Kneipengespräche: Walisische Weibermusik

Bullet for my valentine (Copyright: Sony Music)
Bullet for my valentine (Copyright: Sony Music)

„Wir wollten Songs schreiben, die die Zeit überdauern“, blechte der Sänger der britischen Metalband Bullet for my valentine aus dem Computer. Er erzählte über dessen neues Album „Temper, temper“. Gus und Heavy schauten sich an während sie in der Stube von Mike saßen. Kein Bock auf Kneipe heute.

„Jedes Stück nimmt dich mit auf eine kleine Reise, denn das ist es schließlich, was die Musik mit den Menschen machen sollte. Wir haben die Phase, wo wir uns irgendetwas beweisen müssen, hinter uns…“ –
„Ey! Weeßte noch!“, rief Gus zu Mike, der in der Küche Lauch schnippelte. „Bullet for my valentine! Die hatte doch deine Ex so gut befunden! Weeßte noch … die Kleene mit dem kunstroten Haar, die Null Schimmer von Metal hatte aber bei einem Metalmagazin schrieb! Hahahahaha, … die Nulpen haben wieder eine Scheibe draußen!“ –
„Nerv nich rum“, dröhnte es dumpf aus der Küche. Mike wusste zu gut, dass Bullet for my valentine der Inbegriff für Boygroup-Metal ist, der auf penetrante Art die Gehirne von metalaffinen Frauen umzupolen versucht. Wie damals bei Poison denken die, dass das Metal ist. Als die walisische Truppe auch noch auf dem With full force auftreten sollte, war auch bei ihm die Glaubwürdigkeit des Festivals auf einen neuen Tiefpunkt gerutscht.
Aus den Boxen quengelte Matt Tucker: „Wir sind jetzt Männer…“ –
Seine weitere Rede wurde von hysterischem Lachen von Gus und Heavy unterbrochen, die sich auf dem Teppich wälzten. Ihre Biere wackelten gefährlich, weil sie dabei an den lackierten Beistelltisch aus Euro-Paletten auf Rollen stießen.
„Hihihihi, … hör dir den Scheiß an“ –
„Hahahah, … der Einspieler, hust, hust, hust, … dirty little secrets, dirty little, … hahahaha…“ –
„Das Wichtigste ist, dass uns selbst gefällt, was wir tun – und dann hoffentlich auch unseren Fans. Wir machen uns keine Gedanken, was die Kritiker denken oder sagen….“, unterbrach Tucker die Szenerie.

So sieht "Temper, temper" aus (Copyright: Sony Music)
So sieht „Temper, temper“ aus (Copyright: Sony Music)

„Hört, hört“, Mike trat ein und brachte drei frische Biere mit. „Das kann er gern tun, der Penner, aber er soll die Welt von seinem postpubertären Geschwafel verschonen. Hier Jungs, die neue Audrey Horne ist zusammen mit der neuen Saxon eingetroffen…“ –
„Cool, ey!“, riefen beide, inzwischen vom Lachkrampf erholt.
„Uns interessieren Genres und Kategorien nicht…“, nöhlte Tucker weiter aus dem Internet-TV.
„Dann bezeichnet eure Musik nicht als Metal!“, rief Gus dem Bildschirm zu, als ob das etwas bewirken könnte. „Ihr macht walisische Weibermusik!“ –
„Es geht darum, zu tun, was natürlich entsteht“, antwortete Tucker monoton.
„Hahahaha“, brüllte die Gruppe in der ofenwarmen Stube. „Das tut mein Darm auch“, rief Heavy.
„Ich kann nachts hervorragend schlafen, weil ich weiß, dass die Jungs und ich die verdammt noch mal beste Platte gemacht haben, die wir überhaupt machen konnten.“ –
„Der Junge klingt verdammt selbstbewusst, wenn er das sagt“, meinte Heavy zu Gus. Mike schaute nicht weniger betroffen drein. Dann klatschte er in die Hände.
„Hey, heute gibt’s Lauchgemüse mit Fischfilet, dazu selbstgebackenes Brot. Dazu kieken wir mal den neuen Rock-Hard-TV-Kanal da im Internet. Da werden wir hoffentlich von solchen Nieten verschont.“ –
„Endlich mal ’ne gute Idee“, meinte Heavy und erhob sich vom Teppich, klopfte sich die Chipskrümel aus seinem Patronengürtel.
„Hoffentlich verschonen die uns mit Horisont und dem schlaffen Seventieskram!“ –
„Oar, oder diese unsäglichen King-Diamond-Groupies von Attic!“, murmelte Gus.
„Egal!“, antwortete Mike. „Wir haben ja noch Audrey Horne und Saxon da!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s