With Full Force im Rückspiegel: Neben eisenharten Klängen auch rockige Helden

Sie nennen sich „Frei.Wild“ und „Broilers“ und werden den punkigen Rockern zugeordnet. „Punk Rock“ oder „Deutschrock“ lautet die Stilvorgabe. Für viele hierzulande eine Mischung aus harten Klängen, Spaß und den letzten Männerritualen. Auf dem 17. With Full Force am ersten Juliwochenende können Gäste sehen und hören wie das klingt und aussieht. Ein Artikel vom 23. Juni 2010 für die Leipziger Internet Zeitung.

Kann man behaupten, dass inzwischen „Frei.Wild“ und „Broilers“ die entstandene Lücke, die die „Böhsen Onkelz“ mit ihrer Auflösung hinterlassen haben, langsam aber sicher ausfüllen? Es scheint so, dass vor allem „Frei.Wild“ in die Rolle der einst umstrittenen „Onkelz“ hinein wächst. Ausverkaufte Shows sprechen derzeit eine klare Sprache. „Deutschrock“ nennen sich die Klänge, die die 2001 in Südtirol gegründeten „Frei.Wild“ fabrizieren. Harte Klänge haben hier ebenso Platz wie sanfte Balladen.

In die Kritik geriet die Band vor zwei Jahren, als sie im Rahmen einer Veranstaltung der rechtspopulistischen Südtiroler Partei „Die Freiheitlichen“ auftreten sollten. Die Partei versteht sich als liberal-demokratisch und soll sich für Bürgerrechte einsetzen. Gleichzeitig fällt die Partei aber auch auf, weil sie sich für die Stärkung des Tiroler Landesbewusstseins einsetzen, gegen „Multikulturalismus“ und weitere Zuwanderung von Ausländern sind. Zwar haben sich „Frei.Wild“ nach ihrer Absage auf Druck ihres Managements immer von extremen politischen Tendenzen distanziert. Einige Fans sollen sich nach diesem gestoppten Ritt in die politische Vereinnahmung angeblich abgewandt haben, neue kamen hinzu.

Scheinbar viel Wind um nichts. Vielleicht, denn „Frei.Wild“ will sich offen gegen Extremismus aus links und rechts stellen, aber spricht beispielsweise ihre „Heimatliebe“ im Song „Im Land der Vollidioten“ als nicht politisch motiviert an. Interpretationen sind bei künstlerischen Texten stets möglich, Vereinnahmungen von Stellungnahmen ebenfalls.

Aber „Frei.Wild“ betont in Interviews und besagtem Lied, dass die Bandmitglieder nicht ins rechtsextreme Lager geworfen werden wollen. Sie möchten mit der vertonten Klarstellung eine unpolitische Linie ziehen. Bis hin zu ihrer Myspace-Seite, auf welcher man lesen kann: „Frei.Wild machen deutlich, dass das Vorurteil, das härteren Deutschrock-Gruppen öfters unterstellt – wir nämlich eine rechtsradikale Gesinnung zu besitzen – bei ihnen ganz und gar aus der Luft gegriffen ist. Im Stück „Land Der Vollidioten“ bringen sie einschlägige falsche Anschuldigungen Sprache und geben in Text und Ton ihr Gegenstatement. Frei.Wild verstehen sich als frei‘ und damit keineswegs als rechts gesinnt.“

Ihre bodenständige Art beschert „Frei.Wild“ sichtbar hohen Zulauf vor allem in den östlichen Bundesländern Deutschlands. So musste ein in diesem Frühjahr für den Felsenkeller geplantes Konzert in den Leipziger Club „Hellraiser“ verlegt werden, weil die Nachfrage an Karten so groß war. Kurzum, die Band um Sänger und Gitarristen Philipp Burger ist erfolgreich. Ihr sechstes Album „Hart am Wind“ stieg 2009 auf Platz 15 ein und hielt sich dort vier Wochen. Der Nachfolger „Gegengift“ wird noch dieses Jahr erwartet.

Eine FIFA WM-Single mit dem Titel „Dieses Jahr holen wir den Pokal“ haben die tätowierten Männer auch veröffentlicht. Ob das Lied beim Auftritt auf dem „With Full Force“ noch relevant ist, steht natürlich in den Sternen.

Eine andere Formation hört auf den Namen „Broilers“. Die Band um Gründungsmitglied und Sänger Sammy Amara gibt es schon seit 1994. Weniger erfolgreich als die Senkrechtstarter „Frei.Wild“, aber musikalisch variabler als „Frei.Wild“ gehen die „Broilers“ den steinigen und mühseligen Weg.

So zocken die „Broilers“ auch Klänge aus den Sparten „Ska“, „Reggae“ und „Rockabilly“. Auch der Gesang ist für „Oi-Punk“ nicht typisch rau. Sänger Amara besitzt eher eine helle Klangfarbe. Das passt eher für ein Publikum, das „Die Toten Hosen“, „The Clash“ und „Beatsteaks“ mag. „Broilers“ ist wohl denjenigen auch ein Begriff, die bei den letztjährigen Weihnachtskonzerten der „Toten Hosen“ dabei waren und „Broilers“ als Vorband sehen durften.

Beide Bands werden wohl neben den Dresdenern von „Letzte Instanz“, „Mambo Kurt“, „Skindred“ und „Deadline“ die einzigen Exoten auf dem With Full Force sein. Sonst wummern heftige Riffs von den amerikanischen Thrash-Vorreitern „Slayer“, den wieder einmal in Deutschland mit einem weiteren Album indizierten „Cannibal Corpse“, den Metalcore-Senkrechtstartern von „Killswitch Engage“ und von der noch recht unbekannten Berliner Grindcore-Combo „War From Harlots Mouth“.

Aber auch die schwedischen Black Metaller „Marduk“ werden für viele sicherlich ein Höhepunkt sein, neben den immer traurigen „Paradise Lost“ aus England und den tonnenschweren „Crowbar“. Vor einem Jahr sorgten Bands wie „Motörhead“, „Soulfly“, „Mastodon“, „Hatebreed“, „Amon Amarth“, „Devil Driver und „Social Distortion“ für Feierlaune.

Gibt es denn schon Zahlen bezüglich des Vorverkaufs zum 17. With Full Force? Der WFF-Sprecher Roland Ritter gibt dazu auch schon eine vorläufige Zahl preis: „18.500 Karten wurden im Vorverkauf bereits verkauft. Das sind 800 Karten weniger als im Vorjahr.“ Erfahrungsgemäß schnellen die Zahlen durch die Verkäufe an der Abendkasse nach oben. Ob die Vorjahreszahlen von 26.000 Besuchern wieder erreicht werden, ist wie Kaffeesatz-Lesen.

Für das hygienische und leibliche Wohl wird wieder ausreichend gesorgt. Ritter offeriert wieder ausreichend vorhandene sanitäre Einrichtungen, ob mobil oder standortfest. Überzeugungshilfe während der WM: Die Besucher werden die Fußball-WM-Spiele an verschiedenen Großbildschirmen verfolgen können. Erfahrungsgemäß hat es zur letzten WM 2006 zu witzigen Interaktionen zwischen Fans und Bands geführt, weil die Anhänger vor der Bühne mitten im Lied jubelten und sich die Gruppen nach den Zwischenständen des Spiels beim Publikum erkundigten.

Dann bleibt zu hoffen, dass nicht wie im letzten Jahr das With Full Force wieder von einem traurigen Unglücksfall überschattet wird, als eine junge Frau in ihrem Zelt verstarb. Damals sollen rund 25.000 Karten bereits im Vorverkauf ihre glücklichen Käufer gefunden haben. 220 Dixie-Toiletten plus Dusch- und Toilettencontainer sorgten für das sanitäre Wohlbefinden bei den Fans, auch wenn alles natürlich nicht wie Zuhause bei Muttern ist. Wie jedes Jahr werden mit Sicherheit Mückenstiche, Sonnenbrand und Insektenbisse wieder für das kleine Unwohlsein bei den Gästen sorgen – falls man sich unvorbereitet auf den Platz stellt.

Aber Spaß und Party stehen trotz der kleinen Befindlichkeiten immer im Vordergrund bei dem „With Full Force“. Auch ein wenig Ökologie, wenn wieder an der Sero-Annahmestelle der Pfandbon gezückt wird. Oder eine Pfand-CD.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: