Black Sabbath – Gib niemals auf!

Über „Never Say Die!“ wurde geschimpft als wäre die Scheibe eine Schmutzecke, die ausgemerzt werden muss. Ich machte mir rund 14 Jahre nach seinem Erscheinen 1978 selbst ein Bild von „Never Say Die!“. Danach musste ich sagen, dass das schreckliche Bild von der desolaten Truppe um Ozzy und Tony ein Zerrbild ist. (Artikel erschien im Mai 2013 bereits bei Bloodchamber.de)

Wir schreiben das Jahr 2013. Die Veröffentlichung des Reunion-Albums „13“ steht vor der Tür. Black Sabbath raufte sich nach 35 Jahren wieder für einen Studioaufenthalt zusammen und befindet sich auf Tour. Youtube ist voll von Konzertmitschnitten. 1978 stand das vorerst letzte Studiowerk mit Ozzy am Mikro, „Never Say Die!“, unter keinem so guten Stern. Ozzy war irgendwann 1977 abhanden gekommen, weil sein Vater verstarb. Rest-Sabbath steuerte mit dem Savoy-Brown-Sänger Dave Walker zu neuen Ufern, war aber unglücklich mit der Wahl. Die Band schrieb an neuen Songs.
Plötzlich war Oz wieder da, alles schien zu einem guten Ende zu kommen. Aber Oz wollte die bereits geschriebenen Songs nicht singen und verwarf alles, was ihm vorgesetzt wurde. Also flog die Band ohne Songs nach Kanada, um in letzter Minute die neun Stücke einzuzimmern, die auf „Never Say Die!“ landeten. Niemand war so recht glücklich mit dem Ergebnis, schon gar nicht Perfektionist Tony Iommi.

Das Künstlerteam Hipgnosis schuf die Albumgestaltung von "Never Say Die!" (Copyright: Vertigo/Warner)
Das Künstlerteam Hipgnosis schuf die Albumgestaltung von „Never Say Die!“ (Copyright: Vertigo/Warner)

Dabei ist „Never Say Die!“ gar nicht so schlecht wie Kritiker in der Vergangenheit behaupteten. Natürlich ist der Sound ein Schock. Während „Technical Ecstasy“ im Klangexperiment fast schon unterging, rumpelt „Never Say Die!“ wie ein besseres Demoband. Natürlich spielt der Konjunktiv eine große Rolle beim Hören der Platte. Hätte Sabbath mehr Zeit gehabt, klänge auch alles besser, die Kompositionen würden ausgereifter sein. Trotzdem sind die neun Fundamente interessant gemacht. Angefangen von dem treibenden Opener „Never Say Die“, dem bis dato größten Hit nach „Paranoid“, über das mit Keyboards aufgepeppte „Johnny Blade“ und das melancholische „Junior’s Eyes, wo Ozzy anscheinend über den Verlust seines 1977 verstorbenen Vaters singt und Tony Iommi mit Wah-Wah-Effekten eine wunderbare Stimmung aufbaut, die er in genauso wunderschöne Soli und Harmonien auflöst. Sie greifen das vor, was wir später auf „Heaven And Hell“ im verstärkten Maß zu hören bekommen.
„A Hard Road“ ist ein sanfter Hardrocker, der ein wenig beschwingt um die Ecke kommt. „Shock Wave“ schließt sich der Richtung an und steht beileibe nicht schlechter da wie die auf „Heaven And Hell“ erschienene „Lady Evil“, oder „Walk Away“. „Shock Wave“ baut sich wunderbar auf, ändert die Stimmung so lange bis die Band beim Swing angelangt ist. Wer davon schockiert ist, sollte das allererste Demoband von Earth/Black Sabbath aus dem Jahr 1969 hören. Die darauf enthaltenen Titel „The Rebel“, „When I Came Down“ und „Thomas James“ strotzen nur von Jazz, Blues und Gospel. Mir ist als schlösse sich mit dem Titel und dem Jazz-Instrumental „Breakout“ ein Kreis.
Das zart tänzelnde „Air Dance“ besitzt Tiefgang. Es beginnt beschwingt, gleitet in eine schwermütige Stimmung über, um dann von schweren Gitarren, dann von einem Jazzpart und Bläsereinsätzen unterbrochen und mit Keyboard-Geflirr beendet zu werden.
„Over To You“ ist ein stimmungsvoller Rocker. Wer den Weg von Sabbath mit geht, wird auch ihn über das Mittelmaß heben. Mich erinnert „Over To You“ zuweilen an das, was Ozzy auf seinen ersten beiden Soloalben mit Randy Rhoads weitaus lebendiger und quirliger umsetzte. Nach dem aus Bläsern und Saxophonen bestehenden Kraftprotz „Breakout“ bekommt Bill Ward wieder seine Chance, das Mikro zu befeuchten. Ward sang das letzte Stück ein, weil Ozzy wieder mal fehlte. „Swinging The Chain“ fällt vielleicht auch deswegen aus dem von Sabbath eng gesteckten Rahmen der ersten vier Alben. Mit dem Stück greift Black Sabbath aber wieder auf das Repertoire zurück, das sie mit dem Debüt einführten – Blues, Mundharmonika, ein wenig Jazz.
Schnell bin ich wieder beim Konjunktiv angelangt – wäre der Sound nicht so grottig hätte „Never Say Die!“ ein passables Album werden können – und vielleicht auch ein erfolgreiches. Nach der ebenfalls desaströs verlaufenden „Never Say Die!“-Tour verabschiedete Ozzy sich vorerst für immer von Black Sabbath. Er widmete seine Aufmerksamkeit auf das Vermächtnis von Black Sabbath nur auf dem 1982 erschienenen „Speak Of The Devil“-Konzertalbum, ließ sich 1985 anlässlich von dem Konzertereignis „Live Aid“ auf eine viertelstündige Reunion ein, dann wieder bei seinem Abschlusskonzert der 1992 endenden „No More Tours“-Reise im kalifornischen Costa Mesa. 1998 rauften Bill Ward, Geezer Butler, Tony Iommi und Ozzy Osbourne sich für eine weltumspannende Wiedervereinigungsreise zusammen, die in dem Doppelalbum „Reunion“ kulminierte und zwei neue Studiosongs für die Fans bereit hielt. Von „Never Say Die!“ schaffte es kein Stück in das Live-Set von Black Sabbath. Auch heute nicht.

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