Mogelpackung mit Schmiss: EMI verramscht Saxon

Saxon (Copyright: Saxon747.com)

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Ich glaube, viele Freunde der New Wave Of British Heavy Metal machen sich nass vor Freude. Die neben Iron Maiden, Def Leppard und Venom langlebigste Truppe der englischen Metaller-Bewegung der Endsiebziger Jahre wird von ihrer ehemaligen Plattenfirma EMI ganz besonders gewürdigt. Die Rede ist von Saxon. Eine Band, die Heavy Metal mit seiner Gründung Ende der siebziger Jahre ein öltriefendes Herz einpflanzte und Biker Metal schuf.

1992 habe ich Saxon mein erstes und letztes Mal live sehen können. Damals stand ich mitten in der Hallenser Eissporthalle und stierte auf die Truppe, die gerade den Nachschlag zu ihrem Comeback „Solid Ball Of Rock“ vorstellte. „Forever Free“ heißt die Langrille, die ich mir vor Ort zusammen mit „Solid Ball Of Rock“ als Vinyl kaufte. Da stand ich nun und bekam Gänsehaut als ich das erste Riff von „Princess Of The Night“ hörte. Danach schepperte Motörhead mit ihrer damals noch bekannten Vierer-Besetzung seine Klassiker in die Ohren der Besucher. Eine Woche lang fiepten meine Ohren. Seitdem höre ich auf dem rechten Ohr nicht mehr ganz so gut.

Nach und nach legte ich mir sämtliche Scheiben der „Sachsen“ zu. Angefangen von „Denim & Leather“, „Wheels Of Steel“ und „Crusader“ bis hin zu den weniger beliebten Scheiben wie „Destiny“. Ich bin rundum mit den erworbenen Silberlingen zufrieden. Muss ich mir jetzt auch die neuen Box-Veröffentlichungen kaufen? Eine Frage, die noch von anderen flankiert wird. Warum macht EMI das? Um noch einmal vom neuen Schub nach dem 2012er Wacken-Open-Air-Auftritt der Jungs um Sänger Biff Byford zu profitieren? Weil es der Plattenfirma um die Fans geht? Weil Metal-Vorreiter Judas Priest dank ihrer Plattenfirma Sony mit seinen wirklich hochwertigen Geburtstags-Wiederveröffentlichungen von „British Steel“ und „Screaming For Vengeance“ die Aufmerksamkeit auf seine eigene Geschichte zog und EMI unbedingt mitmischen will?

Fragen, die schnell beantwortet werden können. Der Preis der beiden 4-CD-Boxen fällt angesichts ihrer Üppigkeit und im Vergleich zu den Priest-Wiederveröffentlichungen recht mager aus. Katze im Sack? Was wird geliefert? Box Numer Uno heißt „Carrere Years 1979 – 1984“ und stellt die ersten sechs Studioalben und das erste Live-Album der „sächsischen“ Briten fast frei Haus vor. Die zweite Box hat neben den eher mäßig erfolgreichen drei Studioscheiben von 1985 bis 1989 noch ein bislang unveröffentlichtes Live-Album auf Lager, das die Band im Jahr 1985 dokumentiert. Lockfutter für die Musikfreunde. Beim genauen Hinhören ist das „Live-Album“ nur ein Konzertmitschnitt, der wegen seines ruppigen Klangs wohl zu recht unter Verschluss gehalten wurde.

Das übliche Geplänkel wie umfangreiche Informationen und Fragenkataloge begleitet die Billig-Box-Offensive aus dem britischen Plattenlabel EMI. Und nun, frage ich armer Tor. Brauche ich die Anschaffung, die weder von alten Videoclips, Konzertfilmen und Interviews begleitet wird? Nicht wirklich. Einsteiger sollten sich aber an die Ramschware heran wagen. So günstig gab es eine halbe Diskografie einer Heavy-Metal-Legende noch nie. Für echte Fans sind die Box-Sets jedoch Mogelpackungen mit Schmiss. Für mich ein echter Schnellschuss. Lieber warte ich auf ein neues Studioalbum von Saxon, das wohl 2013 erscheinen wird. Die Studio-Podcasts laufen schon.

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