Dänische Rockband: D-A-D – Ein erweiterter Wiedergänger

D-A-D Pressebild (Copyright: AFM Records)

D-A-D Pressebild (Copyright: AFM Records)

(Artikel erschien ursprünglich im April 2013 bei Bloodchamber.de) Es gibt Musik mit der man alt werden kann. D-A-D spielt so einen Sound. Die Dänen verschönern als Farbtupfer seit 1982 die Rockwelt. Mich nahmen sie mit ihren Studiowerken „No Fuel Left For The Pilgrims“, „Riskin’ It All“ und „Helpyourselfish“ in ihre Welt auf. Gut, mag mancher meinen, D-A-D spielt eigentlich „nur“ Rock’n’Roll, den zuvor Van Halen, Aerosmith, AC/DC und Motörhead erfolgreicher zelebrierten. Die ebenfalls aus Dänemark stammende Band Volbeat hat mit ihrer Mischung aus Metallica, Elvis und Rock’n’Roll eine große Fangemeinde um sich geschart. Warum also D-A-D entdecken, mögen und lieben lernen?
Bei D-A-D hatte ich als aktiver Hörer aber immer das Gefühl wenn ein Betrunkener nach Hause kommt und trotz Blackouts am nächsten Tag noch alles Erlebte vor Augen hat. Dass er in eine Kneipe gegangen ist, am Tresen saß, das erste Bier hinter die Binde kippte, die Musik im Hintergrund lief, als ein paar Typen mit ihm Streit suchten, eine Frau dazwischensprang und die Streithähne beruhigte, sich mit dem „Loner“ hinsetzte, mit ihm sprach, dann mit ihm knutschte und mit zu sich nach Hause nahm und … ihr wisst schon, was ich meine. Am nächsten Morgen findet er ihre Telefonnummer in seiner Hosentasche und wird sie wahrscheinlich mit waschen.
Von nichts anderes handeln die Texte von D-A-D. Beziehungskisten, Leben, Liebe, Verlust und Hoffnungen. Das verpacken die Musiker in griffigen Rock’n’Roll, der nicht ganz so frei von der Leber gespielt wird wie Motörhead das macht. Ihre Flirts mit poppigen Melodien haben den Effekt, dass wir vielleicht sagen: „Hoppla, hab ich irgendwie schon mal gehört, .. aber egal. Lass laufen.“
So ist es nunmal mit Rock’n’Roll. Da kann mal die Hütte brennen, oder die Kuscheldecke bis zum Kinn hochgezogen werden.
D-A-D zieht auf ihrem elften Longplayer alle Register ihres Könnens und kann sich einen ironischen Seitenhieb auf die von der Produktionsfirma Walt Disney 1989 durchgesetzte Klage gegen die Band nicht verkneifen. Damals mussten die Dänen ihren Bandnamen „Disneyland After Dark“ streichen. Sie titeln ihren (noch) aktuellen Langspieler mit „Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark“.
Nach 30 Jahren Bandgeschichte und knapp 50 Lenzen geben sie sich immer noch als „funny bad guys“. Aber sie sind keine, die auf Teufel komm raus ein mittelprächtiges Album raushauen, nur um wieder ins Gespräch zu kommen. Aber irgendwie braucht auch die beste Band wieder einen Karrieschub.
D-A-D hat 2011 mit „Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark“ ein wunderbares Reife-Werk veröffentlicht und erweitert 2013 die Scheibe mit einer Deluxe-Version.
Was kann die anderes als die normale LP? Nun, sie hat einen rundlichen Bruder mitgebracht. In seinem Bauch schunkeln 16 Akustik- und Live-Nummern, die den Hörer auf eine kurze Zeitreise mitnehmen. Sie reicht aber nicht soweit zurück wie uns die Band anfänglich Glauben machen möchte. Die auf der zweiten Scheibe vertretenen Songs stammen vorwiegend von jüngeren Alben. Vorwiegend hören wir Stücke vom aktuellen Scheibchen, mal in einer Akustik- oder in einer Liveversion. Nur selten reicht die Referenz über das Jahr 2009 hinaus wie bei „Everything Glows“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2000.
Für Fans ist der Doppeldecker natürlich ein Appetithappen für die nächste Platte. Aber die meisten von ihnen werden das reguläre Studioalbum längst im Plattenregal haben. Für sie ist die Deluxe-Version lediglich eine im Sack gekaufte Katze aus bedruckter Pappe, die noch einmal den Albumverkauf ankurbeln möchte, damit die CD nicht in der CD-Entsorgungsanlage verschwindet.
Das wäre auch schade drum. Für Komplettisten ist die Platte sicher interessant, aber ein Konzertvideo mit Livealbum und Akustiknummern als Bonus wäre an dieser Stelle eine sichere Bank gewesen. Aber mich laust die Sonne wenn das nicht auch noch auf uns zu kommen würde. Trotzdem kann ich die Deluxe-Variante von „Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark“ Nichtbesitzern der Scheibe allein wegen der darauf enthaltenen Studiomusik empfehlen. Auch die Live-Nummern verströmen eine angenehme Atmosphäre. Bereits-Besitzer kaufen sich eben die Scheibe ein zweites Mal. Die Live-CD lohnt den Kauf. Wer von D-A-D allerdings noch nie etwas gehört hat, kann „Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark“ ebenfalls sich zulegen, hält sich zusätzlich an die oben aufgeführten Studiowerke und an das Konzertalbum „Scare Yourself“. Viel Spaß.

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