Unearth im Rückspiegel: Ausgegrabene Metalmuskelprotze schreien neues Album in die Welt

Aus Amerika kommen die Herren. Und was aus Amerika herüber kommt ist gut. Erste Lorbeerreden erscheinen im World Wide Web. Die Truppe, die sich Unearth nennt, spielt einen beliebten Stil. Metalcore nennt sich der Pop-Metal-Hardcore-Punk-Mischmasch. „Trendy, sexy, cool“, könnte man meinen. Oder? Ein Artikel vom 1. Juli 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Die Dunkelheit gibt es überall – auch im Licht. Harmonien wie aus der Siebziger-Jahre-Smokie-Kiste, heftige Notenausbrüche. Brüllerei immer an der Nerv-Grenze – aber mit Melodie bitteschön und hübsch das Schlagzeug im Takt auf die Schädeldecke klopfen. Der Schmerz muss zumindest gemildert werden. Unearth kennen das, sie rühren seit über zehn Jahren im Metalcore-Zirkus mit und spielen „Metalcore“.

Diese Spielart klingt streckenweise wie ein Hardrockalbum aus den Achtzigern, schreit-brüllt wie eine brutale Hardcore-Band daher und hat den notenbewehrten Schlaghammer der Tattoo-Krawallos Pantera in der Faust. „Kaputtschlaan“ mit Musik und besänftigen mit geschrieener Poesie. So ungefähr klingt der Stoff, die merkwürdig frisierte Metalfans mit Stufenhaarschnitt und schiefem Scheitel abfahren – Playmobilfrisuren. Darauf ein buntes Käppi.

„Echte“ Metaller machen sich über den bunten Haufen lustig, finden nichts in der Musik, was wirklich gut gemacht ist. Wer auf wandelnde Klischees steht, der hört Manowar oder eine der unzähligen finnischen Fellhosenträger-Combos mit Leierkasten und Tröte in den Tatzen. Da kann man wenigstens lachen. Aber bei Gruppen wie Unearth hört der Spaß aus der Sicht vieler auf. Denn diese Gruppe macht mit „Darkness In The Light“ nichts anderes als alte Metalcore-Rezepturen aufzukochen, wie sie vor zehn Jahren aufkamen und um 2005 ihren vorläufigen Höhepunkt fanden. Völlig unlustig, alles klingt verbissen als ob Papi besoffen übern Plastetischtuch gedeckten Küchentisch brüllt und beim umkippenden Bier was von „Solange Du deine Beine unter meinen Tisch streckst…“ faselt.

Will das jemand noch hören? Natürlich: der Klee ist grün und blüht in dieser Jahreszeit besonders bunt. Wird allerorten in der Online-Metal-Community der Band aus Winthrop, Massachusetts das beste Album seit „The Oncoming Storm“ (2004) bescheinigt, wo die Truppe im kläglichen Soundmatsch munter drauflos holzte als gäbe es kein Morgen. Zumindest waren die beiden Nachfolger-Scheiben „III“ und „The March“ weitaus anspruchsvoller gespielt. Sie umschifften die gängigen Metalcore-Klischees und Klänge, versuchten was anderes innerhalb einer sich totlaufenden Unterkategorie von Metal. Damit ist nun Schluss – Unearth hauen auf den bunt gefleckten Metalcore-Tisch, die Bierlache spritzt auf. Kind und Frau schauen sich entsetzt an. Was will der Alte nur?

Unearth wollen „Equinox“, also die Tagundnachtgleiche thematisieren. Oder sie kreischen über „Disillusion“, wünschen sich den letzten Wunsch in „Last Wish“. Dabei erheben die E-Gitarren ihre fiedelnden Stimmen im Klange der seligen und großen Iron Maiden, wummert das Schlagzeuger als ob Slayer und Death gemeinsam auf die Felle dreschen würden und Melodien erklingen. Leider fast so als ob sie für Andrea Berg geschrieben wären.Ist Heavy Metal wirklich noch die muskelspielende Kraftmeierei wie es das Genre um 1990 mit Death- und Blackmetal erlebt hat? Bei Unearth geht’s sicher nicht darum, aber brutal wollen sie sein und verlässt sich aufs Maschinengewehr-Getöse, das jede Band im Metal beherrscht. „Wiedererkennungswert“ nur über Sänger Trevor Phipps, ansonsten nicht viel. „III“ war zwar sperriger, ging jedoch Wege, denen nicht jede Band folgen konnte. „The March“ war kantig, aber hatte Hymnen.

Die beinhaltete das Referenzalbum „The Uncoming Storm“ auch, aber der muffige Sound brachte nicht viel ein. Und „Darkness The Light“ klingt tatsächlich wie ein Zwilling dieser damals zusammengeschustert wirkenden Scheibe – nur klanglich besser. Doch die Songs auf „Darkness The Light“ sind es nicht. Es riecht nach Wiederholung auf klanglich höherem Niveau als bei den Vorgängern gehört, aber ein echter Fortschritt ist die Platte nicht.

Darauf gern ein neues buntes Käppi – mit Glöcklein dran und gebogener Spitze. Ansonsten lieber ein Slayer-Album im Ohr.

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