Motörhead im Rückspiegel: Lemmy sagt „The Wörld Is Yours“

Motörhead 2010 (Foto: Steamhammer/SPV)
Motörhead 2010 (Foto: Steamhammer/SPV)

Lemmy kann knurren, so viel er will – die Fans von Motörhead bekommen nicht genug. Seit 35 Jahren reist die Kapelle des bärtigen und langhaarigen Mannes um den Erdball. Der Bassist und Frontmann Lemmy Kilmister wird im Dezember 65 Jahre alt. Regelmäßig zur Vorweihnachtszeit spielen er, sein Gitarrist Phil Campbell und Drummer Mikkey Dee in Deutschland den schwarzen Weihnachtsmann. 2010 war die Band in Chemnitz. Ein Artikel vom 23. Oktober 2010.

35 Jahre. 20 Studioalben, fünf Liveplatten, sieben offizielle Compilations, ein Grammy und mehr als zwei Dutzend Musikpreise. Über zweitausend Konzerte und ein erst in den letzten Jahren wieder aufkeimender Welterfolg gehen auf das Konto der wohl beständigsten Rockband überhaupt.

Die Geschichte von Motörhead ist gespickt mit Höchstleistungen und noch längst noch nicht zu Ende. Ein neues Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte schlugen der charismatische Frontmann Lemmy Kilmister und seine beiden Mannen im Dezember 2010 auf, als sie ihr neues Album „The World Is Yours“ veröffentlichten.

Bereits im Vorfeld jubelten interne Pressekreise, dass das kommende Album wohl eines der besten ihrer langen und nicht immer nur erfolgreichen Karriere sei. Nach ihrem doch wohl etwas schwachbrüstigen und dennoch erfolgreichen Vorgänger „Motörizer“ erwarteten Kritiker von den zehn kommenden Songs ein würdiges Jubiläumsalbum.

Songtitel wie „Born To Lose“, „I Know How To Die“, „Waiting For The Snake“ und „Brotherhood Of Man“ versprechen eine feurige Mischung aus dem Stoff aus dem die Träume von Motörhead-Fans gestrickt sind. Ohne Verschleißerscheinungen nehmen es die Rock-Opas mit jeder Jungspund-Kapelle wieder auf, hieß es damals von der Musikpresse.

Dabei war die Band nicht immer so erfolgreich wie heute. Als Lemmy Kilmister die Band 1975 nach seinem Rauswurf von der Hippie-Kapelle Hawkwind wegen seines exorbitanten Drogenkonsums Motörhead aus der Taufe hob, existierte der eiserne Kopf in Form des Stücks „Motörhead“ bereits schon. Bei Hawkwind wurde das Lied bereits gespielt, Lemmy nahm’s mit und trat von da an mächtig aufs Gaspedal.
Mit einer Mischung aus Blues, Rock’n’Roll und lauten Verstärkern brachten es Motörhead Ende der Siebziger Jahre nach ihren behäbig schleichenden Werken „Motörhead“ und dem erst später veröffentlichten „On Parole“ mit „Bomber“ und „Overkill“ schlagartig zu einer bis heute anhaltenden Beliebtheit, die man nur noch bei Rock-Acts wie Judas Priest, AC/DC, Metallica und Iron Maiden vorfindet.

Erst „Ace Of Spades“ hievte das damalige Trio 1980 aus Lemmy, Eddie Clarke (Gitarre) und Phil Taylor (Trommeln) auf den Rock-Olymp. „Ace Of Spades“ gilt als das Referenzwerk der englischen Rock-Band überhaupt. Mit den Folgealben „Iron Fist“ und „Another Perfect Day“ nahm der Erfolg dann jedoch wieder stetig ab, was nicht zuletzt auch an ersten Ermüdungserscheinungen lag.

Bei dem melodiösen, aber dennoch starken „Another Perfect Day“ stieß auch ein gewisser Brian Robertson zur Band, der wegen seines absonderlichen Benehmens und seiner bunten Klamotten oder einem Ballettkleid nicht nur den Fans unangenehm auffiel. Der Mann war definitiv nicht Rock’n’Roll, vor allem als er sich stinkbesoffen von Kindern Zigaretten im Mund ausdrücken ließ, wie es Lemmy in seiner Autobiographie „White Line Fever“ nicht ganz ohne ironischen Unterton beschreibt.

Lemmy versuchte mit eher durchwachsenen Werken wie „Orgasmatron“ und „Rock’n’Roll“ das Ruder mit neuer Besetzung herumzureißen, was ihm ab 1990 mit Alben wie „1916“, „March Or Die“ und „Sacrifice“ auch teilweise gelang. Ab 1992 steht auch die Besetzung Kilmister/Campbell/Dee wie eine Eins und hat seitdem mit hochwertigen Werken von sich Reden gemacht. Kritiker und Fans lieben die Truppe gleichermaßen, die so unzähligen Musikern neben einer Portion Rock’n’Roll auch noch ein Stück Weisheit und eine kräftige Whiskey-Fahne aus dem schlagfertigen Mund von Lemmy Kilmister mit gibt.

Der gar nicht so alt wirkende 65-Jährige setzte sich 2010 im Zuge des neuen Longplayers seinen Schlapphut wieder auf, schnallte seinen Patronengürtel um und ergriff seine Bassgitarre. Nachdem das Trio bereits im Dezember 2009 für acht Konzerte in Deutschland war, kehrte es Ende 2010 für acht weitere Konzerte zurück.

Düsseldorf, Hannover, Trier, Stuttgart, Berlin, Wiesbaden, Chemnitz und München waren vom 30. November bis 11. Dezember die Stationen. Der 10. Dezember war für die sächsischen und thüringischen Fans in der Chemnitzer Arena eingeplant. Rund 4.500 Plätze umfasst die Halle, knapp 1.000 Karten sind bereits an den Mann und die Frau gebracht.

Offenbar rechneten die Veranstalter mit der Doppel-Jubiläumstour von 65 Jahren Lemmy Kilmister und 35 Jahre Motörhead mit besonders hohem Zulauf. Wer sich an die unsäglichen Rahmenbedingungen im Haus Auensee im Jahre 2006 erinnert, als die wenigen Toiletten den knapp 3.000 Fans kaum Ausweichmöglichkeiten boten und der Stall schlicht überfüllt war, wird sicher genießen, wenns in Chemnitz etwas luftiger zugehen würde.

Zumindest steht dann nicht zu befürchten, dass wie damals viele Fans das Konzert für teuer Geld vom Foyer aus sehen. Eine Angst braucht man dann hoffentlich nicht mehr zu haben – dass das Bier reicht. Motörhead hatten 2010 wie immer eine Frau im Gepäck. Dieses Mal war es die deutsche Rockröhre Doro Pesch, die in den Achtzigern mit Warlock große Erfolge einfuhr und seit den Neunzigern Solo durch die Welt tingelt.

Die Dame gilt als besonders herzlich, ist für ihre mitreißenden Shows bekannt. Doro war also die perfekte Ergänzung für den Jubiläumsabend mit Motörhead, die ihren Fans zeigten, was Rock’n’Roll ist. Die schwedischen Rocker von Grand Magus waren ebenfalls mit dabei. Spätestens mit dem Eröffnungsspruch „We Are Motörhead and we play Rock’n’Roll“ war klar, wo der Hammer am 10. Dezember hängte.

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