Myra im Rückspiegel: Alles gesagt und getan mit Video?

Myra (Foto: Myra/Presse)

Myra (Foto: Myra/Presse)

Tränenverschmierte Augen, ein Galgenstrick, ein hagerer Mann. Das sieht ziemlich pessimistisch und drastisch aus, ist es auch. Inhalt des Videos scheint das sensible Thema Suizid zu sein. „Said & Done“ ist die zweite Single-Auskopplung von Myras neuem Album „Godspeed“ und überall zu sehen. Ein Artikel für die Leipziger Internet Zeitung vom 13. Oktober 2010.

Sören Schaller war der Produzent des kleinen Musikfilms, worin sich ein Mann gerne erhängen möchte, bis sich das Blatt wendet. Der dünne Mann mit dem weißen Unterhemd hat Hoffnung geschöpft. Wie gut. Schaller ist Fotograf, Filmemacher und Kopf hinter „Alternastyle“. Einer Agentur für Band-Promotion, die alles daran setzt, eine Band wie Myra in Szene zu setzen, wie sie es schon mit dem ersten Video „New Blood Will Run“ getan hat.

Das neue Myra-Album „Godspeed“ wurde wieder um eine Video-Auskopplung bereichert. Der Song donnert aus vollen Rohren, birgt auch die beabsichtigte Verzweiflung in sich, die nun visuell ganz hübsch umgesetzt wurde. Typisch für Metal-Videos erzählt der Streifen die Geschichte des Lebensmüden auf der einen Seite sowie seine Läuterung, präsentiert auf der anderen Seite die wild rockende Band in einer sonnendurchflutenden Halle.

Die Band setzt alles auf dieses Album, weil es für sie bis dato das reifste Stück Musik für sie darstellt, die sie bisher geschrieben haben. Und das ist auch so richtig, denn mit der satten Produktion von dem Leipziger Aufnahmestudio „Kick The Flame“ und dem gereiften Songwriting hat Myra im Vergleich zum Erstling „The Venom It Drips“ eine Stufe höher erklommen.

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Zur Entstehung des Videos erzählte Bassist Felix: „Um dem Thema des Videos möglichst nah zu kommen, haben wir uns entschieden in einer ehemaligen, echten Psychatrie zu drehen, da gab es schon ein paar nette Requisiten, den Rest haben wir überall ausgeliehen. Der Schauspieler heißt Michael. Wir haben ihn über eine Berliner Schauspiel-/Modelagentur engagiert, die heißen ‚plainwhiteshirt‘. War ein sehr cooler Typ, macht selbst auch Musik und hat echt eine Wahnsinnsarbeit geleistet. Außerdem hatten wir eine ganze Menge Statisten am Start, die ja in einigen Szenen zusehen sind. Gedauert hat der ganze Dreh drei volle Tage, inklusive Aufbauen und allem drum und dran – wobei ‚volle Tage‘ recht wörtlich zunehmen ist, da wir fast immer 20 Stunden am Set waren.“
Klingt nach harter Arbeit. Die wird aber nicht immer gewürdigt. Da geht’s schon mal kräftig unter die Gürtellinie. So unken „Szenepolizisten“ im Internet, Myra äffen gängige Trends nach, um erfolgreich zu sein. Es ginge ihnen um Aufmerksamkeit, damit Myra ihre schönen Tattoos und ihre „hässlichen Bärte“ zeigen können. Reichlich großspurig reagiert die selbst ernannte „Szene-Presse“ auf manche Veröffentlichungen, wie auch auf die von Myra.Dazu Felix ganz locker: „Das mit den Reviews ärgert uns nicht so sehr. Schließlich gibt es keine guten oder schlechten Reviews. Ein Review spiegelt immer eine subjektive Meinung und einen individuellen Höreindruck wieder. Da können die Meinungen schon mal auseinender gehen.“

Dabei ist das Genre „Metalcore“ schon seit zehn Jahren am Start und nicht nur von Erfolgsgeschichten geprägt, doch die Qualitätsmaßstäbe erreichen auf „Godspeed“ locker soliden internationalen Standard. Außerdem sieht sich die Band als waschechte Metal-Band.

Immerhin präsentiert „Metalcore“ das heutige Lebensgefühl für viele junge Heavy Metal-Fans, die diese Musik heute anders definieren als die Anhänger vor zwanzig Jahren. Und warum sich nicht für Peta2 engagieren, sich vegan ernähren und gut informiert sein? Jedenfalls besser als im Bierdunst dumpf vor sich hin zu brüten und gegen alles zu sein.

Das Engagement für die unmittelbare Umgebung, die Beschäftigung mit dem Lebensumfeld klingt auch bei dem Song „Said & Done“ durch, der richtig druckvoll aus den Boxen schmettert und den für die Leipziger Band so typischen Wiedererkennungswert besitzt.Bretthart, direkt und aussagekräftig. Das Video von Sören Schaller unterstreicht mit den dargestellten Szenen die Aussage des Songs. Und wie es im Clip bisher angedeutet wird, die Geschichte birgt ein wenig Realität. Auch wenn’s eine schmerzliche ist, die viel Fingerspitzengefühl erfordert.

Diese Tatsache sollte vielleicht diejenigen zum Schweigen bringen, die Myra als modebewusste Trend-Kapelle ansehen und dabei vergessen, dass auch hartmetallische Musik Inhalte transportieren darf. In diesem Fall eben ausserhalb des oft schon langweilenden Ruch des Überbösen, der nach all den teils öden Jahren über diesem Genre baumelt. Bei Myra gibts mal was anderes, als gestellte Brandschatzungen, ebensolchen Morddarstellungen und gewollten Diskriminierungen aus Aufmerksamkeitsdefiziten.

Hier haut man lieber gehörig Pfeffer im getrommelten Takt und bodenständige Ehrlichkeit auf den Markt der Eitelkeiten. Dass man es als Band wie Myra versteht, sich gut zu vermarkten, ist ebenfalls ein angenehmes Novum aus der sonst gern übersehenen Leipziger Szenerie. Hauptsache die Fans lieben es und die Band schöpft weiterhin Kraft aus diesem Zuspruch.

Hier noch „New Blood Will Run“ von Myra
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