Wacken & Co.: Tragische Unfälle und Straftaten an der Tagesordnung?

Dämmerung am Entenfang (Foto: Daniel Thalheim)

Dämmerung am Entenfang (Foto: Daniel Thalheim)

Sommer, Sonne, Rock’n’Roll. Die Festivalkultur blüht wie nie zuvor. Ein Wochenende lang können Musikfreunde unter freiem Himmel zelten, grillen und feiern. Bands gibt es auch zuhauf. Ab und an passiert bei der Feierei auch etwas unerwartetes. Jüngst schockte ein tragisch verstorbener junger Mann die Veranstalter des Wacken Open Airs.

Kohlenmonoxidvergiftung. Der Besucher schlief laut Angaben von Spiegel Online unter Berufung von den Nachrichtenagenturen DAPD und und DKR am vergangenen Wacken-Wochenende auf der Ladefläche seines Autos, bedeckt mit einer Plane. Dabei lief ein Notstromaggregat, gleichzeitig strömte von dem Gerät das giftige und geruchlose Gas unter die Plane. Der Mann erstickte. Untersuchungen zur wahren Todesursache laufen noch.

Man könnte meinen, Kohlenmonoxidvergiftungen gehören seit dem Aussterben der guten alten Kachelöfen der Vergangenheit an. Aber 2009 passierte ähnliches beim With Full Force als ein nicht gelöschter Grill Ursache für die Vergiftung mehrerer Personen und für ein Todesopfer verantwortlich war. Da war es die kühle Luft, die das Gas zu Boden drückte und in ein Zelt strömen ließ.

Nicht nur Festivals bergen Gefahren. Bei dem Konzert von Limp Bizkit am 4. Juli 2011 im Haus Auensee verstarb ein junger Mann, weil er nach einem nicht geklärten Vorfall mit den Sicherheitskräften auf das Walmdach des hundert Jahre alten Gebäudes kletterte, um über den Lüftungsschacht ins Innere des Saals gelangen wollte. Dabei erstickte er. Seine Leiche wurde erst Tage später zufällig gefunden. Im selben Haus kam es zu weiteren Sicherheitsproblemen. Im November 2011 gastierte Motörhead dort. Wie schon in den Vorjahren war der Saal des Haus Auensees hoffnungslos überfüllt, die Menschen hatten keine ordentlichen Fluchtwege, um zu den Toiletten zu gelangen. Einige verrichteten ihre Notdurft im Saal.

Das Leipziger Bauordnungsamt lachte über die Toilettenproblematik, obwohl es eindeutige Bundesvorschriften über die Anzahl der Toiletten nach Menschenmenge gibt. Im Haus Auersee waren bis zur 2013 erfolgten Einrichtung einer ganzen Spülkastenarmada im Erdgeschoss sowie auf der neu eingerichteten Balustrade lediglich neun Anlaufstationen für Männlein und Weiblein vorhanden. Für eine zugelassene Höchstmenge von 2.000 Personen eindeutig zu wenig. An die Vorschriften hielt bis dato sich in Leipzig anscheinend keiner.

Es ist tragisch, dass solche Vorfälle wie der Tod eines Besuchers passieren. Die können aber auch vermieden werden, wenn die Besucher über die Gefahren aufgeklärt werden. Die Organisationen solcher Festivals wie With Full Force und Wacken Open Air sind vorbildlich. Doch über Kohlenmonoxidvergiftungsgefahren, über übermäßigem Alkoholgenuss, Streitereien, Straftaten und Vorgehensweisen beim Diebstahl wird meist nicht hingewiesen. Oft in der Annahme, die Leute wissen schon Bescheid über die einfachsten Benimm- und Lebensregeln. Dass dem so ist, beweisen die aktuellen Zahlen aus dem Wacken Open Air, die Spiegel Online veröffentlichte. Auf rund 100.000 Besuchern kamen 2012 rund 430 gemeldete Straftaten. Knapp 3.000 Menschen mussten ärztlich versorgt werden. Knapp 300 Leute mussten in die Krankenhäuser. Trotz dieser Bilanz, die Masse der Zuschauer war in solche Vorkommnisse nicht verwickelt. Ein Festival ist nicht gefährlicher als der Alltag Zuhause. Die Besucher können aber die Gefahren reduzieren.

Dabei hilft der Hinweis von den Veranstaltern, dass Grills nach ihrem Gebrauch gelöscht werden sollten. Dass Zelte nicht überbelegt werden dürfen. Dass Toiletten und Gegenstände Dritter wie Zelte nicht mutwillig zerstört werden sollten. So kuschelig es manchmal darin auch sein mag, Menschen veratmen im Schlaf Sauerstoff und geben im Zelt auch Kohlendioxid von sich. Ein Gas, das angereichert im Blut auch giftig wirkt. Hinzu kommt, dass man nicht bei laufendem Motor im Auto schlafen sollte, dasselbe gilt auch für Kompressoren.

Dass nach dem Schock nicht vor dem Schock wird, müssen sich die deutschen Festival-Veranstalter ihre Köpfe über die Sicherheit zerbrechen. Dass zum Beispiel nach dem Unwetter und den Blitzverletzten auf dem diesjährigen With Full Force keine Panik ausbrach, ist auch den Organisatoren und ihrem schnellen und beherzten Eingreifen  zu verdanken. Aber auch hier gilt: Vorher Aufklärung üben, wie sich Menschen bei Gewittern zu verhalten haben. Normalerweise setzt man das richtige Verhalten beim gesunden Menschenverstand bei jedem voraus. Aber Alkohol und Feierlaune machen unvorsichtig und leichtsinnig.

Denn was auch Zuhause gilt, sollte für Festivals um so mehr gelten: Gegenseitige Rücksichtnahme. Dann kann auch beim Festivalvergnügen nichts passieren. So geschehen beim With Full Force, wo viele Festivalgäste erste Hilfe leisteten und den Anordnungen der Sicherheitskräfte  folgten. Dafür dankt das WFF-Team seit Tagen auf ihrer Homepage den Besuchern. Jetzt gilt es, den tragischen Tod des jungen Metalfans zu verarbeiten. Die Wacken-Seite auf Facebook ist bereits voll mit Kondolenzwünschen an den Verstorbenen und seine Hinterbliebenen. Auch an dieser Stelle sei von mir gesagt: Requiescat in pace.

Mehr rund ums Wacken Open Air 2012 im TV und über meine Erlebnisse beim In-Flammen-Open-Air in Torgau im vierteiligen Festivaltagebuch.

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