Iron Maiden im Rückspiegel: Zwischen süßen und bitteren Pillen

Iron Maiden (Foto/Copyright: ironmaiden.com)
Iron Maiden (Foto/Copyright: ironmaiden.com)

Lange ist es her als ich einen Schnupperkurs über Iron Maiden bekam. Das muss 1989 gewesen sein, als ein Klassenkamerad stolz verschiedene Buttons mit bunten Aufdrucken auf seiner Jeansjacke umher trug. Oder war es gar 1987. Jedenfalls bat er mich ein Motiv zu vergrößern. Für jemanden, der gut zeichnen kann, war das damals eine echte Herausforderung. Es handelte sich um das Motiv des Iron-Maiden-Albums „Live After Death“.

1989 saß ich dann auf der Couch eines Arbeitskollegen meiner Mutter. Er zeigte mir seine Plattensammlung, die er über die Jahre für richtig viel Geld in Ungarn erwarb. Alle Iron Maiden-Alben besaß er. Auch „Live After Death“. Zu dem Zeitpunkt wurde ich ge-maidened wie es bei den Maiden-Fans immer noch heißt. Bei der Leipziger Messe irgendwann zwischen 1987 und 1989 sah ich auch einmal ein riesiges Poster von Iron Maiden aus der Phase von 1986 und 1987. Das Single-Motiv von „Stranger In A Strange Land“ war drauf, erfuhr ich später. Monstermaskottchen Eddie als Desperado. In der Schule wurden indes die aktuellen „Bravo“-Ausgaben herum gereicht. Irgendwann bekam ich eine Ausgabe zwischen die Finger. Darauf auch die Live-Fotos der „Seventh Son Of A Seventh Son“-Tour. Als Kid ist man ziemlich schnell beeindruckt. Auch von dem Video-Covermotiv zu dem Konzertmitschnitt „Maiden England“. 1989 war das.

2012 geht Iron Maiden mit dem alten Bühnenoutfit der „Seventh Tour Of A Seventh Tour“ auf Konzertreise. Derzeit tingelt die Band in den USA umher. „Maiden England“ heißt die Reise. Und die offeriert vielleicht das, auf das ich lange wartete: das VHS-Band von „Maiden England“ endlich als DVD samt dritten Teil der Maiden-History in den Händen halten zu dürfen. Natürlich möchte ich auch selbst bei einem der Konzerte in Deutschland dabei sein. Nach dem verpassten Wacken-Auftritt 2010 und der Stippvisite 2011 wird es langsam Zeit. Mittlerweile existieren zahlreiche Handy- und Smartphone-Mitschnitte auf Youtube, die eine vitale Band zeigen. Endlich klingt Maiden wie Maiden. Kürzlich offerierte Gitarrist Adrian Smith gar, das kommende neue Studioalbum der Eisernen Jungfrauen würde wieder kürzere und knackigere Songs besitzen und nicht die langen Harris-Epen, die Maiden bis zum Erbrechen komponierte. Nichts gegen die Alben, die nach der Reunion 2000 erschienen, aber irgendwann ist es zuviel des Guten.

Iron Maiden bei der "Maiden England Tour" 2012 in den USA (Foto/Copyright: ironmaiden.com)
Iron Maiden bei der „Maiden England Tour“ 2012 in den USA (Foto/Copyright: ironmaiden.com)

Lange war  ich von der Band enttäuscht, weil sie nicht das Beste aus den Alben „X-Factor“ und „Virtual XI“ holte, dass Steve Harris seinen damaligen Ersatzsänger  Blaze Bayley durch komplexe Liedaufbauten hetzte bis der arme Mann selbst bei Konzerten unter Atemnot litt. Als ich die Band so 1995 in dem desolaten Zustand sah oder hörte – eigentlich sah man nur Maidenflaggen im Publikum und hörte die Fans jeden einzelnen Text singen – betrank ich mich. War das die Band, die ich so verehrte? Nein. Die folgenden Alben kaufte ich nur der Vollständigkeit halber. Auch das Reunionwerk „Brave New World“ war für mich anfangs eine bittere Pille. Ich schluckte sie. Heute mag ich die Scheibe irgendwie. Auch „Dance Of Death“ mit dem wirklich langweiligsten Cover aller Zeiten von Iron Maiden, sogar das viel gescholtene „A Matter Of Life And Death“ und das geschmähte „Final Frontier“-Album mag ich gern hören.

Wirklich süß schmeckt aber die Phase zwischen 1980 und 1988. Wenn auch ich zur Fraktion gehöre, die mit den Werken „No Prayer For The Dying“ (1990) und „Fear Of The Dark“ (1992) etwas abgewinnen kann. Abgesehen von den vielen Live-Alben der Band, wovon nur „Live After Death“ und „Rock in Rio“ richtig groß sind. Alle anderen kursieren höchstens als bessere Bootlegs und dokumentieren das Werden und Vergehen sowie das Wiederaufstehen einer Band, die seit 1975 in der Musikwelt seine Kreise zieht. Wohin führt uns der britische Sechser nach dem genauso grandiosen Konzertmitschnitt „En Vivo“? Die Zukunft wird so aussehen, dass Iron Maiden natürlich den alten Mitschnitt „Maiden England“ zusammen mit dem dritten Teil der History veröffentlicht. Vielleicht sogar die aktuelle Tournee aufzeichnet und als DVD und CD herausgibt. Ein neues Album ist auch in Sicht.

Iron Maiden live 2012 (Foto/Copyright: ironmaiden.com)
Iron Maiden live 2012 (Foto/Copyright: ironmaiden.com)

Ein kleiner Überblick über das musikalische Schaffen muss bei der Fülle an Werken erst einmal ausreichen. Zu „Virtual XI“ und „Live After Death“ gibt es bereits nähere Betrachtungen. Vielleicht vervollständige ich die Albumbesprechungen nach und nach. Beim Kauf der Scheiben sollte man besser auf Schnäppchenjagd gehen. Im Einzelhandel stehen oft die CDs überteuert in den Regalen. Wer wie ich „Final Frontier“ für knapp über 6 Euro als digitalen Download und als CD bei 5 Euro erwarb darf sich als glücklich schätzen. Mittlerweile sind die Alben und DVDs recht günstig knapp über der 10-Euro-Marke zu haben. Wer verschiedene Händler im Internet aufsucht bekommt die Scheiben sogar für einen knappen Fünfer. Auch im Internet sind komplette Live-Mitschnitte, bzw. Kopien von DVDs kostenlos anzuschauen. Mangelhafte Qualität in Bild und Ton machen die Kopien eher zu Brücken zum Kauf einer DVD oder BlueRay. Bei Maiden lohnt sich der Kauf sowieso. Nur Kraken und Blutegel saugen.

Unverzichtbar

„The Number Of The Beast“ war die erste Platte von Iron Maiden, die ich vollständig hörte. Das muss 1989 gewesen sein, nachdem ich das Titelstück im Radio hörte und meinen Klassenkameraden bat, mir was von Maiden zu kopieren. Er drückte mir die Kassette mit besagtem Album und „Powerslave“ in die Hand. In Berlin (West) kaufte ich mir vom Begrüßungsgeld dann das originale Album, so sehr mochte ich es. Das war das schönste Weihnachten bislang. Die Songs „Prisoner“, „22 Acacia Avenue“, „The Number Of The Beast“ und „Run To The Hills“ gehören immer noch zu dem besten Stoff, den Maiden bislang schrieb. Das Album steht an erster Stelle vieler Fans, weil es mit dem Einstieg von Bruce Dickinson, dem kompakteren Songwriting dank Produzent Martin Birch und dem genialen Outfit von Künstler Derek Riggs einfach unerreichbar ist. Viel später veröffentlichte Iron Maiden eine Studio-Sitzung über das Entstehen von „The Number Of The Beast“, wovon vieles erzählerisch Eingang im ersten teil der „History“-Filmreihe fand. Wirklich sehenswerter Stoff!

„Live After Death“ steht für mich an zweiter Stelle, weil die hier dokumentierten Mitschnitte das beste bieten, was Maiden von 1980 bis 1984 ausmachte: Hits, Hits, Hits. Ich besaß bald nach der Wende 1989/1990 die Doppel-LP mit der langen „Running Free“-Version, die nie auf den CDs und Videos auftauchte. Wie schade. Von dem Albumcover-Motiv besaß ich wie von „Number Of The Beast“ auch ein T-Shirt mit passendem Aufdruck. In der illegalen Bootleg-Version. Schade. Die Entstehung von „Powerslave“ und „Live After Death“ wurde auch ausführlich im zweiten Teil der „History“-Filmreihe zusammengefasst. Unbedingt auch die DVD mit dem Konzertmitschnitt zulegen! Mehr dazu in meiner Nachbetrachtung.

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„Powerslave“ von 1984, „Piece Of Mind“, „Somewhere In Time“ und „Seventh Son Of A Seventh Son“ samt „Maiden England“-Live-Mitschnitt stehen bei mir an dritter Stelle meiner Maiden-Vorlieben. „Powerslave“ deshalb, weil ich die Epen „Powerslave“ und „Rime Of The Ancient Mariner“ so liebe. Das Album, das ich besaß, war in einer griffigen Hülle verpackt – U.S.-Version. Alles hatte den Ägypten-Touch. Der Song „The Duellists“ mag ich auch, zumal ich den gleichnamigen Film mit Harvey Keitel sah. Ganz großes Kino!

„Piece Of Mind“ liebte ich wegen „Where Eagles Dare“ und „To Tame A Land“. Und wegen des Drummings des damals neu eingestiegenen Nicko McBrain. Das Album ist super anspruchsvoll und progressiv, vor allem heavy produziert und beim Erscheinen 1983 auf der Höhe seiner Zeit wegen seiner Härte.

„Somewhere In Time“ mag ich wegen des Sounds und der darin innewohnenden Melancholie und Sehnsucht. Vor allem „Sea Of Madness“, „Wasted Years“ und „Stranger In A Strange Land“ haben es mir angetan. „Alexander The Great“ wirkte für mich zu aufgesetzt.

Das siebte Studiowerk „Seventh Son Of A Seventh Son“ bedeutet schon einen Rückschritt, obwohl Songs wie „The Clairvoyant“, „The Prophecy“, „Infinite Dreams“ und „Only The Good Die Young“ zu den stärkeren Nummern gehörten. Generell war mir die Scheibe zu soft. Der Song „Can I Play With Madness“ wurde als erstes als Single ausgekoppelt. Das Video dazu sah ich 1988 im Fernsehen und fand es cool. Das Titelstück aber erscheint mir noch heute etwas zu bombastisch.

Unverzichtbar sind die DVDs der „History“-Reihe, die bislang zwei Teile umfasst und mit dem dritten Teil die Phase zwischen 1986 und 1989 umfassen wird, mutmaße ich mal. Auch dass das Live-Video „Maiden England“ einer Neuauflage bedarf, hatte ich an früherer Stelle ausgeführt. Der vierte Teil wird sicher die Zeit zwischen 1990 und 1994 umfassen und endlich auch die „Live At Donington“- und „Raising Hell“-Videos mit einschließen, die einer nötigen Restauration bedürfen. Das Video zu „Flight 666“ gehört ebenso in jedes Sammlerregal an erste Stelle gestellt. Die zu „Final Frontier“ stattfindende Tour wurde mit dem Video „En Vivo – Live in Chile“ dokumentiert. Großartige DVD, großartige Konzertstimmung. Iron Maiden ist noch immer auf der Höhe seiner Zeit.

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Nicht von schlechten Eltern

Um eins vorweg zu nehmen: „No Prayer For The Dying“ ist kein Rohrkrepierer wie viele meinen. Die Songs entsprechen den Standards, die die Band in den achtziger Jahren ausmachte. Für mich war die Scheibe wegen seiner Raubeinigkeit nur logisch nach so einer polierten Phase Ende der Achtziger. Einfache Lieder wie „Hooks in you“, „Bring your daughter to the slaughter“ und „Holy Smoke“ reihen sich genau da ein, wo Maiden zuletzt aufhörte. Mit „Public Enema Number One“ und „Assassin“ sind für Maidenverhältnisse zwei richtig harte Nummern dabei. Für mich gilt „No Prayer For The Dying“ nicht zuletzt wegen seiner Abwechslung zu den besseren Scheiben der Band. Nur der Sound, an dem Steve Harris selbst anlegte, war ein Griff ins Klo.

Besser wurde es mit „Fear Of The Dark“. Da war aber das Manko das Songwriting. Mit „Be Quick Or Be Dead“, „Fear Of The Dark“ und „Wasting Love“ lieferte das alte Flaggschiff des „New Wave Of British Heavy Metal“ richtig geniale Nummern. Der Rest, einschließlich das wieder gespielte „Afraid To Shoot Strangers“, langweilt nur.

Fast schon Geheimtipps sind die ersten beiden Scheiben mit Paul Di Anno als Sänger. Das selbstbetitelte Debüt von 1980 und „Killers“ 1981 präsentierten eine Band, die eingefleischte Maiden-Fans noch zwischen 1977 und 1979 in London sehen konnten. Rau, ungehobelt und dennoch mit dem Fünkchen Etwas, das Maiden zu etwas besonderen in der New Wave Of British Heavy Metal machte. Titel wie „Charlotte The Harlot“, Phantom Of The Opera“, „Running Free“, „Wrathchild“ „Iron Maiden“, Killers“ und „Murders In The Rue Morgue“ sollte Iron Maiden wieder mal öfter in ihre Auftritte flechten.

„Brave New World“ ist das Reunionalbum von Iron Maiden mit Bruce Dickinson und Adrian Smith. Die Band zeigt sich wieder erstarkt nach der schwachen Phase in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre. Jeden Song kann man man ausnahmslos genießen, wenn auch ein wenig die achtziger Jahre für immer vorbei sein werden. Das Eingangsriff vom Einstieg „The Wickerman“ stammt von Adrian Smith. Wohltuend, dass er wieder dabei ist. Als Songwriter hätte er in der Folgezeit mit Bruce Dickinson wieder mehr Hits schreiben sollen. Mit „Blood Brothers“, „Brave New World“ und „The Mercenary“ sind aber waschechte Klassiker am Start.

„Rock In Rio“ erschien in direkter Folge als Reunion-Live-Album. Vielleicht ist das Werk sogar das Album, was Maiden als Konzertmitschnitt immer veröffentlichen wollten aber wegen technischer Voraussetzung nie konnten. CD und DVD sind echte Bereicherungen in der Maiden-Sammlung eines jeden Fans.

Warum „Dance Of Death“ seinerzeit und heute immer noch scheel angeschaut wird, weiß ich immer noch nicht. Die Scheibe ist einfach gut und 100 Prozent Maiden. Ebenso verhält es sich mit dem langatmigen Werk „A Matter Of Life And Death“, das aufgrund seiner Komplexität manchen Kritiker wahrscheinlich überforderte. Durchwachsen aber nicht minder schlechter präsentierte sich Maiden mit „The Final Frontier“ worin sie die Phase zwischen 1986 und 1992 partiell wieder aufleben ließen. Wie „Powerslave“ wurde es in Nassau aufgenommen. Der Blick zurück war auch gleichzeitig ein Blick zu neuen Ufern. Mehr dazu in der Nachbetrachtung.

Verzichtbar

„Virtual XI“ gehört wie das Vorgängeralbum „X-Factor“ zu den absoluten Rohrkrepierern in punkto Sound und Umsetzung. Adrian Smith fehlte als Songwriter einfach, ebenso Bruce Dickinson. Blaze Bayley war das arme Schwein, das in seine Fußstapfen treten musste und dafür gehörig viel Schmäh und Spott ungerechterweise einfuhr. Sein Gesang hätte Maiden durchaus bereichern können, wenn die Songs nur auf ihn zugeschnitten gewesen wären. Aber Maiden war längst zu den Ufern in Richtung Progressive aufgerochen. Entsprechend hoch waren die Messlatten. Nichtsdestotrotz sind Lieder wie „Man On The Edge“, „Sign Of The Cross“, „The Aftermath“, „Judgement Of Heaven“, „The Unbeliever“, „2.A.M.“ und „Lord Of The Flies“ richtig gut anzuhören. Mit Bruce wäre aber alles viel besser geworden.

„Virtual XI“ ist kompositorisch und soundtechnisch ein echtes Armutszeugnis für die Band, die in den achtziger und neunziger Jahren noch so großartig war. Näheres dazu in meiner Nachbetrachtung an anderer Stelle.

Es gibt aber auch zahlreiche Liedsammlungen wie die von „Somewhere Back In Time“ und „From Fear To Eternity“. Für Einsteiger vielleicht okay, sowie für Leute, die zu faul sind eine eigene Sammlung zusammen zu stellen. Für Autofahrer, die alle Hits auf einer  oder zwei CDs brauchen ideal. Maidenfans kaufen sich die Alben nur wegen der Cover. Mehr nicht.

Geheimtipps

Singles, Singles und Singles sind die Geheimtipps für Maidenfans und Einsteiger. Bieten sie auf ihren B-Seiten genügend Stoff zum Stöbern und Erkunden. Angefangen von der „Maiden Japan“-EP, die unlängst zur LP erweitert wurde und Iron Maiden zum Zeitpunkt einer Kiss-Tournee von 1981 zeigt. Endend mit den Singles von 1980 bis 1992, wo die B-Seiten neben kleinen Pralinen wie den Songs „Total Eclipse“ und  „Women In Uniform“ auch zahlreiche Coverversionen von Led Zeppelin bis UFO auf den Entdecker warten. Dazu gesellen sich inoffizielle Bootlegs wie das Konzert von der „World Piece Tour“ 1983, das Konzert in Dortmund aus dem selben Jahr, das Eingang im ersten Teil der Maiden-History fand sowie die offiziellen Bootleg-Scheiben „A Real Dead One“, „A Real Live One“ und „Live At Donington“. Wer tiefer gräbt, findet sogar das Bootleg „Beast Over Hammersmith“ von 1982, das mit dem Best-Of-B-Sides und mit den BBC-Aufnahmen in der Box „Eddie’s Archive“ versammelt wurde. Das Live-Album „Death On The Road“ kann samt DVD nur als Komplettierung dienen. Für echte Schnüffler sei aber „Soundhouse Tapes“ von 1979 empfohlen als die Band kurz vor ihrem Durchbruch stand.

Noch mehr Geheimtipps

Wer sich mit Iron Maiden beschäftigt, kommt um die Soloprojekte einzelner (Ex)-Bandmitglieder nicht herum. Das Universum von Iron Maiden erstreckt sich auch auf andere Gruppen, von denen künftige Bandmitglieder rekrutiert wurden. Das betrifft erst einmal die britische Rockband Samson, zu denen der von Maiden geschasste Drummer Barry „Thundersticks“ Purkis stieß. Der ehemalige Drummer von Samson, Clive Burr, kam aber erst 1981 zu Maiden. Mit Purkis spielte Samson zwei beachtliche Alben ein: „Head On“ (1980) und „Shock Tacticts“ (1981). Auf den beiden Werken sang ein gewisser „Bruce Bruce“, der mit seinem bürgerlichen Namen „Dickinson“ heißt und 1981 von Iron Maiden abgeworben wurde. Mit ihm schaffte das Flaggschiff der NWOBHM mit „The Number Of The Beast“ den internationalen Durchbruch. Die beiden mit Dickinson erschienenen Samson-Scheiben haben genug Klasse, um mit Maiden mithalten zu können. Auf „Head On“ erklingt zumal das Instrumental „Thunderburst, das ein Jahr später auf dem Maiden-Album „Killers“ als „The Ides Of March“ verwendet wurde. Mit „Vice Versa“, „Riding With The Angels“ und anderen gut gelaunten bis nachdenklichen Rocksongs ergänzen die beiden Samson-Alben das Maiden-Universum.

1980 trat ein Gitarrist bei Maiden in Erscheinung, der zuvor mit „Urchin“ durch die britischen Clubs tingelte. Adrian Smith heißt der Mann, der mit seiner Gruppe sich an amerikanischen Rock der Marke Survivor & Co. orientierte. Schon damals bewies Smith sein Händchen für schmissige Ohrwürmer. Ein Talent, das später bei Maiden sich voll entfalten sollte. Die frühen Urchin-Singles und -Alben „Black Leather Fantasy“ (1977), „She’s A Roller“ (1978), „Urchin“ und „High Roller“ wurden 2004 und 2010 wiederveröffentlicht. Ein unoffizielles Live-Album von 1980 kursiert ebenso wie die damals üblichen BBC-Sessions. Maiden-Gitarrist Dave Murray war bei Urchin ebenfalls eine Zeit lang zuhause. Nicht umsonst war das Doppelgespann bei Maiden so gut aufeinander eingespielt. Ein Song wie „22 Acacia Avenue“ wäre so ohne Urchin und Smith nicht möglich gewesen. Erste Ideen hatte der Saitenhexer bereits in den Siebzigern.

Auch Nicko McBrain entstammt einem interessanten Projekt, das Anfang der achtziger Jahre recht erfolgreich war: Trust. Die französische Band war auch die Heimat von Clive Burr nachdem er bei Maiden ausstieg und durch Nicko McBrain ersetzt wurde. Ihr Album „Repression“ (1980) brachte Trust nach vorne. Nicht zuletzt wegen ihres Hits „Antisocial“, das 1988 von der amerikanischen Thrashmetal-Band Anthrax nachgespielt wurde.

Bruce Dickinson ist der umtriebigste Geselle in der Maiden-Familie. 1989 erschien sein erstes Soloalbum „Tattooed Millionaire“, wo die Urfassung von dem Maiden-Klassiker „Bring your daughter to the slaughter“ zu finden ist. Auf der Aufnahme ist auch Janick Gers zu hören, der den leeren Platz von Adrian Smith übernahm, der 1989 ebenfalls auf Solopfaden wandelte. Bis er sich Ende der neunziger Jahre auf den Dickinson-Solowerken „Accident Of Birth“ (1997) und „Chemical Wedding“ (1999) zusammentat und gemeinsam mit dem Ausnahmesänger in den Schoß der Eisernen Jungfrau zurück kehrte. Dickinson kehrte den Jungfrauen ein zweites Mal 1994 den Rücken zu. „Balls To Picasso“ (1994) und „Skunkworks“ (1996) waren die ersten beachtlichen Ergebnisse seines Alleingangs. Auf den beiden Scheiben frönte er wie schon 1989 auf „Tattooed Millionaire“ stärker rockigen Klängen.

Ein Lied wie „Cyclops“ könnte ebenso gut auf einem Maiden-Album stehen. „Skunkworks“ wurde hingegen zwiespältig von der Kritikergemeinde aufgenommen. Während die eine Fraktion Dickinsons Anbiederung an alternative Grunge-Moden bemängelte, stellte die andere die interessanten Lieder wie „Inertia“ und „Back From The Edge“ heraus. Sieht man vom matschigen Sound ab, so bleibt ein rundes Rockalbum. Heavy Metal wurde Dickinson erst wieder mit „Accident Of Birth“ und „Chemical Wedding“. Darübe rwunderte sich sogar Maiden-Boss Steve Harris. Wollte Dickinson ja Heavy Metal nie wieder spielen, weil ihm das so langweile.

Ex-Sänger Paul Di’Anno ist seit seinem Abgang von Maiden 1981 auf Solokurs. 1983 trat er das erste Mal solo in Erscheinung. Das Projekt brach bald auseinander, worauf das nächste folgte. Mit Gogmagog brachte er es nur auf ein Album. Mit Battlezone 1986 und 1987 zwei weitere beachtliche Ergebnisse seines Songwritings. Vor allem „Fighting Back“ zeigt alle Qualitäten des Sängers, Härte und Rauheit mit griffigen Melodien zu verbinden. „Children Of Madness“ von 1987 ist nicht weniger spannend. Aber der Sound müsste bei einer Wiederveröffentlichung gründlich aufpoliert, wenn nicht sogar das komplette Album neu eingespielt werden.

Mit der Besetzung von „Killers“ hatte Di’Anno seine stabilste Phase. Ich persönlich würde das „Killers“-Debüt „Murder One“ als Nachfolger von Battlezone bewerten. Wer auf die Frühwerke von Maiden steht, wird auch mit „Killers“ glücklich. Das Zweitwerk von „Killers“, „Menace To Society“, wendet sich verstärkt moderneren Sounds wie sie von Pantera damals gespielt wurden, zu. Paul Di’Anno bewies zwar am Puls der Zeit zu sein, aber dadurch ging sein Charisma verloren.

2012 will Maiden-Bassist Steve Harris sein Solo-Debüt „British Lion“ ans Licht der Öffentlichkeit treten. Was den Maiden-Fans damit erwartet, wissen nur Eingeweihte. Eins sei schon gesagt: die volle Palette des Rock soll in die Lauscher gepustet werden. Natürlich heavy, versteht sich.

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