Kneipengespräche: Ein fragiles Euro-Pop-Melodram aus Italien

A toys orchestra (Copyright: Urtovox/Alabianca)
A toys orchestra (Copyright: Urtovox/Alabianca)

Wir befanden uns auf dem Weg ins „Ultravox“. Viertes Adventswochenende. Leipzigs Straßen waren vom Regen besprüht. Der matte Glanz der Asphaltdecke begleitete uns mit dem Schillern des orangefarbenen Natriumstraßenlampenlichts. In der Musikkneipe empfing uns ein vertrauter Klang – dennoch irgendwie neu.

Ramon saß an einem Tisch im Kneipengewusel. Lange Zeit war er Gitarrist der Leipziger Rockband Z.E.N. Breakers, hatte aber nach seinem Ausstieg seine eigene Truppe mit dem Namen Guerilla Radio wiederbelebt und kümmert sich um das Booking der Kneipe. Sein Vater ist der Sänger der berühmten Post-Punk-Gruppe „Lebensart“, die in der DDR bereits auftauchte und erste Nachwendeerfolge verzeichnete.

Damals schaute alle Welt noch nach Leipzig, wusste und schätzte was hier ging. Inzwischen ist das nicht mehr so. Die Musikszene erscheint nicht mehr interessant, obwohl über zwei Jahrzehnte lang einige gute Hausnummern kamen und gingen. Jetzt sind es Singer Songwriter, Punkrocker und Opera-Metalbands. Ramon weiß viel über Musik und kennt auch das, was über den Tellerrand blickt. So hat er seine Drähte überall hin verknüpft. Sogar bis nach Italien, Neuseeland und Amerika.

„Hey“, rief Gus ihm zu, „Was höre ich da? Klingt ja fast wie eine Mischung aus Arcade Fire und Brit Pop!“ Ich schaute zu wie Gus seinen alten Kumpel umarmte und beide sich hinsetzten. „Das ist Ronn“, stellte Gus mich Ramon vor. Wir bestellten Bier und lauschten was der Musiker uns über eine italienische Band erzählte, die er kürzlich entdeckte. „Du glaubst es nicht, da lernte ich doch vor ein paar Monaten eine heiße Italienerin kennen, die leider mit ein paar Typen rumzog, die wie ihre Zuhälter aussahen. Da war ich mit Mike in Süditalien unterwegs. Die vermeintlichen Gangster und die Schönheit entpuppten sich als wirklich sehr nette Mitglieder einer Band, die 2013 ein neues Album rausbringen will. Heißt A toys orchestra und gibt’s schon seit 1998.“

„Noch nie gehört“, meinte ich, „Aber klingt super. Hat internationales Format, sage ich mal.“ –
„Na klar!“, entgegnete Ramon, „Die treten im Januar bei einem großen Festival auf. Das wird ihr Indie-Durchbruch sein, prognostiziere ich. Hat zwar schon vier oder fünf Scheiben draußen, aber erst 2007 wurde die Truppe international bekannter, weil sie ’nen Preis gewonnen hat, … oar, wie hieß der noch mal…?, … MEI, oder so etwas. Bestes Album. Vorher hatten sie was für einen Videoclip gekriegt. Und 2010 dann das erste große Aufhorchen in good ol‘ Europe“ wegen ‚Midnight Talks‘, … Leute, A toys orchestra wird nach der neuen Platte die Indie-Nummer 2013!“

„Wie wird die Scheibe heißen?“, fragte ich. „Ich glaube so was wie Metallicas ‚And justice for all…‘ mit den Punkten. Wart‘ mal, gleich hab ich’s …. Hier steht’s“, sagte Ramon und zeigte uns auf seinem Smartphone die Homepage der Italiener, „Da steht’s, … ‚An Introduction To …‘, aha…“ –
„Haut voll rein, der Sound“, sagte nach einer Weile Gus, der sich die ganze Zeit über aus dem Gespräch geklinkt hatte, um mehr von der Musik zu haben. Sagte er. Aber in den Augenwinkeln sah ich, dass er mit ein paar jungen Frauen quatschte. Er hatte aber so viel Chuzpe zu sagen, dass die Elektro-Bit-Nummern nicht so gut seien, aber wenn’s rockiger wird, klänge alles viel runder. „Etwas windschief, so der Anschein, etwas schräg, aber eigenständig, eingängig und gegen den Strich gebürstet.“ –
„Aber auch nicht zu sehr“, meinte Ramon während er sich eine Zigarette anzündete, „Die Eightees-Ninetees-Klänge finde ich sehr reizvoll. Die Truppe würde sehr gut hier ins Ultravox passen, oder vielleicht auch in die Fabrik 2. Aber da geht mir mein Chef an die Gurgel, wenn mir so ein dicker Fisch entgehen würde. Dieser melancholische Sound kommt voll an. Aber vielleicht rede ich mit jemanden ganz anderen darüber.“-
„Kennste die vom Plateau-Festival?“, fragte Gus, „A toys orchestra würde super dorthin passen. Sicher ’ne gute Clubband. Musste mir mal die Italienerin vorstellen. Ich denke, wir würden uns super verstehen…“

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