Thrash ihr Affen: Markkleeberg Metalheadz packen in Leipzig die Heavy Metal-Keule aus

First Aid aus Berlin macht waschechten Thrash Metal (Foto: Daniel Thalheim)

First Aid aus Berlin macht waschechten Thrash Metal (Foto: Daniel Thalheim)

Heavy Metal im Jugendzentrum kann durchaus spannend sein. Dort wo vor vier Wochen die Black Metaller ihre Luftgitarren gniedelten, packten am Abend des 7. Oktober Thrash Metaller ihre E-Gitarren aus. Der Run auf die Leipziger HALLE 5 blieb im Gegensatz zum vergangenen Konzert „In Semper Diabolica“ aus. Auch beim Death-Metal-Konzert vor einer Woche schien es voller. Aber die Party stieg natürlich trotzdem. Ein Artikel für die Leipziger Internet Zeitung vom 8. Oktober 2011.

Thrash Metal – was ist das? Kaum einer stellte sich an diesem feucht-kühlen Abend die Frage. Dafür die Frage an den Veranstalter. „Thrash kommt nicht vom Trash, was ja frei übersetzt Müll heißt. Mit ‚frisch‘ hat das auch nichts zu tun, denn viele sagen zum Stil falsch ausgesprochen ‚Fresh Metal‘ „, erklärte Metalheadz-Chef Niebe nicht ohne Augenzwinkern. Das berühmte englische „th“ ist also dran schuld, dass einige den Stil als „Schrott“ oder „Frischhaltebox“ missverstehen. Thrash Metal ist tatsächlich ein Stil, der sich vom „prügeln“ oder „hämmern“ ableitet.

„Als Begleit- und Folgeerscheinung von Punk und NWOBHM entstand Thrash Metal“, wusste Metalheadz-Booker Pappe. NWOBHM? Das heißt „New Wave Of British Heavy Metal“, deren Anführerin schnell Iron Maiden wurde und Lars Ulrich von Metallica und viele weitere Musiker maßgeblich beeinflusste. Von der Punk-Attitüde des „Do-It-Yourself“ sei auch viel im Thrash Metal zu finden. Und damit ist der hektische und pumpende Stil auch zeitgleich wie Hardcore Punk entstanden, wovon vor allem Gruppen aus New York sich beeinflussen ließen, wie S.O.D., Carnivore, Anthrax, Nuclear Assault und Overkill.

Godslave aus Saarbrücken mitten im Publikum (Foto: Daniel Thalheim)

Godslave aus Saarbrücken mitten im Publikum (Foto: Daniel Thalheim)

 

Die britischen Rocker von Motörhead hatten in Sachen Rockmusik Ende der Siebziger neue Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt. Aber „Thrash“ war das noch lange nicht. Das erste richtige Thrash Metal-Album ist angeblich Metallicas „Kill ‚Em All“ 1983. Wenige wissen, dass die Kanadier von Exciter hörte noch vor Metallica den Knüppel aus dem Sack holten. Slayer, Exodus, Testament, Overkill, Whiplash, Megadeth, Nuclear Assault und Anthrax folgten umgehend. In Deutschland West frönte man weitaus härteren Stoff aus den Händen von Sodom, Kreator, Destruction, Living Death, Assassin und Tankard. Die DDR hingegen hatte in diesem Bereich nichts oder nicht viel eigenständiges zu bieten.

Wie lief es also, als es „Thrash ihr Affen!“ hieß? Eine Tour, die in Leipzig am 7. Oktober 2011 startete, heißhungrige Metaller auf das Gelände der Kulturfabrik Werk 2 lockte und in die HALLE 5 strömen ließ. „Heute ist eher ein moderner Thrash Metal-Stil angesagt, wie es die Ruhrpottbands wie Kreator machen“, erzählte Niebe und fügte hinzu: „Vor vier Wochen haben wir mehr die Oldschool-Schiene gefahren.“ Pappe ergänzte: „Mit der letzten Veranstaltung in der HALLE 5 ist das hier nicht vergleichbar.“ Bei „In Semper Diabolica“ war bekanntlich alles schwarz angetüncht, heute geht’s farbenfroher zu. Niebe erklärte das Konzept, dass es vor vier Wochen teuflischer war und sich die Lichtorgel entsprechend in Gelb-Rot drehte, heute wird Grün und Blau auf die Bühne gestrahlt – ganz im Outfit der „Thrash ihr Affen!“-Tour.

Besonders gespannt war Niebe auf First Aid aus Berlin, die wie er schilderte eine der ganz Großen in der Hauptstadt ist. Dort gibt es eine quicklebendige Szene, wie später First Aid-Sänger Chris bestätigte. Das Revival ist schon seit drei Veröffentlichungen seit Mitte der Neunziger da. Damals haben skandinavische Bands wie Gehenna, Infernö und Nifelheim den alten Sound für sich wieder entdeckt. Selbst die Klamotten wie mit Aufnähern bestickte Metalkutten, enge Stretch-Jeans, Knöchel-Turnschuhe und bunte Shirts kommen wieder in die Metalszene zurück. „Man eifert den Idolen aus den Achtzigern nach“, bemerkte Pappe mit listigem Blinzeln.

Metalheadz-Mann Niebe war etwas enttäuscht über die mauen Besucherzahlen. Er zeigte auf ein Schild, worauf stand, dass der Hatred-Sänger an Salmonellen erkrankt ist und im Krankenhaus lag. Er wollte sich aber ganz schnell erholen, denn am 8. Oktober zog der Tross nach Erfurt. Dafür hatten die Gäste die Chance, eine Leipziger Nachwuchshoffnung auf der Bühne zu sehen – Leather Phantom. Anfangs hat die Band ihre Soundschwierigkeiten und war dementsprechend etwas steif. Nach drei Songs lockerte das Trio auf und bekommt mehr Groove in ihre Songs. Lag es an dem nach u.a. Metallicas „Phantom Lord“ klingenden Lied und den dazu bangenden Fans? Mit Sicherheit. Die Band konnte zufrieden von dannen ziehen. Nur der brave Applaus im Publikum hinterließ einen zaghaften Eindruck, wo es doch so sehr auf männliche Gesten wie hoch gereckte Fäuste, Johlen, pfeifen und Headbangen ankommt.

First Aid aus Berlin räumten daraufhin tatsächlich ab und weg ist der Höflichkeitsapplaus. Mit viel Bewegung auf der Bühne rollte der Fünfer durch eine dicht bepackte Spielzeit. Vor der Bühne flogen die Haare, die Band kann sich zu Recht feiern lassen. Mit dem Auftritt bot First Aid knackigen Stoff, den Niebe zum Kopfnicken bringt und den anwesenden Scheddel-Veranstalter Tino Pröhl zum Fußwippen animierte. Amtlich!

Dagegen hatte es Headliner Godslave sichtlich schwerer. Die Saarländer ließen sich nicht entmutigen und lobten jede einzelne Zuschauerreaktion, bis das Publikum endlich auftaute und die recht flotten Songs feierte. Selbst ins Publikum wagte sich die Band vor, dessen Gitarrist Meyer durchaus Grund hatte, mal nachzuschauen, wer sich da vor der Bühne herumdrückte. Ein Teil seiner Ex-Kollegen von der Leipziger Crew vom Online-Magazin „Bloodchamber“ waren an dem Abend im Publikum.

Der letzte Ton, der letzte Applaus und vorbei. Verausgabt hat sich so mancher an diesem Abend, merkte es entweder an den angespannten Nackenmuskeln oder am dicken Brummschädel vom vielen Bier. „Als nächstes kommt unser Heavy-X-Mas mit satanischen Mischmasch“, gab Pappe den Fans auf dem Weg.

Die Metalheadz machten weiter, brachten einen weiteren ehemaligen „Bloodchamber“-Redakteur mit seiner Band Retarded Noise Squad am 11. November 2011 ins Leipziger „4rooms“ auf die Bühne. Am 19. November 2011 war die lustige „Bud Spencer Party“ in der Leipziger Helheim Kneipe angesagt. Die Metalheadz schlossen das Jahr mit der obligatorischen Weihnachtsfeier im Markkleeberger Jugendklub „Spinne“. Pappe versprach die dienstälteste Grindcore-Band aus Deutschland namens „Blood“ und viel Abwechslung bei den anderen Bands, die sich stilistisch vom Heavy Metal hin zum Black- und Thrash Metal bewegen. „Im neuen Jahr geht es mit New-School-Death Metal von Debauchery weiter“, ergänzte schnell Pappe noch. Und den Neuankömmlingen Bangalore. Das Neujahrskonzert für die Metaller ist am 7. Januar 2012 auch schon sicher. Also frisch auf zur nächsten Runde.

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