Motörhead im Rückspiegel: Ein Film blickt auf eine spannende Geschichte

Er wurde mit seinen beiden Metal-Dokumentationen berühmt. Als erster Reporter begleitete und filmte er die britische Schwergewichtslegende Iron Maiden auf Tour. Nun sind die Rocker von Motörhead an der Reihe. Sam Dunn gibt einen faszinierenden Einblick. Dieses Mal hinter der Kamera. Leipziger bekamen den Einblick vor der Bühne am 24. November. Ein Artikel vom 18. November 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.
Es gibt Menschen, die rühmen sich, mit Rocker Lemmy Kilmister einen gehoben zu haben. Aber keiner hat sich dermaßen nahe an den Rock-Opa gestellt. Der knurrige Devotionaliensammler alter Uniformen und Waffen gilt als smart, ehrlich und freundschaftlich-ruppig. Der am 24. Dezember geborene Lemmy Kilmister sagt von sich und seiner Band, dass Rock’n’Roll seine Lebensphilosophie ist, nicht Heavy Metal. Trotzdem wird seine Band gerne von jenen Bombenlegern vereinnahmt, hat Motörhead doch Ende der Siebziger Jahre die Grundlage dafür gesetzt, dass es in der Musik ruhig schneller gehen kann und vor allem wuchtiger.
Alben wie „Bomber“, „Overkill“ und „Ace Of Spades“ werden immer noch als die besten in der Fachpresse zitiert, obwohl auch das Spätwerk des inzwischen schwedisch-britischen Trios sich sehen lassen kann. Lemmy bleibt wie der Schuster bei seinen Leisten und zelebriert Rock – einfach, schnörkellos, mit einem Spritzer Blues und ganz viel Weisheit.
Nach dem Konzertfilm „Stage Fright“, der Autobiografie „White Line Fever“ von Lemmy Kilmister und dem dazugehörigen Film „Lemmy“, gibt es einen weiteren Streifen auf die Augen. Schwerpunkt ist auch hier wieder die Musik von Motörhead. Ein Konzert in Schwarz-Weiß mit dem über dreißig Jahre alten Hit „Iron Fist“ als Einstieg und der Doublebass-Hymne „Overkill“ als Abschluss lässt Erinnerungen daran vorbeiziehen, als die Briten noch als Quartett 1992 durch die Lande zogen und in Halle/Saale fiepende Ohren hinterließen. Damals noch mit Schlagzeug-Punk Philty „Animal“ Taylor“ an der Schießbude und dem inzwischen verstorbenen „Würzel“ an der zweiten Gitarre. Ein Jahr später ließ sich die Band im Haus Auensee gemeinsam mit den britischen Grindcore-Prügel-Recken Napalm Death und den schwedischen Death-Metal-Vorbetern Entombed feiern.
Jahr für Jahr dasselbe Spiel: Motörhead liebt die Deutschen, und die Deutschen lieben Motörhead. Das grölend-knarzige Charisma von Frontwarze Lemmy zieht die Leute nach 35 Jahren Bandgeschichte immernoch in den Bann. Mitunter gibt es Rocker, die den Stil des Mannes in den weißen Cowboystiefeln und dem Whiskey in der Kehle nachahmen. Sam Dunn macht das nicht so. Dafür sitzen er und eine Kollegin mit Lemmy, Phil Cambell und Mikkey Dee im Backstage und unterhalten sich über südamerikanische Fans, Leidenschaft für Rock’n’Roll und die verdienten Lorbeeren.
War Motörhead nicht immer so erfolgreich wie heutzutage? Nur in Deutschland blieb man den Rockern treu. Irgendwann lag der Band die ganze Welt zu Füßen, so der Eindruck von 54.000 Besuchern bei einem Konzert in Südamerika, wovon Lemmy erzählt. Er schildert auch, dass er auch schon an Übermorgen denkt – Lemmy hat vierzig Jahre auf Überholspur gelebt und das sieht man ihm an. Man hört es auch. Denn keiner fasst sein Leben in so klaren und knappen Sätzen zusammen wie er.
Metalreporter Sam Dunn ist selbst nicht zu sehen. Vielmehr hält er sich zurück und stellt Motörhead in den Vordergrund. Bilder von Roadcrew, Fans, Musik, Texte und das Flair werden ebenso eingefangen wie die drei Persönlichkeiten selbst, die erst Motörhead ausmachen. Natürlich ist Lemmy immer noch der einzig wahre „Motörhead“ in der Band. Aber wie Staffage sehen Mikkey Dee und Phil Campbell nicht aus. Wenn Lemmy im letzten Interview Anekdoten und seinen unverwechselbaren Humor auspackt, dann kann man das getrost als Höhepunkt bezeichnen. Eine Journalistin stellt ihm die Frage, was Motörhead gegenüber anderen britischen Bands so herausstellt. Er sagt einfach nur lapidar: Sie alle wollen aus England heraus. Und sind ziemlich verzweifelt dabei. Planet Lemmy ist schon längst woanders. „The Wörld Is Ours Vol. 1“ zeigt eine Momentaufnahme, an der man sich auch in zehn Jahren weiden kann. Der zweite Teil folgt 2012.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s