Folklore trifft auf Pop: Dazkarieh mit „Eterno Retorno“

Dazkarieh (Copyright by Laviola)
Dazkarieh (Copyright by Laviola)

Kürzlich fragte mich eine Bekannte, ob ich „Dazkarieh“ kenne. Ist mir schon einmal untergekommen. Ich glaube, das war 2011 als die Portugiesen um die schöne Sängerin Joana Negrão mit ihrem Album „Ruido do Silencio“ auch in Mitteldeutschland unterwegs waren.

Mir fiel der Vierer aus Lissabon auch wegen anderen Details auf. Die Musiker Vasco Ribeiro Casais, Luís Peixoto, Joana Negrão und André Silva beherrschen neben den heute üblichen Rockinstrumenten auch altertümliche Klangkörper. Dadurch bekommt ihr poppiger Sound einen Anstrich, der die sonst so zahmen Klänge mit Farbtupfern anreichert. Klingt nicht sehr radikal, aber die Band besitzt dadurch ein besonderes Merkmal. Sie hebt sich vom üblichen Einerlei ab.

Das ist bei ihrem sechsten Studioalbum „Eterno Retorno“ nicht anders. Nur um Himmels Willen, beschäftigt sich Dazkarieh mit der indischen und altägyptischen Philosophie, die wie eine Konzertinformation erklärt,  später bei den Pythagoräern und Stoikern, und im 19. Jahrhundert bei Nietzsche und Schopenhauer Anklang fand. Gerade jetzt! Ich hätte portugiesische Geschichten, Sagen und Mythen erwartet, die mit antiken und orientalischen Stoffen vermischt sind. Vielleicht alles nur eine Frage der Besiedelungsgeschichte Portugals? Ob durch die Phönizier eine orientalische Kultur Einzug hielt oder erst durch die Römer, kann man anhand moderner Rockmusik nicht belegen. Vielleicht geht es der 1999 gegründeten Gruppe um etwas anderes.

Dazkarieh mit "Eterno Retorno" ab Oktober im Handel (Copyright: LAviola)
Dazkarieh mit „Eterno Retorno“ ab Oktober im Handel (Copyright: LAviola)

„Eterno Retorno“ beschäftigt sich mit philosophischen Thesen, die sich mit der Zeit als Ganzes auseinandersetzen. Es geht um Zeit als Spirale, als Kreis immer fortwährender Wiederholungen. Nur auf anderen Ebenen. Fast schon spirituell. Passend auch zu dem heutzutage in den Himmel gestoßenen Gebrabbel um das Ende der Welt 2012 und den Maya-Kalender – nur auf den Kreislauf von Werden und Vergehen bezogen. Die Ouroboros-Schlange das mittelalterliche Symbol dieses Kreislaufs. Heute ist das für viele nur das Verkehrsschild für Kreisverkehr.

Klingt das Ewige auch bei „Eterno Retorno“ an? Dazkarieh besinnt sich auf ihre altbewährten Merkmale, trotz der Verwendung alter Instrumente wie keltische Sackpfeifen, Leiern, orientalische Zupfinstrumente und Akustikgitarren wie eine moderne Rockband zu klingen. Da geht’s recht flott zu – und kompakt. Keine ausufernden Erzählungen über struppige Waldteufel oder unheimliche Wassergeister. Eher kurze, ruppige Stücke, die von dem Gesang von Joana Negrão geglättet werden. Melodien mit Power. Nicht umsonst sorgt Dazkerieh bei verschiedenen Szene-Magazinen für Begeisterung.

Mich erinnert Dazkarieh eher an eine mediterrane Variante der britisch-walisischen Folk-Rockband Skyclad als sie sich Mitte der neunziger Jahre verstärkt der keltischen Folklore zuwendete und das metallische Element ihrer Musik immer mehr zurück drängte. Nur ohne einen charismatischen Sänger wie Martin Walkyier und seinen Öko-Katastrophen-Klagen, seiner Gesellschaftskritik sowie Antikriegs-Lyrik. Dagegen schielt Dazkarieh auf ganz andere Geschichten. Die sind auf „Eterno Retorno“ auch packend erzählt. Sanfter zwar, verträumter und geschliffener als bei Folkbands wie Skyclad. Das muss aber kein Wertungskriterium sein. Ich empfinde „Eterno Retorno“ als wichtiges Album für die Folkrock-Szene. Klischeefrei, sinnlich und mitreißend.

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Mehr Infos über die Band und aktuelle Tourdaten auf Laviola.

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