Kneipengespräche Rau-Romantisch: Deftones mit Koi No Yokan

Deftones 2012 (Copyright: Deftones.com)

Deftones 2012 (Copyright: Deftones.com)

Mike S. erinnert sich. „Knife Party“ war der Song, der ihm im Gedächtnis hängen blieb nachdem er eine Frau besuchte, die großer Deftones-Fan ist. „Knife Party“ drückte für ihn die vollkommene Verzweifung aus. Die Frau ist Geschichte, aber Deftones blieb. In „Koi No Yokan“ könnte er sich wieder verlieben als wäre der Sound der siebten Scheibe eine frühreife Göre.

Mike möchte nichts kritisieren, was Deftones auf ihrem neuen Longplayer bannte. Er mag das Album so wie es ist. Das war mit jeder Scheibe so, die nach „White Pony“ veröffentlicht wurde – jenem Studiowerk worauf auch „Knife Party“ sich befindet. Er findet auf „Koi No Yokan“ genau das wieder, was Deftones ausmacht. Ist es die vertonte Verzweiflung, die Wucht, die Intensität, die Trostlosigkeit in den hymnischen, harmoniesüchtigen und doch so brutal inszenierten Stücken?

So sieht "Koi No Yokan" aus (Copyright: Deftones/Reprise Records)

So sieht „Koi No Yokan“ aus (Copyright: Deftones/Reprise Records)

Sieht S. weit mehr in der Musik auf „Koi No Yokan“ als ein Fan zu meinen und zu wissen glaubt? Für ihn ist der Sound der Deftones weit mehr als pure Unterhaltung. Die Band produziert aus seiner Sicht weitaus mehr als nur den Soundtrack für ein Samstagnacht-Tänzchen. Mehr als nur die musikalische Beilage für eine Prügelei ums Prinzip. Für ihn ist die Musik der Deftones zwar Kampf, aber vielmehr die Vertonung um ein inneres Ringen um das eigene Sein, das Ich. Weniger der Krampf um die Existenz und um dessen Willen. Nicht um das was andere von ihm erwarten, denken, hoffen.

Ist Mike mit dieser Einstellung weltfremd – realitätsfern? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Er hat nunmal keine Lust auf die Ziele anderer. Er will nunmal nicht fremde Babies füttern. Er möchte auch nicht zum Schlafengehen den täglichen Wahnsinn mitnehmen. Für ihn existiert der Wahnsinn nicht, den andere durchleben. Nicht die Jagd nach dem Geld, die Jagd nach dem Job um der Miete Willen. Oder anderen Dingen, die ihn nicht erfüllen. Er sehnt sich nur nach einem Echo, einer zweiten Hälfte. Deftones gibt ihm nur einen sanften, aber kalten Trost. Die Leere von Mike vermag das nicht auszufüllen. Trotzdem ist „Koi No Yokan“ wie „White Pony“ sein Soundtrack. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Künstler: Deftones
Album: Koi No Yokan
Veröffentlichung: Herbst 2012
Webseite: www.deftones.com

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