Klangvoller Tapetenwechsel: Calexico mit Algiers

"Algiers" von Calexico, ab 7. September 2012 im Handel. (All images are copyrighted by their respective copyright owners)

„Algiers“ von Calexico, ab 7. September 2012 im Handel. (All images are copyrighted by their respective copyright owners)

Bläsereinsätze wie bei einer Beerdigung in New Orleans oder in Mexico, weltmusikalische Einsprengsel und viel Südamerika sind die Freunde der amerikanischen Band Calexico gewohnt. Das farbige Bild ändert sich, wenn die ersten Klänge von „Algiers“ erklingen. Was ist passiert?

Ist New Orleans so ein trostloser Ort? Dorthin verschlug es die Calexico-Songschreiber Joey Burns und John Convertino. Und zwar in den Stadtteil „Algiers“. Genau wo auf historischem Grund berühmte Jazzmusiker wie Jimmy Palao, Red Allen and Emmett Hardy, und der R&B-Sänger Clarence „Frogman“ Henry lebten. Hurrikan „Katrina“ traf den am Mississippi gelegenen Stadtteil besonders hart. Färbte etwa das rund sieben Jahre zurückliegende Ereignis auf „Algiers“ ab?

Vielleicht. Bevor die Langrille in der zweiten Hälfte auf typische Calexico-Weise Fahrt aufnimmt, muss der Hörer durch ruhige Fahrwasser schwimmen. Dann tauchen sie wieder auf: Bläsereinsätze, spanischsprachiger Gesang, schmachtende Melodien und bei „No Te Vayas“ sogar ein verhaltener Hinweis auf die Jazzwurzeln von „Algiers“. Der Blick war den Liedermachern auf Kuba, Haiti und Afrika nie verstellt. Im Gegenteil: der Luftwechsel war aus Sicht von Calexico nötig, um den Kopf frei zu bekommen. Taucht der Hörer mit diesen Gedanken in die Musik von „Algiers“ und den darin erzählten Geschichten erst ein, dann erschließt sich einem der Tapetenwechsel.

Darf der Musikfreund angesichts der ruhigen Töne auf „Algiers“ von romantischer Musik sprechen? In Begleitung einer Frau sicherlich. In Gedanken genießt er mit ihr creolische Küche, Root Beer und dann …, ja dann die vielen verschiedenen Seiten des angenehmen Beisammenseins. Weiß der Liebhaber ausgefeilter Musik vom holprigen Start bei der Studioarbeit, der wird von „Algiers“ angenehmer Gelassenheit überrascht und später gänzlich in ihr gefangen sein. Wer braucht da schon eine ausgefeilte Analyse. Denn „Algiers“ klingt wie Urlaub.

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