Phillip Boa im Rückspiegel: Umjubelt – Moritzbastei feiert Independent-Rocker

Phillip Boa & The Voodooclub live 2010 (Foto: Daniel Thalheim)

Phillip Boa & The Voodooclub live 2010 (Foto: Daniel Thalheim)

Zehn Jahre lang kommt Phillip Boa nun schon nach Leipzig. Für die Messestädter hat sich der Independent-Rocker eine besondere Show ausgedacht. Gemeinsam mit Pia Lund und Alison Galea führt er durch Hits und Stücke mit Seltenheitswert. Ab und zu winkt auch der Mittelfinger. Ein Artikel vom 28. Dezember 2012 für die Leipziger Internet Zeitung.

Drei Tage spielt der aus Malta frisch eingeflogene Musiker in der Moritzbastei seine Lieder. Zehn Jahre feiern Leipziger und Nicht-Leipziger diese Tradition. Manche der Fans, die am Abend an der Garderobe der alten Stadtfestung anstehen, kommen jeden Abend. Sie wollen Boa total. Wann kommen sie sonst dem Independent-Star so nah? In diesem Jahr hat er die Beangrowers mitgebracht, die am 26. und 27. Dezember für Phillip Boa und seinen Voodooclub eröffnen.

Warum Phillip Boa das gemacht hat, wissen einige der alten Voodooclub-Fans und erzählen sich gegenseitig zum Beginn des Abends ausführlich, dass Alison Galea einst beim Voodooclub den Part von Pia Lund übernahm, als sie eine Zeit lang nicht in der Band war. Die Beangrowers seien aber schon älter als ihre beiden jüngsten Veröffentlichungen versprechen. Seit 1995 ist die Band der drei gleichaltrigen Klassenkameraden Alison Galea, Mark Sansone und Ian Schranz aktiv, hat es schon auf vier Alben gebracht.

Still und leise wird im Publikum noch getuschelt, da besteigen die drei Malteser fast unbemerkt die Bühne, stimmen das erste Lied an. Schlagartig füllt sich die Veranstaltungstonne, die Band ist nun den neugierigen Blicken der Voodooclub-Fans ausgeliefert. Die Beangrowers genießen sichtlich die entgegen gebrachte Aufmerksamkeit, die immer öfter in stärkeren Applaus mündet. Zwischendurch lächelt die dralle und hübsche Sängerin, erzählt teils auf Englisch, teils auf Deutsch, dass eines ihrer Lieder vom letzten Auftritt mit dem Voodooclub in Bayern inspiriert ist, spricht kurz auf Maltesisch mit ihren beiden Kompagnons und legt mit ihrem verträumten Independent-Rock los.

Die Stimmung knistert. Während der Bass von Sansone knarzig wummert, streicht Galea mit ihren Fingern über die Sechssaitige, singt mit warmer und heller Stimme ihre stimmungsvollen Lieder. Selten bricht mal ein Stück aus, wummert heftig in die Köpfe der Anwesenden. Dann ist nach 45 Minuten auch der anmutige Zauber vorbei. Die Band verneigt sich artig – fast sieht es aus, als ob sie den Leipziger Zuspruch gar nicht fassen kann. Alle drei lächeln, Schlagzeuger Ian Schranz lässt es sich nicht nehmen, mit seinem Handy selbst ein Erinnerungsfoto zu schießen.
Beangrowers gehen unter großem Applaus von den Brettern. Dann kommen die drei Inselmusiker wieder zurück auf die Bühne. Der Applaus war doch so stark, dass sich die drei für eine weitere stimmungsvolle Nummer erweichen lassen. Galea haucht und singt wieder ihre Gedichte ins Mikro, es scheint, als würde sie hin und wieder das metallne Ding küssen. Ihre Performance ist nicht nur zauberhaft, sondern auch sinnlich. Jedenfalls lassen besonders die Herren der Schöpfung die hübsche Lady nicht aus den Augen.Die Wartezeit zum Auftritt von Phillip Boa ist kurz. Nur das lange Intro wird als typisch eingeordnet. Kaum stehen der schlaksige Sänger, Pia Lund und ihre Mitstreiter auf der Bühne, entlädt sich die Stimmung bei Titeln wie „Bells Of Sweetness“, „Atlantic Claire“ und „Diana“.

Die vorderen Reihen hüpfen und drängen nach vorne. Wer das Glück hat, ganz vorne zu stehen streckt seine Hände nach Phillip Boa aus. Er dirigiert seine Fans mit ruckartigen Bewegungen, als ob er das Trommeln des Schlagzeugs nachahmen würde. Dann ein kurzer Blitz nach dem zweiten Song, Boa beugt sich langsam nach vorne und zischt einem Witzbold, der ihn mit dem Blitzgerät seiner Kleinbildkamera „einfangen“ wollte zu: „Ich mag das nicht, hör auf damit!“

Als Weihnachtsständchen trägt der Voodooclub „Lord Have Mercy With The 1-Eyed“ vom jüngsten Studiowerk „Diamonds Fall“ vor, gefolgt von „Fine Art In Silver“ und weiteren umjubelten Stücken. Die Stimmung ist am Kochen. Nun die Ansage vom Chef mit den nach vorne fallenden Haaren, dass jetzt ein Stück komme, bei dem die Stimmung regelmäßig abfalle. Er meint das wunderschöne „Valerian“ vom jüngsten Studioalbum, das von drei Leuten im Publikum jubelnd empfangen wird.

Boa dreht sich unwirsch um und winkt mit dem Mittelfinger. Es spielt es sowieso zum letzten Mal an diesen Weihnachtskonzerten, kann aber nicht sehen, wie in den hinteren Reihen gerade ruhige Stücke wie „Valerian“, „Jane Wyman“ und „Diamonds Fall“ gut ankommen, sich Pärchen in den Armen halten oder viele fasziniert von der Ausstrahlung dieser so anderen Voodooclub-Stücke sind.Natürlich dürfen Standards wie „Albert Is A Headbanger“, „Black Tiger“ und als abschließendes Lied „Container Love“ nicht fehlen, die die Tonne ordentlich in Bewegung halten. Klar, dass das nach knapp anderthalb Stunden nicht alles gewesen ist und die Voodooclub-Fanatiker die Band zurück auf die Bühne klatschen, nachdem sie von derselbigen gegangen sind. „This Is Michael“, „And Then She Kissed Her“, „So What“ und „Kill Your Ideals“ sind da nur die auf die Sahnetorte gepropften Kirschen.

Oder ist es die im Zugabenteil auftauchende Alison Galea, die zwei Stücke mit Phillip Boa singt? Jedenfalls haben einige Leute Mühe, den Ansagen von Phillip Boa zu folgen, fragen: „Hä! Was hat er gesagt?“ Dabei erzählt der Sänger ab und zu so interessante Geschichten zu den Liedern. Nur wenn seine Worte wegen seiner wohl vom Singen zu schwer gewordenen Zunge unkoordiniert aus seinem Mund purzeln, dann kommt auch nur die Hälfte in den Lauschern der Gäste an.Dennoch nehmen die Fans dem Meister nichts übel, zückt sogar jemand aus Freude wieder seine Kleinbildkamera und blitzt Phillip munter ins Gesicht, der darüber überhaupt nicht „amüsiert“ ist. Hat er doch schon vor einigen Jahren ein Konzert in der MB abgebrochen, weil Blitzlicht den Meister völlig aus dem Konzept bringt. Deswegen hat die MB auch an den Seiten so große Schilder aufgehängt, wo mit großen Buchstaben gebeten wird, beim Fotografieren das Blitzgerät ausgeschaltet zu lassen.

Heute aber scheint Phillip Boa gut drauf zu sein und holt wieder seinen Mittelfinger hervor. Aber beim nächsten Mal, liebe Leute… Weihnachten kann so schön sein. Boa ist sicher für eine Überraschung gut aufgelegt, wenn jemand noch einmal den Maestro erblinden lassen möchte. Doch 2011 kommt er sicher wieder, bestimmt. Die Fans jedenfalls werden da sein.

Die Ankündigung zum Konzert (ersch. in der L-IZ am 17.11.2010)

Der Independentmeister aus Malta bittet wieder zum musikalischen Gabentisch. Phillip Boa bringt seine Gassenhauer ins kalte Deutschland und wärmt damit für drei Abende die Veranstaltungstonne der Moritzbastei auf. Es ist eine schöne Tradition, die nicht nur Leipziger schwer begeistert. Zumal Boa die erfolgreiche Tournee zu seinem jüngsten Output in ein schillerndes Live-Album gegossen hat.

„Was soll man groß Worte verlieren … die traditionellen Weihnachtskonzerte feiern in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen und haben längt den Status ‚legendär‘ erreicht. Zur Feier des Ereignisses sind in diesem Jahr – auf besonderen Wunsch von Phillip – die Beangrowers aus Malta als Special Guest dabei. Sie werden am ersten und zweiten Abend in der Moritzbastei mit von der Partie sein, während The Sonic Boom Foundation aus Leipzig den dritten Abend einleiten werden. Das wird ein Fest!“, verkündet das Management des Rockmusikers, der für kommendes Jahr die beiden Kult-Alben „Helios“ und „Boaphenia“ komplett auf klanglichen Stand der heutigen Zeit wieder veröffentlichen will.

Doch zunächst einmal stürzt sich die Fangemeinde auf das gerade erschienene Live-Album „Exile On Strait Street“, das die letztjährige Gastspielreise zum jüngsten Studioalbum „Diamonds Fall“ beeindruckend dokumentiert. Phillip Boa laut einem Interview auf seiner Internetseite dazu: „Die Idee ist eigentlich entstanden aus einer anderen Idee heraus, nämlich aus der Idee ein neues Album machen zu wollen. Nur hatte ich mich vor über einem Jahr schon entschieden, dass das nächste Album so gut werden muss, dass das jetzt verdammt lange Zeit braucht.“

Die Glanznummer „Exile On Strait Street“ ist das zweite Live-Album des Voodooclub. Das erste Paket hatte den Titel „Live! Exile On Valletta Street“ und liegt mit einem Alter von knapp 20 Jahren schon weit zurück. Also präsentiert die neue Konzertscheibe die Band in ihrer aktuellen Form. „Wir haben vier oder fünf Konzerte mitgeschnitten, ich glaube jeweils mit mehr als vierundzwanzig Spuren, so dass jedes Instrument getrennt aufgenommen wurde“, erzählt Boa zur Qualität der neuen Aufnahmen auf „Exile On Strait Street“.

Ein Teil der 17 Songs wurden auch in Leipzig aufgenommen, eben während seiner letztjährigen Weihnachtsshows. Dieses Erinnerungsstück und Konzertdokument der „Diamonds Fall“-Tour ist statt in Plaste in bunt bedrucktem Papier gehüllt, lieblos klingende digitale Kopien in Download-Form wird es nicht geben. Aber auch ein Videofilm gibt es nicht. Dafür sind die Malta-Tapes mit vielen Seltenheiten noch erhältlich, für alle Komplettisten unter den Boa-Fans.

Nun schließt sich also der Kreis. Auf 70 Minuten zeigen sich Boa und sein Voodooclub auf einem echten Karrierehöhepunkt, welchen sie vom 26. bis 28. Dezember ganz frei von künstlichen Konservierungsstoffen wieder nach Leipzig bringen. Die wie nebenbei abgefeierte zehnjährige Leipzig-Tradition bildet da nur den Außenring einer beeindruckenden Bandgeschichte.

Für CD-Muffel und eingefleischte Konzertgänger ist einer – bei manche gar alle drei – der Konzerttermine schon längst ein Pflichttermine, das Anglühen am 28.12. durch The Sonic Boom Foundation eine angenehme Zusatzmotivation pünktlich zu kommen.

Die Karten gibt es für 29,10 Euro im Vorverkauf auf Boas Homepage, bei Eventim sind es 31,80 Euro. Mit Sicherheit laufen schon erste Shows in Richtung „ausverkauft“. Bei den Weihnachtkonzerten heißt es also auch 2010 wieder schnell sein. Sonst muss man Hits wie „Atlantic Claire“ und „And Then She Kissed Her“ von draußen anhören.

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