Metal-Wunderland wartete auf das neue Album von Grand Magus

Grand Magus (Foto: Roadrunner Records)

Grand Magus (Foto: Roadrunner Records)

Waren das noch Zeiten, als Anfang der neunziger Jahre aus Schweden und Norwegen innovative Alben von frischen und unverbrauchten Bands veröffentlicht wurden. Ob das „Grand Magus“ mit ihrem verwunschenen Sound aus den staubigen Achtzigern auch gelingen wird? Ein Artikel für die Leipziger Internet Zeitung vom 5. Juni 2010.

Es rappelte gehörig in der enger gewordenen Metallbox. Gruppen wie“Entombed“, „Dismember“, „Edge Of Sanity“, „Therion“ und „Grave“ haben vor zwanzig Jahren neuen Schwung in die eingerosteten Szene gebracht. „Swedish Death Metal“ und „Norvegian Black Metal“ sind damals wie heute noch jeden Metaller Begriffe für eine Aufbruchszeit, die es heute so nur im so genannten „Metalcore“ gibt. Dem globalen Stilphänomen, der in allen Ländern gleich viel Zuspruch zu finden scheint. Aus Skandinavien hört man aber in letzter Zeit immer weniger innovatives. Woran das liegt? Darauf hat noch niemand Antworten gefunden.

Gelten die Drei als „Bewahrer des Stahls“? Den drei Schweden von „Grand Magus“ wird anscheinend das selbe Etikett in den stürmischen Metalcore-Zeiten angeheftet, wie Mitte der Neunziger „Hammerfall“, als Lars Ulrich von „Metallica“ im Grunge- und Brit-Pop-Rausch Metal für tot erklärte. Nun ist der „Wandergral“ scheinbar an „Grand Magus“ gegangen.

Mit „Hammer Of The North“ haben sie ein traditionelles und klischeebeladenes Heavy Metal-Werk geschrieben, das mit bunten Kutten behangene Anhänger sich getrost neben „Judas Priest“, „Manowar“ und „Iron Maiden“ stellen können. Das war es auch schon. Das, was man vor 25 Jahren noch als einfallsreiche Pirouette abfeierte, erscheint heute nur noch als ein lahmer Hüftschwung. Auch das ewige Wiederkäuen nordischer Mythologien ist nicht nur langweilig, sondern einfallslos.

Diese alten Geschichten haben die ebenfalls aus Schweden kommenden „Bathory“ mit ihren Alben „Blood, Fire, Death“, „Hammerheart“ und „Twilight Of The Gods“ Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger wesentlich packender erzählt. Wer wirklich etwas über das Geheimnis des Stahls entdecken will, sollte auf die klassischen Werke von „Judas Priest“, „Metallica“, „Iron Maiden“ und „Motörhead“ zurück greifen. Spätestens in der Beschäftigung mit den in den Achtzigern und Neunzigern fabrizierten Klängen, wird der Suchende entdecken, dass „Heavy Metal“ nicht nur aus plump schreddernden Gitarren, aus muffigen Mythologien hervor gezerrter Legendenstoff und kehligen Falsettgesängen besteht. „Heavy Metal“ war einmal eine progressive Musikbewegung, die aus der eigenen Geschichte zwar schöpfte, aber sie nie imitierte.

„Grand Magus“ schöpft nicht, erschöpft viel eher und ahmt nach. Zwar auf ihre ur-eigene Weise, aber immer noch klar als Ansage „Früher war alles besser“. Das, was die Metaller-Szene aber braucht ist frischer Wind und keine stockkonservativen Töne, die bestenfalls den Staub der Geschichte atmen, anstatt ihn wegzupusten. Für Puristen mag der etwas in eine grobschlächtig gemalte Hülle gepackte Silberling von „Grand Magus“ die Offenbarung der letzten dreißig Jahre sein. Dazu fehlt es aber an kompositorische Klasse der „Judas Priest“ von 1977 – 1990, jener von „Iron Maiden“ von 1980 – 1988 und erst recht einer Klasse von „Motörhead“ von jeher bis heute.

Zu viele kompositorische Lücken offenbart „Grand Magus“ auf ihrem Album, zu wenig Ideen zeigen die drei, um mit Gefühl und Leidenschaft ein wirklich wichtiges Album für die „langhaarigen Bombenleger“ zu schreiben. So eine Veröffentlichung wie „Hammer Of The North“ ist ohne Lebensgefühl, ohne Aufruhr, wird hier der selbe Kuchen gebacken wie 1982 bis 1985. Aber das ist offensichtlich auch der Sinn dieses Albums.

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