Opulente Sommerplatte: Get Well Soon mit „The Scarlet Beast O’Seven Heads“

"The Scarlet Beast O'Seven Heads" - das Sommeralbum für melancholische Frohnaturen (Copyright: City Slang)
„The Scarlet Beast O’Seven Heads“ – das Sommeralbum für melancholische Frohnaturen (Copyright: City Slang)

Eins ist die dritte Studioscheibe von Get Well Soon schon einmal nicht: ein Machwerk. Wenn auch Bandkopf Konstantin Groppers Plattenfirma anderes in ihrer Einleitung zu „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ schreibt. Aber eine Sommerplatte ist’s geworden. Trotzdem stimmt Get Well Soon herbstliche Töne an.

Ist 2012 das Jahr des Weltuntergangs? Selbst Mythenforscher und Märchenerzähler Erich von Däniken will sich nicht auf 2012 als das Jahr der Apokalypse festlegen. Warum sollte das auch ein Musiker tun, fragt sich Konstantin Gropper selbst. Nach knapp zehn Jahren Get Well Soon denkt er nicht ans Aufhören, er macht sich einfach locker. „La Dolce Vita“ auf „The Scarlet Beast O’Seven Heads“? Nicht ganz. Wer auf das Albumbild schaut, entdeckt die Allegorie der Vergänglichkeit und des Todes. Ein ausgestopfter Vogel, ein Totenschädel, Plastiktrauben, ein unbetiteltes Buch. Alles aneinandergereiht wie Beweisstücke in einem Kriminalfall.

Einen direkten Zugang zum Album findet der Hörer mit dem Foto und den Utensilien nicht. Also Album raus und ins CD-Fach gelegt. Elegante und opulente Lieder erklingen auf „The Scarlet Beast O’Seven Heads“. Eine ständige Verbeugung vor den sechziger Jahren als Pop noch mit Orchester und Anzug inszeniert wurde. Seitenblicke in Richtung Swing und Jazz bleiben nicht aus. Klassik und Folklore schimmern auch aus den Stücken hervor. Auch kaum vernehmbare Referenzen zu Trauermärschen im Instrumental „Let Me Check My Mayan Calendar“ wie sie die britische Weltmusik-Truppe von Dead Can Dance auch zu schreiben pflegte, bleiben nicht aus. Der Kenner blickt durch. Weltuntergang geht auch beschwingt. Hat Gropper vielleicht auch die Musik vom deutschen Pop-Countertenor Klaus Nomi entdeckt? Unmerklich schleicht sich beim Hören von „The Last Days Of Rome“ das Gefühl ein, der eigenwillige Ausnahmesänger steht als Geist im Hintergrund Pate für die kleinen klanglichen Spitzen, die im Lied zunächst verhalten, dann stärker in den Vordergrund treten.

Schlüsselreize wie diese sind aber nicht ausreichend, um „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ zu beschreiben. Es ist vielmehr der Kontrast aus Wehmut und Fröhlichkeit, der „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ so interessant macht. Ein tanzbares Sommeralbum wie es vielleicht Ricky Martin oder Enrique Iglesias schreiben lassen würden, ist das weit ausladend gestrickte „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ sowieso nicht. Es sei denn man bevorzugt Walzer statt Lambada. Vielmehr tauchen beim Hören Bilder vor dem geistigen Auge auf wie sie ein Regisseur wie Tim Burton in seinen Filmen malt.

Mit diesem Eindruck sind wir schon wieder beim Albumcover angelangt, das auf seiner Rückseite noch mehr rätselhafte Beweisstücke bereit hält. Ein Abendmahlskelch aus dem es dampft, eine abgelaufene Sanduhr, ein halber Apfel, ein Huf, ein dreiarmiger Kerzenleuchter mit elektrischem Licht nur die augenfälligsten Gegenstände. Nun darf man raten was mit den Dingen gemeint ist. Get Well Soon verrät es nicht. Nicht direkt.

Aber die wohltuenden Klänge aus der Feder von Konstantin Gropper vermögen so manche Fragen im Kopf zu stellen. Nämlich warum beim Untergang der „Titanic“ fröhliche Tanzmusik gespielt wurde, weshalb mittelalterliche Totentanzbilder gar nicht so trübsinnig erscheinen, das Tödlein in Mexiko mit Frohsinn an jeden herantritt. Die Zeit läuft für jeden ab. Warum nicht mal ausbrechen und am Strand mit einer Frau tanzen? Oder mit zweien, oder dreien? Am Ende ist „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ ein smartes, wohl überlegtes, quirlig-ruhiges Popalbum geworden, das zur melancholischen Grundstruktur von jeder Frohnatur passt. Genau das Richtige für einen Neustart. Griechen und Koreaner fahren tierisch drauf ab. Die Deutschen auch?

Konzerttipp: Get Well Soon ist am 18. September 2012 in Leipzig, Werk 2 Halle D. Beginn ist 20 Uhr. Eintritt kostet 20,50 Euro an der Abendkasse. Das Album erscheint am 24. August als CD, Doppel-LP und digitaler Download.

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