With Full Force im Rückspiegel: Bullet For My Valentine polarisierte 2011

Bullet For My Valentine (Foto: bulletformyvalentine.com/official)
Bullet For My Valentine (Foto: bulletformyvalentine.com/official)

Sie haben es sich jeher auf die Fahnen geschrieben: Musikalische Breite aus allen Musikrichtungen der härteren Gangart. Doch so ein „Kult“ wie das Wacken Open Air wurde das With Full Force dann doch irgendwie nie. Änderte sich das das Bild eines abwechslungsreichen Festivals noch einmal als Bullet For My Valentine auf dem heißesten Acker Deutschlands spielte? Im Vorfeld ihres Auftritts polarisierte die Band noch einmal kräftig. Ein Artikel für die Leipziger Internet Zeitung vom 29. Januar 2011.

Die Facebookseite des With Full Force war zum Jahreswechsel 2010/2011 hoch frequentiert. Für Diskussionsstoff sorgt die Waliser Metalband Bullet For My Valentine, die seit ihrem Debütalbum auf allen Titelseiten diverser Metalgazetten stehen. Grund? Dünne Hemdchen, dünne Stimmchen und Musik aus der großen Heavy Metal-Traumfabrik: eine eingängige und schnellgespielte Mischung aus Metallica, Glamrock und Iron Maiden. Schlüpferstürmer im Zeichen der alten Schule.

Inzwischen hat die Band ein zweites und ein drittes Album auf die langhaarigen Bombenleger losgelassen. „Fever“ heißt der neueste Stoff, der für manchen Kuttenträger nichts weiter ist, als Popmusik mit harten Gitarren. Die melodiösen Metaller – inzwischen zu tätowierten Kraftprotzen mutiert – werden unter dem Begriff „Metalcore“ gehandelt, obwohl der Hardcore-Punk-Anteil relativ niedrig ist.

Mainstream heißt das Zauberwort, das auf Bullet For My Valentine passt, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Also Lieder für die breite Masse. Songs über Beziehungsprobleme, Liebe und ab und zu mal Wut auf den anderen – meist wehmütig vorgetragen. Einfaches Liedgut für problemgeplagte Teenager, die ihre Antworten in Texten wie „There’s just no hope for our final embrace / So here we are, I’m in your head / I’m in your heart“ finden, was nichts weiter beschreibt, dass es Schluss mit der Liebsten ist, die den bösen Jungen nicht vergessen kann, denn weiter heißt es in „Betrayal“ aus dem jüngsten Album „Fever“: „My heart is pounding as I say goodbye / So now I dance in the flames / I love you crying and screaming my name“.

Sänger Matthew Tuck trägt dicke auf, wenn es um Gefühlsbeschreibungen geht und ein „Sadist“ scheint er als erzählendes Ich auch zu sein. Vielleicht hat sich ja Metal auch nur von seinem männlichen Geprotze emanzipiert… Kurzum: Die Soft-Metaller mag wirklich nicht jeder.

Für süße Gedichte und Gefühlsduseleien wären Tuck und seine Mannen in der Hochzeit von Heavy Metal in den weit zurückliegenden Achtzigern von der Bühne geprügelt worden, wenigstens hätten sich die 1999 gegründete Band Bullet For My Valentine einen Tomaten- und Bierbecherregen gefallen lassen müssen. Selbst in den seligen Neunzigern, als Muskeln und Tattoos noch etwas mit Manneskraft in Form von Pantera und Crowbar zu tun hatte, war die besungene Liebe eher ein Ausdruck schierer Verzweifung oder eben sarkastischer Hass, wie es der 2010 verstorbene Pete Steele bei seiner Band Type O Negative in seinen schwarz-grünen Abgesängen an die Liebe tat.

Diese Aufzählung ist irgendwie auch Mainstream, fanden diese Kapellen einen breiten Konsens bei Metalfans – und nicht nur da. MTV sei dank. Was das mit dem With Full Force 2011 zu tun hat? Nicht viel, nur dass nicht erst seit der Buchung von Bullet For My Valentine Mainstream Einzug auf „Deutschlands heißestem Acker“ hält. Das With Full Force hat in den letzten Jahren immer mehr Bands auf ihr Gelände geholt, die wohl als Speerspitzen einer „neuen Metalszene“ gelten können. Auch die Mischung hat sich über die Jahre nur wenig geändert. Waschechte Metalbands wie Manowar, Slayer, Sepultura, Soulfly, Iron Maiden, Venom und Celtic Frost fanden sich ebenso dort ein wie inzwischen kultige „Szene“-Kapellen aus dem Osten der deutschen Republik, wie eben Manos, Myra und Think About Mutation. Death- und Black Metal ist hier ebenso vertreten wie Hardcore Punk von Sick Of It All, Agnostic Front und Madball sowie ganz bunter Crossover der Marke Such A Surge und Smoke Blow.

Was ist also falsch an einer Buchung von Bullet For My Valentine? Dass sich die Festivalmacher vielleicht etwas mehr Zulauf erhoffen, als mit alten Bands wie Venom, die 2010 kläglich am jungen Publikum und wieder mal an sich selbst scheiterte? Dass Bullet For My Valentine spätestens mit „Fever“ einen weiteren Achtungserfolg einstrichen, und vielleicht auch beliebt sein könnten? Eigentlich nicht. Denn ein waschechtes Heavy Metal-Festival wie das Wacken Open Air war und ist das With Full Force eigentlich nie gewesen. Alleinige Zielgruppe ist nicht nur der mit Aufnähern bestickte Kuttenträger, sondern auch der Freund von martialischen Klängen wie von Hatebreed. Natürlich kratzt es so manchem, wenn eine Hardcore Punk-Band wie Hatebreed zwischen züngelnden Flammentürmen umher hüpft oder mit Bullet For My Valentine ein paar Mädchen mehr als sonst auf dem Festival vertreten sind und so tut als wäre sie Metallica wenn sie „Creeping Death“ als 1:1-Kopie dudelt und auch sonst viel von ihren Apologeten um James Hetfield abkupfert.

Letztlich geht es allen um eine große Party, bei der Musikfreunde aller Musikrichtungen, die unter dem Motto „laut, hart, mächtig“ fallen. Das können sogar die Beatsteaks sein, die 2005 in Roitzschjora aufspielten. Manko ist vielleicht, dass viele der 2011 bislang angekündigten Bands in Deutschland ziemlich oft unterwegs gewesen sind, auch den Weg seit Jahren aufs „Force“ finden, und schon zu den ganz Großen zählen dürfen. Wer eben keinen Gefallen an Bullet For My Valentine findet, kann sich eben mit den Sauf-Aus-Rockern von Volbeat begnügen oder sich bei den konspirativen Cavalera-Brüdern (Cavalera Conspiracy) austoben. Das komplette Line-Up stand im Januar 2011 noch nicht. Es kann also einige Überraschungen geben, … wie jedes Jahr. Und ein persönliches Wunschkonzert gibt es sowieso nur zuhause in den eigenen vier Wänden.

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