Limp Bizkit im Rückspiegel: Unanständig, witzig, krank: Wiederkehr mit Überraschungsalbum Gold Cobra

Es ist fast wie früher. Als noch in der Metalwelt funkelnde Sterne aus den USA aufgingen und Korn, Deftones und eben Limp Bizkit hießen. New Metal war der letzte große Trend, bevor sich die „Szene“ rückwärts und seitwärts wandte. Wird das mit dem Comeback von Limp Bizkit anders werden? Am 4. Juli sind die Rap-Rocker in Leipzig. Ein Artikel vom 25. Juni 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Hand aufs Herz: Wer hat als beinharter Metaller nicht doch heimlich ein Ohr für Limp Bizkit gehabt? Wer über diese Band lästert, sollte immer auf sich schauen und sich sagen: So schlecht und dumm war das nicht, was die bunte Truppe Ende der neunziger Jahre an Tönen und markigen Sprüchen ausgepackt hat.

Weiche Kekse haben sie ganz sicher nicht, wenn Limp Bizkit sich jetzt wieder in Bewegung setzt und dort anknüpft, wo die Band mit „Three Dollar Bill, Y’All“, „Significant Other“ und „Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water“ aufhörte. Das ist schon ein Weilchen her. Doch die alten Geschichten sind Hüte, die keinen mehr interessieren, seit Gitarrist und Paradiesvogel Wes Borland nach einer kleinen Schmollrunde ab 2004 jetzt wieder dabei ist. Nun das erste Album seit „Results May Vary“ 2003. Was kann man erwarten?

„Dick“ klingende Hip Hop-Beats und sägende Gitarrenklänge erklingen als erstes als „Bring it back“ ertönt“, dann mit „Gold Cobra“ auch der erste potentielle Hit um die Ecke prescht. Selbst wenn nicht alle Titel so eingängig sind, macht Limp Bizkit unmissverständlich wie in „Get a life“ klar, dass der Haufen immer noch alles zerschreddert, um dabei noch zu lachen. „Kranke“ Gitarrentöne von Wes Borland jagen sich mit dem immer nah sich fast überschlagenden Rap-Gesang von Fred Durst. Alles wie gehabt.

In „Shotgun“ macht sich Limp Bizkit über das Gangster-Rap-Genre und wild umherschießende Gangs lustig, deren Lebensinhalte nur der Sound ihrer Kanonen, lustig wackelnde Autos und „ge-tunte“ Mädchen sind. Im Ausklang von „Loser“ und während „Autotunage“ lacht Limp Bizkit über den derzeit weit verbreiteten „Cher-Effekt“-Trend in Rap- und Rockszene. Beim Auto-Tune werden die stimmlichen Töne so verändert, dass sie unnatürliche Tonsprünge ergeben. Wie kann man damit nur ordentliche Songs schreiben, fragen Durst, Borland & Co. nicht frei von Augenzwinkern. Wurde ihnen doch für „Results May Vary“ von Iron Maiden-Sänger Bruce Dickinson vorgeworfen, schreckliche Songwriter zu sein. Waschlappen und Heulsusen werden in „Douche Bag“ besungen. Heißt der Titel im Englischen nichts weiter als „Depp“. Dazu wählen die Amis wie stets eine unanständige Sprache.

Schon jetzt teilen sich die Meinung über „Gold Cobra“ in zahlreichen Internetforen. Die einen bezeichnen „Gold Cobra“ als bestes Werk seit „Significant Other“, andere maulen herum, „Gold Cobra“ sei belanglos. Irgendwo dazwischen liegt sicher die Wahrheit. Aber eins ist sicher: Limp Bizkit bringt wieder Humor in die Metalszene. Den hat sie auch bitter nötig, bei all den Retro-Bands und inhaltsleeren Wikingermetallern, die zum Lachen lieber in den Keller gehen und sich und ihre Musik viel zu ernst nehmen. Limp Bizkit würde ihnen allen ihre Mittelfinger zeigen und auf ihre „Chocolate Starfishes“ verweisen. Oder eben auf „Gold Cobra“. New Metal kann immer noch zeitgemäß sein.

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