Phillip Boa im Rückspiegel: Aufgewärmte Moritzbastei zu Weihnachten

Phillip Boa - gern gesehener Gast in Leipzig (Foto: Daniel Thalheim)

Phillip Boa – gern gesehener Gast in Leipzig (Foto: Daniel Thalheim)

Er gehört mit seiner Band zu den letzten Einhörnern des Independent-Rocks. Phillip Boa & The Voodooclub gastiert seit Jahren zu Weihnachten in der Leipziger Moritzbastei. Dieses Ereignis ist schon Tradition im alten Gemäuer. Aber im Gegensatz zu vielen Künstlern, die mit der MB altern, zeigt sich Boa mit seiner Band frisch wie vor 25 Jahren, als der Voodooclub gegründet wurde. Ein Artikel vom 27. Dezember 2009 für die Leipziger Internet Zeitung.

Am 25., 26. und 27. Dezember gab (gibt zur Stunde) der Voodooclub um Sänger und Komponist Phillip Boa und Sängerin Pia Lund sein neuestes Werk „Diamonds Fall“ zum Besten. Aber auch alte Hits wie „Container Love“, „Kill Your Ideals“ und „Then She Kissed Her“ fehlen an diesem Abend selbstverständlich nicht.

Einen entspannten Einstieg findet der Abend, dass niemand am Einlass Schlange steht, gemütlich kühle Schwarze und Blonde gezischt werden, während man ein wenig am Verkaufsstand nach dem neuesten Album „Malta Tapes Vol. 1“ stöbert. Oder man speist an den langen Holztischen am Verbindungsschlauch zwischen Rats- und Veranstaltungstonne. Langsam startet auch der rockige Eröffner „Eher Uncool“. So heißt die frische Gruppe, die Leipzig mit melancholischen, neblig-rauchigen Indie-Rock verzaubert. Ihre nachdenkliche Mischung aus Blumfeld und Joy Division kommt bei den Leipzigern gut an. Sanft wird applaudiert, neugierig beäugt und beschnuppert. Warum „Eher uncool“? Der Name ist doch „cool“ gewählt!

Die deutschsprachig singende Truppe ist die richtige Wahl für heute Abend, für das Publikum. Die Band eröffnete mit ihrem zitternd fragilen Gitarrenpop schon 2006 für Boa. Zumal Sänger Alexander noch am Ende der halbstündigen Show seine verträumte Liebe über Leipzigs „Großstadtmeile“ Karl-Liebknecht-Straße auspackt und nun endlich für Zustimmung und Kopfnicken beim zögerlichen Publikum sorgt. Hier wird wohl so mancher neuer Zuhörer gewonnen, was bei Boa-Fans wahrlich keine leichte Nummer ist. Am Abend zuvor spielten die Leipziger Rocker „Cox And The Riot“ vor dem Indie-Urgestein und noch an diesem Abend munkelt man, sie hätten gehörig abgeräumt.Wenn die Band so weiter macht, kann sie bald Leipzig größter Export nach „Disillusion“ werden, gibt ein Mann am Nebentisch bekannt.

Bald wird es voll am Tresen und auch in der kühlen Veranstaltungstonne. Das verwitterte Gemäuer wärmt sich bald auf, als immer mehr Menschen in sie hinein strömen. Dicht an dicht stehen die Reihen als das Licht aufblendet und der Voodooclub mit Sonnenbrillen mit „Lord Have Mercy With The 1-Eyed“ vom neuen Album „Diamonds Fall“ einsteigt. Aufbrausender Jubel bei den Fans, die nach diesem Lied schon herumspringen und kuschelnd rempeln.

Pogen bei Boa? Das ist möglich, wenn der gut aufgelegte Sänger mit farbig unterfütterten Stücken wie „Eugene“ und „All I Hate Is You“ los legt. Über zwei Stunden genießen Boa und Sängerin Pia Lund bei der bunt gesprenkelten Lichtshow ihren Best-Of-Auftritt und kommen für drei Zugaben zurück auf die Bühne. „This Is Michael“ gehört ebenso zu den vom Publikum mitgesungenen Liedern wie „Container Love“. Am Ende klatschen die Menschen mit „Pia! Pia!“-Rufen die blonde Sängerin zurück in den Saal. Dann haucht sie zum Abschied den ewigen Hit „And Then She Kissed Her“, der von jedem in der Tonne mit gesungen wird und für Gänsehautstimmung sorgt. Auch die neuen Liedperlen wie „Diamonds Fall“, „“Valerian“ und „Jane Wyman“ werden ausgiebig gefeiert. Zum Schluss kommt der Maestro noch einmal auf die Bühne und verabschiedet glücklich die ersten Reihen mit Händeschütteln und einem Lächeln auf den Lippen. Boa kommt wieder und wieder und wieder. Das ist schon heute Abend für 2010 sicher.

So brechen die Anwesenden mit guten Erinnerungen an ein überragendes Konzert auf, das die gesamte Breite des musikalischen Schaffens des Voodooclubs absteckt und zudem mit dem Verkauf der „Malta Tapes“ noch einen Mehrwert mit gibt. Manche von ihnen verirren sich in der benachbarten Ratstonne, wo DJ KillaSeppel bei der Heavy Metal Nix Im Scheddel-Party den einen oder anderen Indie-Rocker zu den dumpfen Klängen von Sepultura tanzen lässt.

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