Trivium im Rückspiegel: Eine Band schlägt Wellen

Seit Jahren gilt eine Band bei vielen Metalfans als Maß aller Dinge. Das „Trivium“ bestand im Mittelalter an den Universitäten aus den sprachlichen Künsten – die Grundlagen für das höhere Studium konnte man auch auf der Straße aufschnappen. „Trivial“ ist hingegen eher nicht der Wortstamm von Trivium, die sich 2000 in Florida gründeten. Eine Band roh, wie frisch von der Straße. Ihr fünftes Album „In Waves“ ist im Anmarsch. Hört sich wässrig an, ist es aber nicht. Ein Artikel vom 26. Juli 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Anspruch, Melodie und Härte sind ihre Markenzeichen. Schwer vorstellbar, dass ihre komplizierten und hektisch trommelnden Kompositionen auf Akustikgitarre funktionieren. Als Trivium mit „Ember to inferno“ und „Ascendancy“ in Erscheinung trat, klangen die Kompositionen der Amerikaner komplex und vielschichtig. Das hat sich mit Alben wie „The crusade und „Shogun“ nicht geändert und ist auch auf „In waves“ allgegenwärtig.

Klassikeinflüsse wie in den Soli von „Inception of the End“ findet man hier ebenso wie alte Anleihen von Metallica und Iron Maiden. Kürzere Songs, wütender und nicht ganz so ausufernd wie auf „Shogun“ und „Ascendancy“, klingen auf „In waves“ an. Dunkler geht es hier zur Sache. Frontmann Matthew Heafy singt nicht nur melodiös, er hat auch mächtig viele Reißzwecken geschluckt, die er in den letzten beiden Scheiben mit viel Mehl eingestäubt hat. Mehr Nägel, mehr Schwärze, mehr Fäuste.

Freunde der frühen Werke, die einen Zacken härter zubissen als „The crusade“ und „Shogun“, sind schon jetzt begeistert. Hits wie „Watch the World Burn“ hat die Band auch mit im Gepäck, wodurch man sich schnell das tägliche Inferno auf der Welt vorstellen kann. Trivium machte die Augen auf – hübsch im Fernsehsessel kriegt man mit, dass in Norwegen ein fehlgeleiteter Mensch aus Eitelkeit knapp hundert Leute auf dem Gewissen hat, in Afrika Menschen verhungern und die deutsche Bundeskanzlerin ein Milliönchen abwirft, während sie Milliardenzusagen für Rüstungsexporte macht. Von Entwicklungshilfe keine Spur. Der tropische Regenwald in Brasilien wird in ein paar Jahren Geschichte sein, mit ihm seine Artenvielfalt. In Südostasien ist umwelttechnisch ohnehin Hopfen und Malz verloren, während von dort das Palmöl kommt, das sich Westeuropäer in die Haare und aufs Gesicht schmieren.

Man merkt, allein in einem Lied steckt wahnsinnig viel Interpretation. Deswegen sieht Trivium „Black“ – also schwarz. Und weil unbändige Wut auch Strukturen braucht, hat die Band wieder zahlreiche harte ums Eck knallende Stücke geschrieben, die trotz mancher komplizierter Strickmuster zum Punkt kommen und spielerisch tiefer gehen als man gemeinhin aus der Heavy Metal-Branche zu hören bekommt. Mit Anspruch und galoppierenden Rhythmen haben Trivium mit „In waves“ wieder „Metal für und mit Köpfchen“ geschrieben. Jetzt kann man sich überlegen, womit man am besten selbst Wellen machen kann.

::

::

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: