Black Sabbath – Ein Loch im Himmel

„Sabotage“ ist das letzte gute Studioalbum der Ozzy-Ära. Dieser Satz klingt noch heute mir in den Ohren. Zum ersten Mal hörte ich ihn zur Wendezeit beim Besuch eines Kumpels, der das Album allerdings nicht besaß. Seine Weisheit hatte er von dem Ex seiner Schwester. Damals gingen wir noch zur Schule. Ich erwarb die Erkenntnis um „Sabotage“ ein paar Jahre später als ich das Scheibchen kaufte. Ich war erstaunt, dass das sechste Werk der vier Briten so schlüssig ist – und doch so final. (Artikel erschien im Mai 2013 bereits bei Bloodchamber.de)

Zeitsprung von 1990 ins Jahr 2012. Durch Zufall entdeckte ich die Konzertmitschnitte von Black Sabbath aus dem Jahr 1975. Ozzy, Geezer, Bill und Tony betraten eine Bühne in den USA. Die TV-Kameras filmten die Geschichte ab während die Fans in den ersten Reihen ihre Schultern, Brüste und Köpfe im Takt von „War Pigs“, „Hole In The Sky“ und „Snowblind“ schüttelten. Oz sang göttlich, erreichte mit seiner Stimme ungeahnte Höhen. Ebenso seine von Fransen umwirbelten Arme, deren fingerbewehrten Enden unentwegt das „Victory“-Zeichen erkennen ließen. Manches Blondchen wischte sich ein Tränchen von der Wange. Damals bewarb Sabbath ihr aktuelles Album „Sabotage“. Den Titel verstand ich nicht so recht. „Warum nicht ‚Sabbotage'“, fragte ich mich, „und überhaupt – wer sabotiert wen?“
Fragen, die nicht wirklich weiterführen. Fakt ist, dass „Sabotage“ so etwas wie das „Back-To-The-Roots“-Album für die Band ist. Tony Iommi meinte, dass „Sabbath Bloody Sabbath“ nicht einmal als Rockalbum gilt. „Sabotage“ umso mehr. Ähnlich sahen das auch die Kritiker, die „Sabotage“ bis auf das fürchterlich missratene Albumcover, über den Klee lobten. Auch ich kann der Scheibe weitaus mehr abgewinnen als landläufig so erzählt wird.

"Sabotage" sieht nur seltsam aus (Copyright: Vertigo / Warner Music)

„Sabotage“ sieht nur seltsam aus (Copyright: Vertigo / Warner Music)

Da haben wir den Opener „Hole In The Sky“. Stoff aus dem Sabbath-Träume sind. Den Song könnte Ozzy heute so nicht mehr singen. Seine Stimme würde sich überschlagen wie wir es bei den aktuelle im Internet kursierenden Live-Mitschnitten der anlaufenden „13“-Tour sehen und hören können. Das sich daran anschließende Instrumental hätte Tony Iommi ruhig in die Schublade verschwinden lassen können. Denn der nächste Kracher „Symptom Of The Universe“ braucht die Einleitung nicht. Inhaltlich spiegelt der Song einen Traum wieder, den Bassist Geezer hatte. Musikalisch feuert Sabbath aus allen Rohren. Das treibende Stück durfte ich mal in der von Tony Martin gesungenen Version während der „Cross Purposes“-Tour 1994/95 hören. Das war so als würde ein Schoßhund das Gebell eines Straßenköters nachahmen. „Symptom Of The Universe“ lebt geradezu von Blues, Rock und Jazz. Vor allem im zweiten Teil, wenn der akustische Teil beginnt.
„Megalomania“ startet fast schon nebelverhangen, drogig mit seiner fern hallenden Schweineorgel und dem verfremdeten Gesang von Ozzy. Das knapp zehnminütige Lied steigt in einen schwermütig taumelnden Doomer ein bis er sich in einen freudig umher hüpfenden Rocker verwandelt, dessen Gewand nur schwer seine Herkunft im Blues und Gospel verbergen kann. Das mit Effekten beladene Solo wechselt sich mit dem Refrain ab, baut mit den dröhnenden Riffs und dem Gesang eine Klangkathedrale auf, bis ein Orchesterarrangement alles auflöst und das Lied in Soli, Riffs und Hall auseinander fällt.
„The Thrill of It All“ ist ein langsam beginnendes Stück in bester Sabbath-Tradition, welches noch mit Akustikgitarren unterlegt wurde, in einen bluesigen Rocker übergeht und danach den Veitstanz wirbeln lässt, aber leider im Nirwana der Studiotechnik ausgeblendet wird. Das zweite Instrumental „Supertzar“ lässt Tenöre säuseln und Ideen kreisen. Nettes Riff, … mehr auch nicht. Das psychedelische Doppel aus dem leicht überdrehten „Am I Going Insane“ und dem etwas von Ideen überfrachteten „The Writ“ schließt an die übrigen Songs an.
Ich denke nach zwanzig Jahren immer wiederkehrenden Hörens, dass zwei Instrumentalstücke völlig überflüssig sind. „Sabotage“ fehlt es an einem Hit wie „Paranoid“, besitzt nicht einmal ein gelungenes Albumcover, hat aber sechs Klassikerstücke auf Lager. Das ist verdammt viel, gemessen an dem was Sabbath in seinen letzten Zügen von 1976 bis 1979 mit „Technical Ecstasy“ und „Never Say Die“ zu bieten hatte.

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