Kneipengespräche: Ich bin Gigant

I Am Giant (Copyright: Sony BMG/Piratesmile)

I Am Giant (Copyright: Sony BMG/Piratesmile)

„Sind sie es?“, Gus machte große Augen und fragte in die Runde, ob die Londoner Truppe nun auch in Europa langsam Fuß fasst. „Keene Ahnung wer das ist“, erwiderte sein Kumpel Mike, „Erinnert mich aber irgendwie an Alternative Rocker aus Amerika, die du mir früher immer vorgespielt hast. So dieser College-Sound, der sich in Chino-Hosen, Schiebermützen und Karohemden kleidet – nicht Metal.“

„Na und?“, entgegnete Gus seinem Gegenüber. „Kann doch trotzdem gute Musik sein. Es geht bei manchen Musikern eben nicht um Äußerlichkeiten. Aber wenn das I Am Giant ist, dann springe ich im Quadrat, weil die Truppe auch hierzulande mal endlich Gehör findet. Gibt es schon seit 2008, hat schon ’ne Debüt-CD draußen und stellt sich aktuell mit einer EP vor, die fabelhaft ankommt derzeit.“ Mike zuckte mit den Schultern während er sich irgendeinen Flyer desinteressiert anschaute. Irgendwas mit Metal drauf. ‚N Konzerthinweis, den er nur in seinen Händen hält, um sich nicht mit dem Thema Rock zu beschäftigen. Neue Klänge, … das geht gar nicht. Mike ist eben ein stockkonservativer Metal-Konsument, der auf die abgedrehten Klänge steht. Hauptsache keine Gefühle. Interessiert ihn doch nicht was der britische Metalreporter Sam Dunn in seiner Reihe „Metal Evolution“ herausfand: Metal ist gefühllose Autistenmusik. Wenn es nach dieser Psychologin geht, dachte er sich noch. Ihm doch egal! Dann ging ihm Gus auf den Sack. Der mit seiner Musikbegeisterung! Hört der sich tatsächlich Jacques Brél, Beastie Boys, Run DMC, Miles Davis an und sitzt mit seinem Iron-Maiden-Shirt und dem Nietengürtel ihm gegenüber, schlürft Bier und geht ab und an zu seinen blöden Apple-Computer und kramt da alte Achtziger-Thrash-Klassiker hervor – wenn Gus mal wieder DJ spielt. Das mag Mike. Aber dieser Alternative-Sound…

EP "I Am Giant" (Copyright: Sony BMG/Piratesmile)

EP „I Am Giant“ (Copyright: Sony BMG/Piratesmile)

„Näj“, entfuhr es ihm, „Nicht mein Ding.“ Gus schaute ihn an. Klar! Kann er doch sagen, dachte er. Entgeht seinem Kumpel doch eine ziemlich geile Mucke, die himmelhoch jauchzt und ach so tief jammert. „Ich will dich ja nicht überzeugen, dass du das gut finden sollst“, sagte Gus, „Zieh dir einfach die neuen Nummern rein“, und an den Kneiper gewandt, „Ist doch die neue I Am Giant?“ Der Angesprochene nickte, zeigte auf den Bildschirm. Dort prangte das Digitalbild des Albumcovers. ‚N Typ als Schatten auf einer Wüstenstraße. Daneben ein Schild mit dem selben Schattenriss wie der auf die Straße geworfen wird. „Ich finde das gar nicht so schlecht“, meinte der Tresenmann, „Hat so eine traurige Grundstimmung, kommt aber immer noch druckvoll rüber, ist etwas hardcorig, punkig vielleicht, hat aber auch rockige Anleihen. Besonders der Sänger hat es drauf. Seine Stimme verleiht der Scheibe so ein gewisses Etwas. Der Gesamteindruck – möchte ich meinen – wächst bei jedem Hören und geht irgendwann gar nicht mehr aus dem Ohr. Die Band muss man sich merken, wenn die mal übern Teich schippert.“ Gus war beeindruckt. Besser hätte er seinen Eindruck auch nicht zusammen fassen können. „Kannste mal das Video abspielen“, fragte Gus den Barmenschen. „Na klar, … here you are!“, kam als Antwort. Gigantisch fühlten sich die Drei zwar nicht beim Hören von I Am Giant. Aber immerhin großartig genug, mal für eine kurze Zeit in eine andere Welt eintauchen zu können. Gus nippte an seinem Bier und sagte: „Von denen werden wir noch einiges in der Zukunft hören. Bei dem Namen…“

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