Eine entflammte Frau: Alicia Keys bezaubert mit Sex, Glaube und Selbsterkenntnissen

Alicia Keys ist das "Girl on fire" (Copyright: Alicia Keys/RCA)

Alicia Keys ist das „Girl on fire“ (Copyright: Alicia Keys/RCA)

Wenn jemand ihr etwas über „Leipzig ist das neue Berlin“ erzählen würde, müsste sie entweder in Staunen versetzt sein oder in Lachen ausbrechen. Alicia Keys, selbst gebürtige New Yorkerin, würde den Tanz um das Leipziger Szene und Kultur-Kalb nicht verstehen. Das muss die mehrfache Grammy-Gewinnerin auch nicht. Die fünftbeste Künstlerin des angebrochenen Jahrhunderts gibt sich als „Girl on fire“ –  die Musikwelt liegt ihr zu Füßen.

Mit ihrem fünften Album gibt die 1981 in Manhattan geborene Musikerin als gereifte und umwerfend sexy Frau. Ihre Locken sind glatten Haaren gewichen, die zum einem Bubikopf frisiert sind. Rot geschminkte Lippen zum Schmollmund karikiert. Die R&B-Künstlerin mimt den Vamp. Als solcher singt sie lasziv ruhige Nummern wie „Brand New Me“, „When It’s All Over“ und meinen persönlichen Favorit „Listen To You Heart“. Wenn sie aber mit Künstlern wie Nicki Minaj und Maxwell kollaboriert beschleicht mich ein unbehagliches Gefühl. Hämmern noch in der „Inferno“-Version von „Girl on fire“ die Bässe, beklagt Keys wie ein läufiges Kätzchen den fehlenden Kater, samtet sanft Soulfever-Jauchzen in „Fire we make“. Ein Gefühlscocktail, der kurz vorm Explodieren zu sein scheint. So gefährlich sind Frauen, sage ich mir. Geht es in dem einen Moment hart zur Sache, ist eine Minute später Chillout angesagt. Nur die Ruhe vorm Sturm, denke ich.

So sieht "Girl on fire" aus (Copyright: RCA)

So sieht „Girl on fire“ aus (Copyright: RCA)

Falsch gedacht. Ruhig und sexy dreht sich die Scheibe weiter. Bewährtes Rezept: R&B der alten Schule, weiblich, beseelt, kratzig herb, schmachtend und eindringlich. Die Themen: Liebe, Leben, Feuer, Glaube. Da brennt der rollige Kater, buhlt um mehr Liebe von seiner Angehimmelten. Sie füttert ihn aber mit leichtfüßigen Popsongs, die ihn um Gnade betteln lassen.

War da noch etwas? „Girl on fire“ ist die erste Scheibe von Alicia Keys bei dem amerikanischen Plattenlabel RCA, das zur Bertelsmann-Gruppe gehört. „Deswegen war das Album bei Amazon wohl so billig“, meinte ein musikliebender Zeitgenosse zu mir. „Gut“, entgegnete ich, „früher oder später landet sowieso alles in der Ramschkiste. Auch unser Leben, das ohne Erben verstreicht. Das fliegt in den Sperrmüllcontainer der Kommune. Egal ob man Gedichte schrieb, Bilder malte oder einfach ’ne coole Zeit dokumentierte. Der Mensch als Archiv. Was ist das noch wert?“

„Tja“, meinte mein Gegenüber. Er wird nachdenklich. „Eigentlich hast du recht. Kannst du neuen Kaffee aufsetzen und die Scheibe noch einmal rotieren lassen? Mir gefällt nämlich der krönende Abschluss von ‚Girl on fire‘. Heißt „101“ und lässt das ‚Halleluja‘ aus Keys Kehle so unglaublich wirkungsvoll entfalten. Ich glaub, mit Alicia bin ich jetzt ein Stück weit Gott näher.“

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Künstler: Alicia Keys
Album: Girl on fire
Label: RCA
Erscheinungsdatum: Herbst 2012
Webseite: www.aliciakeys.com

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