Ill Nino: Epidemia in Noten

Ill Nino mit "Epidemia" im Zeichen des Wandels (Copyright: Ill Nino)

Ill Nino mit „Epidemia“ im Zeichen des Wandels (Copyright: Ill Nino)

Was soll jemand über eine Metalband groß schreiben? Für gewöhnlich ist sie laut, klingt hart, besitzt brutale Texte. Ein Unterscheidungsmerkmal unterscheidet das „kranke Kind“ von anderen Gruppen gleichen Kalibers. Während Killswitch Engage in Melodien und Harmonien schwelgt, Hatebreed den Harten markiert, Lamb Of God auf Kante schlägt, versucht Ill Nino mit relaxter und ausgefeilter Wucht vorzugehen. Gelingt das der Band auch?

Zehn neue Titel vereint Ill Nino auf ihrem sechsten Langeisen, das „Epidemia“ heißt. Die 1998 gegründete Bande um Sänger Christian Machado gibt sich hörbar Mühe, die Hörer mit komplex gestrickten und dennoch eingängigen Songs zu fesseln. Das schafft der Sechser mit gesungenen Harmonien und vielen kleinen Details bei der Gitarrenfraktion. Außerdem breitet der Rhythmusteppich seine brummenden Bässe aus. Laut Machado will die Band  mit „Epidemia“ den „Latin Metal“ neu definieren. In den Charts taucht Ill Nino schon lange nicht mehr auf.

Trotz dem Willen, alles anders zu machen, wirkt auf „Epidemia“ vieles schon allbekannt. Die auf dem Zehnpfünder verbratene Rezeptur besitzt jene Zerfahrenheit und Hektik, die an die Zeiten erinnert als Ill Nino noch zu den ganz Großen des so genannten „Nu Metal“-Trends gehörte. Muss das zwangsläufig langweilig und einfallslos sein wie ein Schreiber des Heavy-Metal-Internetportals „metal.de“ zu glauben gedenkt? Eigentlich nicht. Ill Nino legte an Härte zu, braucht mit „Epidemia“ nicht ganz so lang, um in den Ohren hängen zu bleiben.

Während die beiden Vorgängerscheiden „Enigma“ und „Dead New World“ eine gewisse Unentschiedenheit erkennen ließen, besitzt „Enigma“ die Klasse in etwa an ihr zweites und drittes Album anschließen zu können, die neben dem Debüt „Revolution Revólucion“ zu den erfolgreichsten der Karriere der sechs Lateinamerikaner gehören. Ill Nino bemüht sich nicht, nur ansatzweise nach einem Hit zu wühlen. Die Gruppe kann mit „Epidemia“ dort anschließen, wo sie 2005 aufhörte. Ein paar lateinamerikanische, entspannt klingende Einsprengsel wie in „Escape“ liefert die Band ebenfalls. An einem Song wie „Death Wants More“ hätte das Sextett ruhig länger feilen können, dann wäre das Stück ein echter Hit im klassischen „Nu Metal“-Mantel geworden. So bleibt ein ganz gutes Lebenszeichen der Latinos im Plattenregal stehen, das gute Aussichten für die nächste Scheibe verspricht.

Künstler: Ill Nino
Album: Epidemia
Veröffentlichung: 26.10.2012
Plattenfirma: AFM Records
Webseite: AFM Records/Ill Nino

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2 Kommentare

  1. Mir persönlich haben „Enigma“ und „Dead New World“ sehr gut gefallen, obwohl sich hierüber sicherlich streiten lässt. „Epidemia“ schwächelt aber tatsächlich, vor allem das Songwriting. Beim Hören bleibt einfach nicht viel hängen.

  2. Hallo Anonym. Das sehe ich bekanntlich etwas anders. 😉 Steigerungsfähig, aber nicht schwach.

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