Black Sabbath – Welcome Back!

Black Sabbath anno 2013 (Copyright: Vertigo / Universal Music)

Black Sabbath anno 2013 (Copyright: Vertigo / Universal Music)

Ich war weniger über die neuen Songs erschrocken. Auch nicht, dass die Reunion von Black Sabbath ohne Bill Ward stattfindet. Als ich die aktuellen Konzertaufnahmen von der Australientour der Begründer des Heavy Metals sah und Ozzy hörte, dachte ich unweigerlich, dass der Gute einfach einen Vogel hat. Seine Sangesleistung alles andere als hervorragend. (Erschien im Juni 2013 auf Bloodchamber.de)
Sympathisch bleibt er mir trotzdem. Auf der ersten Studioscheibe von Black Sabbath seit 1978 mit Ozzy Osbourne am Mikro zeigt sich die singende Seufzerbrücke in einem besseren Zustand. Nicht unbedingt als kreativer Impuls.
Während ich vor meiner Stereoanlage knie, ein Ehrfurchtsschauer nach dem anderen über meine Haut jagt, denke ich über die Entwicklung nach, die die Band von 1969 bis 1978 gemeinsam und partiell 1985, 1992, 1998 ff. durchschritt. Es ist als verlöre der Eindruck, die 1969 in Birmingham gegründete Truppe hätte mit Studiowerken wie „Technical Ecstasy“ und „Never Say Die“ einen Faden knüpfen wollen, der es ehrlich mit uns meint.
Was in „13“ erklingt, ist eine dicke Entschuldigung an jene, die mit Black Sabbath jenen erdigen Grundton verbanden, den sie in Werken bis einschließlich „Sabotage“ vernommen hatten, aber zuletzt nicht mehr fanden. Wenn Ozzy Osbourne im beiliegenden Heftchen beschreibt, dass nach dreizehn Jahren rechtlichen Hin und Her nun endlich das Resultat steht wie es heute zu vernehmen ist, muss man auch froh sein. Froh darüber, dass das Album überhaupt zustande gekommen ist und dass das Ergebnis sich auch wie Sabbath anhört.
In 35 Jahren verändert sich sogar die Band, die allein wegen dem Gitarrenspiel von Tony „Riffmaster“ Iommi eine unerschütterliche Bastion gegen alle Trends war. Was bringt also die Übereinkunft von ihm, Ozzy und Geezer Butler uns als Hörer?

Sosieht "13" aus (Copyright: Vertigo / Universal Music)

Sosieht „13“ aus (Copyright: Vertigo / Universal Music)

Die elf Songs auf der um drei Lieder erweiterten Deluxe-Version leben vor allem vom Spiel von Geezer Butler, Tony Iommi und Brad Wilk. Die aus einem Guss wirkende Produktion von Rick Rubin hebt „13“ an die Frühwerke der Briten heran. Kompositorisch reichen aber nicht alle Stücke an Klassiker wie „Paranoid“, „Master Of Reality“ oder „Sabotage“ ans Wasser.
Mir scheint, Sabbath hat sein Pulver mit „End Of The Beginning“ und „God Is Dead“ verschossen. Das ist aber zu früh geurteilt. Vor allem der wuchtig beginnende Opener erinnert stark an das, was uns Sabbath zu „Bloody Sabbath“- und „Sabotage“-Zeiten bot. Der starke Hinweis, „Hey! Wir haben das Intro von ‚Black Sabbath‘ umgebaut, dann noch ein paar andere Referenzen dazu getan“, relativiert sich einfach mit der Zeit. Wenn Ozzy unheilsschwanger „Is this the end of the beginning or the beginning of the end“ quiekt, verwandelt sich meine Haut in den Himalaya. Genauso ist das auch mit „God is dead“. Anfangs dachte ich, mit dieser Nummer will Sabbath nicht etwa gegen ihre eigene Geschichte antreten. Inzwischen bin ich überzeugt, dass „God is dead?“ eine der schlüssigen Nummern auf der Platte ist. Heftiges Riff a lá „Sabbath bloody sabbath“, dann ruhige Erzähleinschübe. Brechen Tonys mächtige Riffs über uns herein, starren wir ehrfürchtig gen Himmel und flehen: „Bitte höre nicht auf!“
„Loner“ watschelt nach den beiden Überfliegern zu sehr in Richtung Mittelmaß und wirkt unausgegoren. Sollte wohl das Rentner-Paranoid werden, besitzt aber nicht die Ausstrahlung ihres ersten Hits. „Loner“ könnte aber auch ein zweieiiger Zwilling von „Sweet Leaf“ sein – nur nicht so lupenrein.
Die Ballade „Zeitgeist“ blubbert eine Mischung aus „Planet Caravan“, Solitude“ und „Changes“. Ganz so drogig wirkt sie aber nicht, wenn auch Tony Iommi hörbar alle die ihm zur Verfügung stehenden Register zieht, Ozzys Stimme effektbeladen von Supernovas, Astralkörperenergien und schwarzen Löchern durch die Boxen seufzt.
Langsam erhebe ich von meinem Kniefall. Das anfängliche Gefühl der Begeisterung weicht einer Ernüchterung, die beim weiteren Hören in Neugier umschlägt.
Mit „Age Of Reason“ wächst das Interesse an der Scheibe wieder. Zwar verharren Tony, Geezer, Ozzy und Brad im mittleren Schleichtempo. Aber ab und zu ziehen sie die Geschwindigkeit leicht an, bleiben mal stehen, wagen den Rundumblick, um dann wieder gemächlich los zu stapfen. „Age Of Reason“ besitzt am Anfang nicht viel, um mich zu beeindrucken. Als das dicke Ende kommt, ich Tonys gefühlvolles Solo vernehme und die Erlösung erwarte, war ich doch über so viel Poesie in diesem Monumental-Epos überrascht.
Der Riffmaster bringt uns auch im höheren Tempo von „Live Forever“ bei, dass bei Sabbath doch alles richtig im Sattel sitzt. Mehr auch nicht. „Live Forever“ geht höchstens als guter Rocker durch. Bleibt aber nicht so hängen wie die ersten Nummern. Ein Schicksal, das „Live Forever“ mit „Loner“ und „Age of reason“ teilt.

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„Damaged Soul“ fuzzt aus allen Boxen. Der trockene Kyuss-Sound steht Iommi gut zu Gesicht. Allein deswegen fällt das Lied aus dem Plattenrahmen. Spätestens wenn die Mundharmonika einsetzt, falle ich wieder auf die Knie. Rauer kann man Blues und Jazz nicht miteinander fusionieren. Geezers Blubber-Bass sprengt den von Sabbath eingegrenzten Klangraum. Wenn Brad Wilk in den Jam einsteigt, mit seinem Spiel die Musiker unterstützt, wissen wir, dass Sabbath „Back To The Roots“ gegangen ist und sich sauwohl dabei fühlt. Das beste Stück neben „The end of the beginning“ und „God is dead?“.
„Dear father“ schließt die reguläre Spielzeit im Verhältnis zum vorangegangenen „Damaged Soul“ relativ unspektakulär ab. Ich finde einfach keinen Zugang zu dem Stück. Es birgt trotz des faszinierenden Spiels und Referenzen an „Electric Funeral“ keinen zündenden Funken, um mich gänzlich zu überzeugen.
Die zweite CD wird von dem Rocker „Methademic“ mit großem Geschepper eingeleitet. Das Stück gesellt sich brüderlich zu Klassikern wie „Never Say Die!“, findet aber einen merkwürdigen unfertigen Abschluss. Die zweite Zugabe „Peace Of Mind“ steht gemeinsam mit dem Rauswerfer „Pariah“ auf weiter Flur. Sie lassen mich wie auch einige andere Stücke mit der Frage zurück, warum auf der einen Seite Geezer und Tony auf „13“ so inspiriert wie lange nicht mehr spielen, aber Ozzy sich an einfachen Stegreif-Refrains festhält und „13“ trotz der hohen Qualität so müde aussehen lässt.
Das alles ist aber Jammern auf hohem Niveau. Rick Rubin hat nicht zu viel versprochen als er vor der Veröffentlichung einen Klassiker ankündigte. Dass Black Sabbath auf ihre beste Phase zwischen 1970 bis 1975 zurück greift, Tony Iommi aus seinem unendlich langen Riffkatalog schöpft, ist kein Grund zu sagen, die Gruppe kopiert sich selbst. „13“ lässt den Geist von Black Sabbath wieder aufleben. Das Album zeigt mir, dass die Musiker Feuer gefangen haben. Das gibt mir die Hoffnung, dass Tony, Ozzy und Geezer es nicht nur bei diesem Album beruhen lassen wollen. Nur Ozzy macht mir etwas Sorgen. Er tattert ganz schön, wenn er auf der Bühne steht und „Kuckuck“ ruft.

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