Stone Sour: House Of Gold & Bones

Härter, düsterer, schwermütiger: Stone Sour 2012 (Copyright: Roadrunner/Warner)
Härter, düsterer, schwermütiger: Stone Sour 2012 (Copyright: Roadrunner/Warner)

Corey Taylor war schon immer wütend. Der treusorgende Vater und Ehemann brüllschreit sonst hauptberuflich bei seinen verrückten Clowns von Slipknot. Bei seinem Langzeit-Hobby Stone Sour kann er die sanfte Seite herauskehren. Seit Slipknot sich ein wenig rar macht, wächst Stone Sour zu Taylors Hauptgeschäftsstelle heran. Mit „House Of Gold & Bones“ erscheint das vierte Studioalbum der nach einem Cocktail benannten Anzugrocker. Teil 5 steht schon in der Warteschleife.
Stone Sour war für mich der perfekte Spagat zwischen radiotauglichen Hardrockern und Depri-Hits. Etwas sanfter gestrickt und weniger wahnsinnig als die Schlüpferknoten-Metaller aus Iowa. Das erste Understatement war die Eisenbahngleisweiche im CD-Heftchen, die den Eindruck eines umgedrehten Pentagrams vermittelte. Bei Slipknot musste es schon der bunte Ziegenbock sein, um zu sagen: Wir sind gegen eure verstaubten Konventionen, ihr scheinheiligen Spießer! Corey Taylor wurde mit der Zeit sanfter. Seine Zufriedenheit schlug sich in den Alben „Come Whatever May“ und „Audio Secrecy“ nieder. Fehlten nur noch Taschentücher als CD-Beilagen.
Zellulose-Schnupftücher braucht beim Hören von „House Of Gold & Bones“ keiner. Die ersten drei Stücke „Gone Sovereign“, „Absolute Zero“ und „A Rumor Of Skin“ machen unmissverständlich klar, dass der Wolf Taylor seine Kreide ausspuckte und mal richtig wütend alles niederbrüllt, was ihn krank macht. Taylor ist gefühlt ganz unten angelangt. Die Ballade „The Travellers“ ein befremdlich, fast schon bedrohlich wirkendes Stück mit Wachstumsqualitäten. „Tired“ setzt die melancholische Reise fort bis dann „RU 486“ die Nu-Metal-Keule wieder unerbittlich schwingt. Stone Sour stiehlt mit dem Lied Slipknot zwar nicht die Schau, aber ist verdammt nah dran. Nach dem Weichspülalbum „Audio Secrecy“ steht „House Of Gold & Bones“ dem ruppigen Debüt näher als die dazwischen erschienenen Scheiben.

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„House of Gold & Bones hätte ruhig unmittelbar nach dem Debüt erscheinen sollen“, sagt eine Freundin von mir beim Hören von „RU 486“ und windet sich auf meinem Teppich beim Groove dieses Monsters von einem Song, bei dem Corey Taylor seine aufgestaute Bitternis mit einem grollenden Gesangsstil Ausdruck verleiht, der so giftig klingt, dass sogar mein Browser abstürzt. Die Journalisten bekommen nur die Chance, die Scheibe über eine extra eingerichtete Webseite zu hören. Aus Angst der Plattenfirma Warner / Roadrunner vor illegaler Verbreitung des Albums im weltweiten Spinnennetz „Internet“.
Gift und Galle spuckt Taylor auch in „My Name Is Allen“. Frau rollt sich auf dem Teppichboden und singt lauthals mit – beim ersten Vernehmen der Texte. Natürlich klappt das mit dem Timing nicht so ganz, aber das üben wir noch einmal wie das beim zweiten Mal klingen soll. Spätestens beim Rock am Ring oder With Full Force 2013 müssen die Texte sitzen, damit der Frontmann seine Deutschkenntnisse auffrischen kann während die Massen seine Lyrikzeilen grölen. „Bis dahin hat er sicher wieder seine rotblonde Wallefrisur zurück“, meint die Teppichdame verzückt. „Jetzt sieht Corey mit seinem schwarzen Irokesen-Klecks einfach nur Scheiße aus. So lange singst du mit mir den Text von ‚Taciturn‘ und kommst zu mir auf den Teppich herunter. Hör auf zu tippen!“
Ich muss schlucken. Wollte ich noch was zum Konzept schreiben, … aber vermaledeit! Da war ja noch etwas! Ach ja, … Teil 2 kommt 2013! Mit Comicstrip zur Geschichten um einen Typen, der es schwer im Leben hat.

Künstler: Stone Sour
Album: House Of Gold & Bones Part 1
Veröffentlichung: 19.10.2012
Plattenfirma: Roadrunner Records/Warner Music
Webseite: www.stonesour.com

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