Black Sabbath – Was magisches liegt in der Luft

Black Sabbath 1970 (Copyright: Black Sabbath/ Warner Music)
Black Sabbath 1970 (Copyright: Black Sabbath/ Warner Music)

(Artikel erschien im April 2013 bei Bloodchamber.de) Da liegt was magisches in der Luft. Über das Debüt von Black Sabbath ist viel erzählt worden. Die Biografien von Tony Iommi und Ozzy Osbourne geben dazu ebenso Auskunft wie die unzähligen Interviews. Zum Beispiel, dass die Band sich vorher „Earth“ nannte. Dass das Album live im Studio eingespielt wurde, ist ebenso bekannt wie die Geschichte zur Entstehung des Titelsongs „Black Sabbath“. Aber der Klang – der war einzigartig für diese Zeit.
1970 war das Jahr in dem Deep Purple mit dem Album „In Rock“ seine legendäre Mark II-Besetzung ins Rennen schickte, Led Zeppelin ihr zweites Album veröffentlichte, die Rolling Stones vorm Fiskus nach Frankreich flohen, um das wunderbare „Exile On Main Street“ aufzunehmen, Blue Cheer aus Kalifornien den ersten Hinweis auf ein Genre zum Besten gab, das wir später „Stoner Rock“ nennen sollten.
Das im November 1969 in den Regent Sound Studios in London innerhalb weniger Stunden aufgenommene „Black Sabbath“ ist nach einem ganz anderen Muster gestrickt. Die Gitarren sind laut, der greinende Gesang von Ozzy Osbourne legt sich wie eine Klage über die Songs, die Stimmung entfaltet auf dem Debüt der Birminghamer Rocker seine düsteren Schwingen.
Das war Anti-Hippie-Musik, wie die Bandmitglieder später analysierten. In Birmingham gab es nichts, das an die kalifornische Flower-Power-Bewegung erinnern würde. Die Reste des Zweiten Weltkrieges waren wegen der Ruinen nicht zu übersehen, Ozzy Osbourne wuchs in kargen Lebensverhältnissen auf, der Lebensweg der Einwohner wurde von der nahen Fabrik und von den zahlreichen Pubs bestimmt. In Birmingham hatte die Industrielle Revolution seine Kinder gefressen wie es Jahrzehnte später auch im Ruhrpott und nach der Wiedervereinigung Deutschlands auch im Osten der Republik geschah.
Warum also über Flower Power und freie Liebe singen? „Black Sabbath“ ist aber auch mehr als nur ein früh-metallisches Zeugnis von Arbeiterkinderfrust und Teenagerwut. Drummer Aynsley Dunbar schrieb die Jamsession „The Warning“ als Ko-Autor mit, Black Sabbath coverte das von der amerikanischen Blues-Band „Crow“ stammende Stück „Evil Woman“, das 1969 auf ihrem Album „Crow Wings“ erschien. Black Sabbath koppelte das Lied im Januar 1970 als Single aus, auf deren B-Seite „Wicked World“ veröffentlicht wurde.
Düster waren die Stücke „Black Sabbath“ und „N.I.B.“. „Nativity in Black“ war jahrzehntelang wegen seiner rätselhaften Abkürzung Gegenstand von Spekulationen. Das Lied besitzt die Erzählebene aus der Sicht des Teufels und handelt nicht von Bill Wards Kinnbart. „Behind the Wall of Sleep“ ist einer Kurzgeschichte des Horrorromanautors Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) entlehnt, „The Wizard“ handelt vom Zauberer Gandalf aus Tolkiens Buch „Herr der Ringe“. In vielerlei Hinsicht kann das Debütalbum für die Geburt des inzwischen breit aufgefächerten Heavy-Metal-Genres stehen, wo Literatur, Horror, Satanismus, Christentum, Fantasy, Mystik, Gesellschaftskritik und Krieg thematisiert werden.
Das Debüt wurde seinerzeit von der britischen Presse verschmäht. Sein Klang wurde bezeichnet als würde Schwermetall in Brocken zu Boden fallen. Mit einem Verriss wurde auch die Geburtsstunde von „Heavy Metal“ eingeläutet. Wenn auch Black Sabbath wie auch Deep Purple und Led Zeppelin ihre Musik nicht als „Heavy Metal“ bezeichneten. Dennoch gelten die drei Bands und insbesondere „Black Sabbath“ als Geburtshelfer eines ganzen Genres. Nicht ganz unerheblich am Sound war Tom Allom beteiligt, der bis 1973 als Toningenieur bei den Sabbath-Alben bis „Sabbath Bloody Sabbath“ mitwirkte und in den achtziger Jahren Judas Priest zum richtigen Klang verhalf und auch ein paar der wichtigsten Hardrock-Alben der Achtziger (Def Leppard „On Through The Night“, Krokus „Headhunter“, Y&T „In Rock We Trust“) produzierte.
Seitdem ich „Black Sabbath“ zusammen mit dem fünften Studioalbum „Sabbath Bloody Sabbath“ als Musikkassette 1990 gekauft hatte, lässt mich vor allem das Debütalbum der vier Briten nicht mehr los. Es klingt noch immer magisch. Eine Stimmung, die viele etablierte und neue Bands heute nicht mehr erreichen. Mir geht’s zumindest so.

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