Klein und fein: Vessels ließ in der Halle D des Werk II Klänge platzen

Vessels live im Werk 2 2011 (Foto: Daniel Thalheim)
Vessels live im Werk 2 2011 (Foto: Daniel Thalheim)

Einige Leute waren sehr verwundert. Ist das die Band, die so knackig aus den Boxen tönt wie beim Musikportal Soundcloud? Jetzt wissen alle, die gestern zum Konzert im Werk II waren, dass nicht alles „Indie“ sein muss, was aus England kommt. Denn die Band Vessels war zu Gast. Ein Artikel vom 18. Mai 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Dass sich an einem Dienstag zu einem kleinen und feinen Szenekonzert nicht viele Musikfreunde einfinden, ist klar. Doch die stimmungsvollen Klänge der britischen Band lockten am 17. Mai 2010 dennoch rund 40 Leute in die Halle D des Werk II. Sie sahen zunächst eine Gruppe auf die Bühne klettern, die manchem noch unbekannt war, aber aus Leipzig stammt und sich ebenfalls stimmungsvollen und rockigen Liedern verschreibt. Die Rede ist von Cox And The Riot um den Briten Ian Cox.

Das Leipziger Quartett rockte eine runde halbe Stunde lang Songs wie „Dancing with the enemy“, „Gentleman alone“, „Sorry“ und „Way back home“. Ganz im englischen Stil und Chuzpe hüpften die Tracks direkt von der Bühne in die Lauscher. Das Publikum wartete aber ab, warum auch immer. Zwar bejubelten sie die quirligen und vor Leben sprühenden Lieder, doch mithüpfen wollten die Leute nicht. Woran das lag, konnte keiner bei der demonstrierten Einheit von Band und Sound beantworten – der Abend startete zäh. Die Band war solche Zurückhaltung gar nicht gewohnt. Immerhin hat der radiotaugliche und harmoniesüchtige Sound genug Drive, auch beim HTWK Campusfest am 25. Mai und beim Zollschuppenstraßenfest am 28. Mai 2010 gehörig aufzudrehen und Mithüpf-Laune zu verbreiten. Vielleicht folgt bald eine richtige Albumproduktion, denn Velocity-Sounds-Chef Roland Bergner hat sich bereits fachkundig hinter die Combo gestellt.

Nach diesem Auftritt erwartete nun so mancher auch ähnlich britischen Klang aus der Brit-Pop-Schule. Doch weit gefehlt. Stattdessen vernahmen die Besucher weit ausladende Soundtracks für das eigene Kopfkino. Vessels verschreiben sich dem Sound nach der Ära des konventionellen Rock. „Post Rock“ wird das genannt, was die fünf auf der Bühne aus ihren Instrumenten, Effektgeräten und Computern hervorkitzelten. Pumpender Bass, aufplatzende Gitarrenklänge, treibende und wabernde Töne strömten auf die Menschen ein. Sie waren ganz angetan von den atmosphärischen Instrumentalliedern, die nichts mit Brit Pop gemein haben.

Im fliegenden Wechsel tauschten die fünf Burschen aus Leeds ihre Instrumente. Wer war gleich der Bassist, oder der Rhythmusgitarrist? Lee J. Malcolm, Martin Teff, Tim Mitchell, Tom Evans und Peter Wright beherrschen gleich mehrere Instrumente, was beim munteren Tausch für Bewegung auf der Bühne sorgt. Zwischen Gitarre umschnallen, Ansage und Griff in die Saiten blieb sogar noch ein wenig Zeit für einen kräftigen Hieb aus der Bierflasche.

Die Musiker aus Leeds entwickelten offensichtlich eine Vorliebe für sächsisches Bier. Sie wussten auch zu erzählen, dass die Halle D die zauberhafteste Bühne ihrer bisherigen Tour bietet, und einen wundervollen Klangtechniker sowieso. In Südosteuropa standen die fünf auf einer Bühne, die so groß war wie ihr mitgebrachter Teppich. Lustig auch die Anekdote über einen Club in Budapest, wo nur drei Gäste kamen und an der Bar standen und überhaupt nicht wussten, was auf die zukam und dann doch munter den Teufelsgruß machten.
Lachen im Publikum, die die Band gar nicht von der Bühne lassen wollte. Nach lang anhaltendem Applaudieren kam Vessels für eine in der Zeit schwelgenden Zugabe zurück: Perfekt.Schnell zerstreute sich das Grüppchen von Musikliebhabern, die am Abend des 17. Mai was ganz besonderes erleben durften. Ob sie sich bei der Pop Up am Wochenende wiedersahen, oder beim Campusfest der Uni Leipzig im Juni oder sogar bei weiteren schnuckeligen Halle-D-Konzerten, wie das am 29. Mai mit Julianes wilde Bande, oder der L.E. Worldbeat-Party ein Tag zuvor?

Selbst im Juni kam so einiges auf den Plan gerutscht, wie Jessica 6 am 6. Juni, ZIN im Rahmen des Bachfestes am 17. Juni, die Prog-Rocker von Portugal. The Man am 20. Juni oder sogar eine südamerikanische Combo namens Karamelo Santo am 21. Juni. Selbst als Royal Republic am 12. Oktober wieder in die Halle D rief, fanden sich einige Fans, ebenso Mutter am 27. Oktober, Jupiter Jones am 2. und Bosse am 24. November. Erstklassige Auswahl war 2010 genug da. Auch in der nächsten Saison mit Ausblick zu 2012.

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