Kneipengespräche: Eine klingende Killermaschine

Judas Priest anno 1979 (Copyright: Fin Costello, Redferns/SonyMusic)Judas Priest anno 1979 (Copyright: FinCostello, Redferns/SonyMusic)

Judas Priest anno 1979 (Copyright: Fin Costello, Redferns/SonyMusic)

„Heavy“ ist bestens aufgelegt. Hat er wieder eine Scheibe aus seinem Plattenregal gezogen und tagelang zuhause gehört. Er erinnerte sich als er zum ersten Mal die Platte in seinen Händen hielt. Nun steht er mit seinen Kumpels in der Kneipe und philosophiert über die Vorzüge von „Killing Machine“, dem Groovemonster von Judas Priest. „Killing Machine“ wies Heavy den Weg in die metallischen Gefilde. 1989 war das Jahr seiner Entdeckung. Damals war die fünfte Studio-LP der fünf Birminghamer zehn Jahre alt geworden.

„Ich hatte die Scheibe mir als Kassette zugelegt und kam seitdem nicht mehr von diesem astreinen Dolby-Sound los“, erzählte Heavy seinem Kumpel Gus, der zustimmend nickte, Heavy weiter: „Ich denke, dass Priest mit ‚Killing Machine‘ den Grundstein für ‚British Steel‘ gelegt hatte. Die Gitarren dort noch härter abgemischt als auf ‚Killing Machine‘, doch auch die LP war ein Novum. Die melancholischen, episch angehauchten Stücke der vier Vorgängerscheiben wichen einer rockigen Attitüde, die zuweilen poppig ausfiel. Hör dir mal ‚Evening Star‘ und ‚Burning Up‘ an – bei den Liedern erkenne ich wie Judas Priest künftig immer wieder auf diese Songmuster zurückgriff, bei ‚British Steel‘, ‚Point Of Entry‘ und ‚Screaming for vengeance‘.“

Das Cover von "Killing Machine" (Copyright: Sony Music)

Das Cover von „Killing Machine“ (Copyright: Sony Music)

„Alter“, entgegnete Gus, ich kann nicht nachvollziehen warum das Album so gut ist. Ich finde ‚Painkiller‘ überragend, das erste wirkliche Metalalbum der Priester.“ Heavy schüttelte mit dem Kopf, „Nein, nein – Judas Priest entwickelte vom ersten Album Heavy Metal, definierte den Sound mit ‚Killing Machine‘ völlig neu. Schau mal was 1978 sonst noch weit und breit metallisches umherlief. Nichts!“

Gus verschränkte seine Arme und sagte: „Ey, Motörhead ist wohl kein Heavy Metal, oder was?“ Heavy konnte nur ungläubig aus der Wäsche gucken und antworten: „Nein, Motörhead ist wie Chuck Berry on speed, selbst AC/DC ist purer Rock’n’Roll, nur verzerrter gespielt. Selbst wenn du dir die Scorpions nimmst – it’s only Rock’n’Roll but I like it. Genau dasselbe mit UFO, Quiet Riot, Black Sabbath in seiner Spätphase, Deep Purple, Led Zeppelin, Whitesnake, Queen. Das alles war verwaschener Hardrock. Bei Whitesnake und späte Deep Purple höre ich sogar Soul und Funk heraus. Vorher verzerrte Deep Purple den Blues bis aufs Äußerste. Black Sabbath ist einfach nur stumpf stampfender 08/15-Blues – nur schneller gespielt. Aber trotzdem wegweisend und irgendwie neu. Und Priest definierte mit ‚Killing Machine‘ Heavy Metal wirklich neu. Hymnen, Rocker, Bangers. Hör dir den Groove von ‚Burning Up‘ an, die Mitgröhlhymne ‚Take on this world‘, den Nackenbrecher ‚Running Wild‘ oder noch besser ‚Hell bent for leather‘. Und erst das Titelstück ‚Killing machine‘! Was für ein Groover! Bei dem Album könnten Kritiker versucht sein, Priest auf eine Stufe mit Queen zu stellen – aus kompositorischer Hinsicht. Rob Halford sang nie so variabel. Die beiden Gitarren klangen nie so harmonisch aufeinander abgestimmt wie auf dieser Scheibe. Beim Hören dieser Platte weißt du, warum Accept, Running Wild, Slayer, Metallica, Megadeth und all die anderen Bands auf die doppelte Axt schwören. Und hör dir verdammt noch mal den Klang an! So was hörst du auf keiner anderen Scheibe vor und nach ‚Killing Machine‘! Es ist so heavy!“

Gus gab’s auf. „Wenn du’s sagst…, höre ich vielleicht nochmals rein. Ich bin zwar nicht überzeugt, aber jetzt interessiert mich mal die Prä-Metal-Phase von Priest.“ Heavy stöhnte, „Es gab bei Priest nie eine Prä-Metal-Phase. Die Band war von Anfang an Metal pur!“ Sprach’s, ging zum DJ und fragte nach einem Track von der 1978er-Scheibe. Bald darauf ertönte „Running Wild“. Heavy ging zu Gus zurück: „Hör dir dieses verdammte Lied auf Vinyl an. Da kackt sogar die neue Remasters-Vinyl-Edition von Iron Maiden ab. Bei Priest hatte das Management darauf geachtet, den Fans Qualität zu liefern. Glasklar!“

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