kann…

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