Ein Blick in die Achtziger: Running Wild mit Shadowmaker

Running Wild mit "Shadowmaker" (Bild/Copyrigt liegt bei Running Wild)
Running Wild mit „Shadowmaker“ (Bild/Copyrigt liegt bei Running Wild)

Was ist nur mit der deutschen Musikpresse los? Regelmäßig schießt sie sich auf Rolf Kasparek ein, der bekanntlich Chef des Running-Wild-Wolfsrudels ist. Grund für die Feme und Häme ist stets ein ominöser Drumcomputer, der auch auf „Shadowmaker“ ticken soll. Dabei ist das Comebackalbum ein Wink mit dem Zaunpfahl in zweierlei Hinsicht: Running Wild beugt sich keinen Erwartungen und in den Achtzigern hatten fast alle Heavy-Metal-Bands einen klinischen Schlagzeugklang.

Es gab Zeiten, da trat Running Wild im wilden Osten in ganz entlegenen Orten auf. Anfang der neunziger  Jahre war das. Kilometerweit fuhren manche Fans durch die sächsische Pampa, um die Band sehen zu können. Alben wie „Blazon Stone“, „Pile Of Skulls“ und „Black Hand Inn“ kamen und gingen. Running Wild blieb für viele Menschen bis zur Auflösung nach dem Abschiedsauftritt auf dem Wacken-Open-Air die deutsche Heavy-Metal-Institution überhaupt – neben Helloween. Wenn nicht immer das leidige Problem des Drumcomputers wäre, der angeblich eingesetzt wird. Beweisen kann das niemand. Angeblich hören Schlagzeuger, dass da was nicht mit rechten Dingen läuft.

Ich will keine dritte Verschwörungstheorie basteln. Aber mich erinnert der Drumsound an Zeiten als die geschlagenen Takte noch kräftig überarbeitet wurden und einen klinischen, ja fast unnatürlichen Klang erhielten – in den viel gepriesenen Achtzigern. Einfach mal Saxon-, Judas-Priest-, und Def-Leppard-Alben anhören. Regt sich darüber jemand auf? Na also! „Shadowmaker“ legt aber keinen Augenmerk auf besonders schrullig gespielte Trommelwirbel, sondern auf ein Songwriting, das stark an die Phase zwischen „Death Or Glory“ (1989) und „Pile Of Skulls“ (1992) erinnert. Eingängige Rocknummern ziehen vorbei. Packende Refrains wie in „I Am Who I Am“ und „Me & The Boys“ wechseln sich mit griffigen Gitarrenriffs ab, die zuweilen auch an die Frühphase der Band mit ihren Klassikern „Gates To Purgatory“ und „Branded And Exiled“ erinnern. Vor allem beim schleppenden Rocker „Black Shadow“.

Von Anfang bis Ende überzeugt das Langeisen. Ein wenig fehlt die eine oder andere Speed-Metal-Hymne. Über die Jahre wurden schnelle Nummern zu einem Markenzeichen von Running Wild. Rolf Kasparek und seine Piraten gehen es aber gelassener an, widmen sich schweren und simplen Rocknummern, die abwechslungsreich genug sind, um künftig ihren Bühneneinstand feiern zu können.

Mir gefällt das. Besonders weil Running Wild auf die schnellen Stücke verzichtet, sich nicht scheut auf die Bremse zu drücken. So fällt das Holterdipolter zugunsten eines überlegten Songwritings weg. Seltsamerweise scheint die Band einem gewissen Schema zu folgen, das sich wie ein roter Faden durchs Album zieht. Bei mehrfachem Reinhören bekommt man den Eindruck, dass Running Wild einen einzigen Songs mehrfach umarrangierte und in ihrem eigenen Katalog blätterte und dort ein Riff, da eine Melodie, hier ein Solo entdeckte und in „Shadowmaker“ einbaute. Soll das neben dem klinischen Drumsound der Knackpunkt an der Scheibe sein? Ich sage „Nein“, weil mich alles an dem Album an die Running Wild erinnert, die ich Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre kennenlernte. Nur am Gesamtklang hätte die Band noch einen Feinschliff ansetzen können, um vielleicht noch eine klare Basslinie erkennen zu lassen und dem Drumsound mehr Tiefe zu verleihen.

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