Politisches Konzert im Centraltheater: Dramaturg Christoph Gurk lud Bands vom Buback-Label nach Leipzig ein

Warum „Musikdramaturg“ Christoph Gurk kaum Leipziger Musikthemen auf der Pfanne hat, wird sich so mancher hiesiger Labelpromoter angesichts der neuesten Musikveranstaltung im Centraltheater fragen. Kaum Unterstützung der Leipziger Szene, meist auswärtige Bands holt sich der gebürtige Ratinger nach Leipzig. Ein Artikel vom 30. Januar 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Der freie Journalist war selbst einige Jahre lang Chefredakteur der Musikzeitschrift „Spex“, scheint es auf Kunst im Zusammenspiel mit Musik abgesehen zu haben. Ein Steckenpferd, das sich in sein kuratorisches Schaffen niederschlägt und nun als Musikdramaturg am Leipziger Schauspiel. Politik und Musik spielen auch Rollen in seinem Leben, so scheint es.

Mit dieser Vergangenheit und redaktionellen und kuratorischen Wanderung von Hamburg nach Berlin, dann nach Leipzig, verwundert es nicht, dass die „Buback Labelnacht“ auch in Leipzig stattfindet. Auch wenn Kapellen wie Die Goldenen Zitronen, 1000 Robota, Freiwillige Selbstkontrolle und Kristof Schreuf gedanklich in Punkrock-Gefilden heimisch sind, scheint eher der politische Anspruch genannter Bands samt ihrer Hamburger Plattenfirma „Buback Records“ Grund genug zu sein, sie am 4. Februar ins Centraltheater zu stellen.

Gurk begründet seine Wahl mit den Worten: „Wenn es ein Label in Deutschland gibt, das mit Musik immer auch einen politischen Anspruch verbunden hat, dann ist es eindeutig Buback Tonträger. Lag die stilistische Ausrichtung der im Jahr 1987 von Ale Dumbsky und Ted Gaier gegründeten Firma anfangs noch auf Punkrock, wie die Mitglieder der Goldene Zitronen ihn verstehen, so entwickelte sich das Label zu Beginn der 90er Jahre zu einer wichtigen Plattform für Rap und HipHop mit deutschen Texten.“

Deutschsprachig geht’s in der Tat auch am 4. Februar zu, wenn drei Bands und Kristof Schreuf auftreten und den Leipzigern zeigen wollen, wie politische Texte auszusehen haben und wie Musik klingt, die das Musikmagazin „Spex“ im Fall von Schreuf als „Monument“ bezeichnet. Textlich nichts anderes als das, was 1000 Robota und die Goldenen Zitronen auszeichnet: Meist überfrachtet intellektuell, nach der Art: „Ich bin dort, du bist heute, Wortgeflecht, Frau Müllers Leute…“, oder „Hau mich tot – Radieschenbrot.“ Hamburger Schule eben, wieder ein schwer strapazierter Begriff, der schon beim Lesen manchem die Freude an der Musik nimmt – auch wenn sie es hie und da nicht verdient hat.
Chiffrierte Aussagen wie in Schreufs „Bourgeois, With Guitar“ hinterlassen den Eindruck von Musikern, die sich auch nicht verstanden fühlen, sich als Außenseiter betrachten, auch wenn sie nicht so aussehen und ihre Musik nicht so klingt. „Spex“-Lesern wird’s sowieso egal sein, die die stimmungsvollen Stücke von Kristof Schreuf mit der gewissen „Antifa-Attitüde“ (taz/2010) auf dessen Debütalbum „Bourgeois with Guitar“ seit 2010 mögen und lieben gelernt haben.

So können Leipziger am 4. Februar für knapp über 20 Euro im mondän-bürgerlichen Stadttheater dem kleinen anti-bürgerlichen Aufstand aus Hamburg zuschauen und sich fragen, warum in Leipzig nichts vergleichbar Revolutionäres stattfindet. Oder doch? Gut weniger in der Musik der letzten Jahrzehnte vielleicht, aber – War Leipzig doch mit Revolutionär Robert Blum 1845, zur Märzrevolution 1848, später bei der Friedlichen Revolution 1989 stets Dreh- und Angelpunkt gewesen, als Freiheit und Demokratie noch hoch im Kurs standen. Polit-Musikalisch hingegen tritt Leipzig etwas „leiser“ auf. Woran das liegt? Jedenfalls findet Leipzig zumindest musikalisch nicht allzuhäufig im Leipziger Schauspiel statt, woanders schon.

 

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