Long Distance Calling im Rückspiegel: „Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen“ – Reimut van Bonn im Interview

Die Münsteraner Instrumentalband hat sich vom Geist von den „Krautrockern“ Eloy beflügeln lassen und veröffentlichen im Februar ein selbstbetiteltes neues Album. Weil sich die Band 2010 in Leipzig eine große Anhängerschar erspielt hat und am 21. Februar in Dresden weilt, ist es nun Zeit für ein Interview. Reimut van Bonn ist der Tastendrücker des 2006 gegründeten Fünfers. Ein Artikel vom 17. Januar 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Als ich euch 2010 auf der Bühne im Kuppelbau beim WGT und vorher als Support von Katatonia gesehen und gehört hatte, stellte ich fest, dass die Leute fasziniert sind von eurer Musik: Wie habt ihr die Konzerte erlebt – achtet ihr auf diese Reaktionen?

Beide Konzerte waren toll und sehr unterschiedlich! Das Konzert auf dem WGT haben wir ja bei Sonnenschein gespielt. Eine ungewohnte Situation, aber daher auch eine Herausforderung. Es hat uns viel Spaß gemacht dort zu spielen. Ich kann mich erinnern, dass wir das Set mit „The Very Last Day“ begonnen haben, den wir sonst eher am Ende eines Sets spielen.

Das war für mich ein ungewohnter, aber toller Einstieg. Sicherlich unterschied sich auch das Publikum von dem beim Katatonia-Gig. Das ist allerdings für uns vollkommen unwichtig, egal ob Sonne, Wind, Metaller, Gothics, Indies oder sonst wer…es geht um gute Musik und die Freude daran und um nichts anderes! Wir nehmen die Reaktionen wahr und sicherlich kann man sich auch gegenseitig gut hoch schaukeln! (Lächelt)

Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Nach den vielen Tourneen mit all den Gruppen wie Dredg, Katatonia, Opeth und Anathema: Ist für euch ein Traum in Erfüllung gegangen, könnt ihr jetzt von eurer Musik eure Kühlschränke füllen?

Es ist auf jeden Fall ein Traum in Erfüllung gegangen, der immer noch andauert. Ich weiß noch wie ich von all diesen Bands die Tonträger gekauft hab und dachte: „Boah, geil!“… und dann steht man auf einmal mit den Bands auf der Bühne. Das ist schon echt krass, manchmal ist das für mich auch nicht einfach, in dem Moment passieren zu lassen. Im Nachhinein ist es dann immer cool und anders als erwartet, aber in dem Moment an sich ist die Freude doch am größten!

Auch bei all den tollen Konzerten und Touren die wir gespielt haben, können wir von der Musik nicht im Ansatz unseren Kühlschrank füllen. Das heute als Band hinzubekommen, ist mehr als ein Kunststück.

Als ihr in Leipzig gewesen seid – und am 21. Februar seid ihr in Dresden zu sehen: Habt ihr schon Musiker und Bands aus Sachsen kennen gelernt?

Ja, es gibt auf jeden Fall Bands und Musiker aus der Region, die wir persönlich kennen. Wen ich noch nicht kennengelernt habe, ist Marko Fürstenberg. Mit dem würd‘ ich mal gerne einen Track produzieren! Also, wenn du das liest, meld dich. (Zwinkert)

… und die sächsische Küche sagt euch doch auch zu?

Wenn ich an die sächsische Küche denke, kommt mir das Catering im Beatpol in den Sinn! Unfassbar, was da aufgefahren wird! Sooooo lecker!

Ihr bringt im Februar Maybeshewill mit. Ist die Band eure Wahl gewesen – was können Fans von dieser Gruppe erwarten auf der Bühne?

Kurz und bündig: Geilen Instrumental Rock! (Lächelt)

Wen nehmt ihr auf eure nächsten Tournee mit? Kasan, Bollo, O Stranger Bend My Heart Of Darkness, Mantiquttair, Mud Mahaka, Me And Oceans, safi? 

Ich habe keine Ahnung, ich denke, dass es da ein paar Bands gibt, die im Gespräch sind. Wer das genau sein wird, werden wir sehen.

Jetzt kommt ein neues Album: Was können LDC-Anhänger erwarten?

Meiner Meinung nach – Achtung, alle in Deckung gehen, jetzt kommt „der“ Satz, der nicht fehlen darf – ist unser neues Album das stärkste. Knapp vor „Satellite Bay“ mag ich das neue Album noch ein wenig mehr. Ich denke, dass wir in Sachen Songwriting nochmal ordentlich zugelegt haben. Wir haben Einflüsse zugelassen, die bisher außen vor waren. Weiterhin finde ich, dass alle sieben Songs sehr unterschiedlich sind und doch eine Einheit ergeben. Wir alle haben uns an unseren Instrumenten nochmal verbessert. Was mich angeht, bin ich noch näher dahin gekommen, wo ich hin möchte. Der Song mit John Bush ist unfassbar gut, das war schon echt krass den das erste Mal zu hören! Für uns war es auch wichtig unser Livefeeling auf die Platte zu bekommen. Das haben wir dieses Mal im Vergleich zu den Vorgängern gut hinbekommen. Der Sound ist auch echt Hammer geworden!

Nach dem Gastbeitrag mit dem durchaus zu eurem Sound passenden Jonas Renkse von Katatonia nun John Bush von Armored Saint und Anthrax – ein waschechter Metalshouter. Das kann nur nach Oldschool-Heavy Metal riechen, oder?

Metalheads können bei dem Song die Kutte im Schrank lassen, soviel sei verraten. (Lacht)

… zumal ihr im altehrwürdigen Horus Studio aufgenommen habt,… wie ist die Atmosphäre gewesen? Schwebte der Geist der Scorpions, Eloy und Rolling Stones über euren Köpfen – hat euch die Umgebung inspiriert?

Die Atmosphäre und die ganze Zeit dort war echt super. Der Geist von Eloy war allgegenwärtig, da Frank (Bornemann, Sänger, Gitarrist und Gründungsmitglied von Eloy) jeden Tag im Studio war. Einfach die ganze Atmosphäre, alle Leute die dort arbeiten, deren Freundlichkeit und Gemütlichkeit haben den Aufenthalt dort sehr angenehm gemacht! Ja, es war auf jeden Fall inspirierend dort zu sein!

Von Iron Maiden, Motörhead und Metallica gibt es die wüstesten Geschichten während den Aufnahmen – viel Bier und so weiter. Seid ihr schön brav und fleißig gewesen – oder lasst ihr es auch mal richtig krachen?

Mal so, Mal so. Es gibt Abende an denen wir fünfe gerade sein lassen und andere Abende an denen auch die fünf anfängt zu wanken. (Zwinkert) Nein, im Ernst. Im Studio war es am Anfang recht wild, wurde dann aber ruhiger. Die einzige Methode die ganze Zeit Vollgas zugeben ist ja, sich noch mehr zu betäuben. Das ist nicht Sinn der Sache, wenn man alle zwei Jahre in Studio geht.

Sag uns drei Gründe, warum Fans sich eurer neues Album kaufen und nicht illegal downloaden sollen.

Weil illegale Downloads Bands in eine schwierige Lage bringen. Wie soll man Musik komponieren, aufnehmen, rausbringen, touren, alles weitere regeln, wenn dafür kein Geld da ist? Kauft CDs auf Konzerten, da haben die Bands mit Abstand am meisten von!

Damit die Musik einen Teil unseres Einkommens darstellt und wir uns noch mehr auf die Musik konzentrieren können.

Das Artwork ist so unfassbar gut, das muss einfach angeschaut werden!

Herzlichen Dank für das Interview!

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