Nervecell im Rückspiegel: Dubai aus Leipzig mit „Psychogenocide“

Nervecell (Foto: Lifeforce Records)
Nervecell (Foto: Lifeforce Records)

An sich schon ungewöhnlich – eine Extrem-Metal-Band aus Arabien. Für so was gibt es in manchen arabischen Ländern hohe Haftstrafen. Eine irakische Band musste aus Angst vor der Todesstrafe aus ihrem Heimatland fliehen. Im Iran wurden Mädchen verhaftet, weil sie westlichen Kleidungsstil der Emo-Szene mochten und anzogen. Nervecell hat da mehr Glück. Der Dreier lärmt in Dubai. Ein Artikel vom 21. Mai 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Man kann von Albumtiteln halten was man will. Hauptsache es klingt „extrem“. Was ein psychischer Genozid sein soll, weiß offenbar die Band jedoch offensichtlich sehr genau. Diesen beschreibt das Trio aus Dubai im Titelstück. Mit dem Titel „Psychogenocide“ umschreibt die arabische Truppe die religiöse Gehirnwäsche, die man in Koranschulen vornimmt, um die Märtyrer von Morgen zu schaffen.

Mit dieser Ansage stellt sich die Combo ganz klar gegen Extremismus religiöser Natur. Dafür setzt sie auch extreme Klangmittel ein. Die 2000 in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, Dubai gegründeten Nervecell bewegt sich mit ihrer offenen anti-religiösen Einstellung in ihrem Land auf Glatteis. Prangern die drei Musiker in ihrem neuen Werk Fanatismus an, beziehen Stellung gegen radikalen Islamismus auch wenn sie es in ihren Texten nicht klar ansprechen (können).

Musikalisch orientieren Barney Ribeiro, James Khazaal und Rami Mustafa an ähnlich geartete Kapellen wie die Ägyptologen von Nile aus den USA. Brutale Rhythmen, tiefes Grunzen, heftig trommelnde Schlagzeugtakte sind Merkmale für Death Metal. Orientalische Anleihen finden sich eher selten – Folklore können andere machen. Dennoch lässt Frontgrunzer Khazaal seine arabischen Wurzeln im schleppenden und dann im hohen Tempo prügelnden Lied „Shunq“ anklingen, wo er in seiner Heimatssprache röhrt und sich von Nile-Boss Karl Sanders am Mikro unterstützen lässt.

Das zweite Album der Araber wird auch aus rein musikalischen Gründen Beachtung bei Fans der unsanften Klänge finden. Findet sich hier alles wieder, was Death Metal ausmacht. Außerdem hat die beim Leipziger Plattenlabel Lifeforce Records untergebrachte Gruppe in Sachen Anspruch einen Quantensprung gegenüber ihrem Vorgängerwerk „Preaching Venom“ unternommen. Die plumpen Takte weichen schleppenden, melodiösen und heftigen Klängen, die „Psychogenocide“ zu einer prima Ergänzung zu Morbid Angel, Nile und Co. machen.

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