Das Buch Dietmar: Rainald Grebe verbeugt sich vor einem Comedian

"Das Buch Dietmar" (Copyright: Voland & Quist)

„Das Buch Dietmar“ (Copyright: Voland & Quist)

Ich muss zugeben: Ich kenne Dietmar nicht. Bis ich einen Schmöker aus dem Verlagshaus Voland & Quist überreicht bekam, den Rainald Grebe herausgibt. Grebe? Der weltmännische Märchenerzähler aus Berlin, der in Leipzig für ein volles Theaterhaus sorgt? Genau der! Und was ist mit Dietmar?

„Mach das aus!“, sagte Volly Tanner zu mir als ich an seinem Rechner auf Youtube spielte. Ich wollte wissen wer Dietmar Burdinski ist. „Wer ist das?“, fragte mich der Leipziger Szeneliterat. „‚N Comedian, der im ‚Quatsch Comedy Club‘ groß wurde, aber nie so groß wie jemand wie Rainald Grebe“, entgegnete ich. Volly knurrte. Ist nicht so richtig sein Thema. Egal. Also nahm ich das Buch zur Hand und las den Beipackzettel, den man für die Journalisten schreibt, damit sie den Grund für so eine Veröffentlichung erfahren. Im Vorwort von Rainald Grebe erfährt der Leser noch mehr. Von Burdinskis Alkoholproblem, von seiner kaputten Wohnung, seinen genialen Einfällen und von seinem Kotbeutel. Groß war er, der Burdinski. Zwei Meter lang und ziemlich gewitzt.

Er war so witzig, dass er in den neunziger Jahren lustige Briefe an Behörden, Firmen und Institutionen schrieb. Oft bekam er witzige Antworten zurück – meist von Leuten, die vielleicht wussten, wer Dietmar Burdinski ist und war. Da lebte er noch, der 1959 in Köln geborene Mann, der als Polizist, BWL-er und nach einer schweren Krise Comedian umtriebig war und 2001 aus der Öffentlichkeit verschwand. Die Impro-Sendung „Dittsche – Das wirklich wahre Leben“ geht auch auf seine Kappe. Vielmehr gesagt: ging. Burdinski verstarb 2010 und liegt seitdem unter einer Eiche auf einem Fürstenwaldener Friedhof. Aber darum geht es Grebe nicht. Er möchte sein Vorbild zum Leuchten bringen, Burdinskis Andenken aufrecht erhalten und dessen letzte Angelegenheiten regeln. „Das Buch Dietmar“ die Nachlassverwaltung aus liegen gebliebenen Projekten und Ideen sowie vergriffenen Seiten des gesundheitlich gebeutelten Mannes.

280 Seiten dick und seit 1. November 2012 erhältlich: Das Buch Dietmar (Copyright: Voland & Quist)

280 Seiten dick und seit 1. November 2012 erhältlich: Das Buch Dietmar (Copyright: Voland & Quist)

Das Blätterwerk ist dick. Auf rund 280 Seiten versammelte Grebe die Meisterwerke des Comedians. Zuerst blicken die Lesenden auf ein altes Foto worauf ein Kind abgebildet ist. So’n pummeliges mit Topfschnitt und in kurzen Hosen gekleidet. Das Hemd hineingesteckt, der Blick ernst. Die Mundwinkel des Kindes fallen herunter. Daneben der Text wie ein kurzes Requiem: „Für alle, die ihn kannten / Für alle, die ihn jetzt kennenlernen.“ Und wie wir ihn kennenlernen. Grebe beschreibt in seinem Geleit wie er Burdinski traf, begann mit Burdinski zu arbeiten und ihn privat als auch beruflich zu schätzen lernte – und er schreibt auch warum Burdinski ein Vorreiter des Comedy-Fachs in der BRD war. Kein politischer Kabarettist, aber ein ironisch blinzelnder Beobachter der Gesellschaft, der Menschen aus der Nachbarschaft, aus dem Berufsleben, von der Straße skizzierte – mit Tinte und Buntstiften. Wie ein Erich Kästner der Bühne, mag man meinen wenn man seine erfundenen Märchen, Textbeiträgen für seine Show, seine Briefe, seine Tagebucheinträge liest. Absurd komisch als Burdinski sich als Guru in Lüneburg preisgab, nachdenklich seine Tagebucheinträge, seltsam beängstigend ironisch seine „Hypochonder Rundschau“ im waschechten Apotheker-Style, oder seine Kurzgeschichten. Fotos des baumlangen Kerls befinden sich auch mittendrin.

Zwischendurch geben Comedians wie Olli Dietrich, Thomas Herrmanns, Jess Joachimsen, Michael Mittermeier, Olaf Schubert und Bastian Pastewka ihre Eindrücke über Dietmar Burdinski zum Besten. Ich lernte ihn nicht kennen. Also persönlich meine ich. Aber Rainald Grebe, den kenne ich (ein wenig). Ich weiß, dass Burdinksi viel mit Grebe zusammen arbeitete. Dass Grebe viel auf seinen künstlerischen Ziehvater setzt, weiß ich auch, und dass beide auch privat einander mochten. Vielleicht lerne ich Burdinski näher kennen, wenn ich die dem Buch beigefügte CD lausche. Aber er wird trotzdem unwiederbringlich verloren sein. So als atmender Mensch, der einen zuhört, mit einem lacht und singt und sich durch das Gestrüpp, das wir Leben nennen, seinen Weg bahnt. Sein Ziel fand er. Finden die Menschen posthum den Weg zu ihn? Das werden wir mit dem Buch nicht beantwortet bekommen. Dafür erhalten wir ein wunderbar zusammengestelltes Memoriam , das Dietmar Burdinski für alle auf lange Zeit für jeden, der ihn kennenlernen will, zugänglich macht. Vielleicht auch seinen Skeptikern – falls es wirklich welche gibt.

Titel: Das Buch Dietmar – Meisterwerke eines großen Humoristen
Herausgeber: Rainald Grebe
Verlag: Voland & Quist
ISBN: 978-3-863891-015-0

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