Kneipengespräche: Buckcherry ist nicht sexy

Buckcherry (Copyright: Eleven Seven Music)
Buckcherry (Copyright: Eleven Seven Music)

Das Leipziger Metal-Dreiergestirn aus Gus, Heavy und Mike bekam Besuch aus dem Westen. Ihr Kumpel Matti verschlug es für ein paar Tage in die Messestadt. Früher einst ein stadtbekannter Szenegitarrist, heute Museumsangestellter am Bodensee. Mit dem Wandel vom Paulus zum Saulus hatte sich auch zu allem Unglück sein Musikgeschmack geändert.

„Leute, das könnt ihr euch doch nicht antun“, meinte Matti bei seiner Limo. Bier trinkt er auch nicht mehr seit er in den Westen verschwunden ist. Die Truppe hörte gerade die neuen Alben von The New Black, Buckcherry und Audrey Horne. „Metal ist tot. Hört euch den Mist doch einmal an! Das sind Metalbands, die versuchen auf Rock zu machen. Sorry, das klingt nicht Retro sondern wie gewollt und nicht gekonnt.“ –
„Come on, lass uns doch den Spaß, uns gefällt das“, meinte Mike.
„Gerade auf dich habe ich Hoffnungen gesetzt, dass du deinen Musikgeschmack erweiterst“, erwiderte Matti vorwurfsvoll. „Habe ich mich abgemüht, dir die Vorzüge von Britney Spears, Avril Lavigne, The Unthanks und Lady Gaga beizubringen.“
Heavy und Gus feixten. Mike lief die Zornesröte ins Gesicht. „Also weißt du, einmal Metal immer Metal. Ich kann zwar auch andere Musik interessant finden, aber mein Herz gehört immer noch Metal“, sagte dann Mike sauer. Er war auch ein wenig trotzig darüber, dass Matti ihn so bloßstellte. Klar, hatte er mit seinem Kumpel so manche Kanne Wein oder Bier geleert und über die Entwicklung des Pop fabuliert. Aber Matti überträgt gerne seinen Spleen auf andere. So steht er auf Frauen im Pop. Sagt immer, er mag den Stallgeruch von röhrenden Gitarren und engen Hosen nicht. Warum soll er sich das antun bei einem Rockkonzert Männer auf einer Bühne anzugucken und dann noch inmitten von Typen zu stehen? Mike kennt die Argumente von Matti. Metal ist schwul.
Irgendwie hat er auch recht. Warum sollen sich Typen Musik von Typen anhören, die über ihre Frauengeschichten singen? Da sind Mädchen, die in ihren Liedern Männer anmachen sexueller. Dann ist auch klar, dass Metal eigentlich für Frauen gedacht sein müsste. Wo gibt es denn sonst so eine verkehrte Welt aus langhaarigen Männern, die so tun als wären sie Testosteron geschwängerte Trümmerfrauen. Richtig – im Metal.
Da hatten Punk, Alternative und Grunge mehr Weiblichkeit zu bieten. Rock erst recht, und dann noch Hip Hop und Pop.

so sieht "Confessions" aus (Copyright: Eleven Seven Music)
so sieht „Confessions“ aus (Copyright: Eleven Seven Music)

Matti: „Metal ist für mich so was wie die Fortsetzung von den Cliquen in der Kinderzeit. Das ist für mich unreif, auf der Bühne den Rummel aus Langhaarigen und Monstern sehen zu müssen. Die Musik ist limitiert und auf Breitengeschmack zugeschnitten. Wenn es was interessantes noch im Metal gibt, dann im Extrembereich. Die Technik und das Handwerk faszinieren mich. Das hat auch nichts sexuelles mehr. Aber haut mir ab mit dem Schwanzrock. Wisst ihr was Buckcherry eigentlich heißt?“ –
„Äh, … Nein“, sagte Gus und griff nach seinem Bier.
„Mann, Leute!“, stieß Matti aus, holte tief Luft, um nicht lachen zu müssen. „Ein buckcherry bedeutet, wenn du mit einer Jungfrau die 69-Stellung machst und aus ihrer Schnecke eine Linie Kokain ziehst.“
Matti musste laut lachen.
„Und noch was! Die Band selbst soll mal gesagt haben, die hat den Begriff von einem Transvestiten übernommen, der sich Buck Cherry nannte… Hahahahahahaha.“
Die drei Metaller guckten einander an und waren ziemlich ratlos.
„Vielleicht ist das auch ein Wortspiel und eine Anspielung auf Chuck Berry“, meinte Heavy schulterzuckend.
„Hahahahahaha, … ihr müsst mal eure Gesichter angucken“, rief Matti laut aus. „Und dann eine Band wie Audrey Horne, … haben sich nach einem Mädchen aus einem David-Lynch-Film benannt. Also hört mir auf mit eurer Ekel-Musik. Sicher seid ihr auch gern in Männerumkleidekabinen gewesen beim Sportunterricht. Wahrhaft männlich, … Hahahahahahaha, … wie heißt die Gruppe da? Was steht auf der CD? Voodoo Circle? Höhöhöhöhö. So ein dämlicher Name,… ich lache mich kaputt. Sicher geht ihr zu den Konzerten wegen der Musik… Hahahahahaha“
Matti bog sich in der Küche vor Lachen. „Echt Leute, ihr seid zurückgeblieben. Das ist Musik, die hinterm Mond lebt. Selbst 1980 war die Rockmusik weiter als das was ihr euch da auftischen lasst.“ –
„Und du willst mir erzählen, dass Rihanna anspruchsvolle Musik macht“, unterbrach Mike das Gelächter.
„Nee“, entgegnete Matti. „Aber sie sieht dabei so schön vulgär-sexy aus. Das kann ich von Metallica, oder eben auch Buckcherry nicht behaupten.“

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