Iron Maiden im Rückspiegel: Live in Deutschland beim Wacken Open Air

Selbst war ich dort nicht. Auch nicht bei ihrem Auftritt beim With Full Force 2005. Gemeint ist das Wacken Open Air als Iron Maiden einen ihrer größten Auftritte absolvierte. Aber geschrieben hatte ich dazu im Vorfeld des Ereignisses in dem kleinen norddeutschen Dörflein. 2010 war das. Ein Artikel vom 3. März 2010.

Heavy Metal ist ein Gesetz. Und trägt neben Metallica einen zweiten Namen: Iron Maiden. Die 1975 gegründete Band aus dem Arbeitermilieu von London hat Rock’n’Roll-Geschichte geschrieben. Über 70 Millionen Alben wurden gänzlich ohne die Unterstützung von Fernsehen und Radio an die Fans gebracht. Iron Maiden gehören zu den ganz wenigen englischen Rockgruppen, die auch nach dreißig Jahren noch dick im Geschäft ist. 2010 erstürmen die Briten nach ihrem ersten Auftritt 2008 erneut das größte Metalfestival der Welt.

Wie das Management Anfang April 2010 vermeldete, hat die Gruppe für ein neues Album namens „The Final Frontier“ den kompletten Mix im Kasten. Das Album erschien im Spätsommer desselben Jahres. Die Band stellte damals in Aussicht, dass die neuen Stücke etwas vom bisherigen Pfad abweichen. Man will sich Zeit lassen. Die Gerüchte häuften sich. Plante die Band etwa ein zweites „The Number Of The Beast“? Wird Iron Maiden neue Stücke auf dem diesjährigen Wacken Open Air spielen? Die Erfahrung zeigte im Nachhinein etwas anders.

In 80 Tagen um die Welt? Aber nicht doch, dauert viel zu lange. 2008 waren 75.000 Fans zugegen, als Iron Maiden auf Wacken ihre Best Of-Show zur „Somewhere Back In Time“-Tour bestritt. Die 2008 gestartete Tournee war eine Besonderheit. Band und Management buchten eigens dafür ein Flugzeug, versahen es mit dem Tourmotto und dem Maiden-Schriftzug und umrundeten so mit „Ed Force One“ die ganze Welt. 500.000 Fans in elf Ländern schauten sich das Rockspektakel an, das bis 2009 dauerte.

Grund für die Reise war die damals erschienene DVD mit der Wiederveröffentlichung ihrer 1985 erschienenen Live-Aufnahme „Live After Death“. Die DVD wurde gemeinsam mit dem zweiten Teil ihrer „Iron Maiden History“ veröffentlicht. Die 2008 dafür in die Gänge gebrachte Tournee wurde von einer Best Of-CD namens „Somewhere Back In Time“ begleitet. Danach erschien die DVD und die Live-Compilation „Flight 666“.

Der von dem bekannten Metal-Reporter Sam Dunn (u.a. „Global Metal“) produzierte und durchgeführte Konzertfilm dokumentiert humorvoll und informativ über die 50.000 Meilen-Reise über fünf Kontinente mit gesamt 23 Konzerten in nur 45 Tagen. Dafür gab es im Februar 2009 auch den wichtigen Brit-Award als beste Live-Band. Noch vor den, für Iron Maiden-Verhältnisse, Greenhorns von Coldplay und Konsorten.

Auch sonst ist die Gruppe um Bassist Steve Harris, Sänger Bruce Dickinson, Schlagzeuger Nicko McBrain, den drei Gitarristen Adrian Smith, Dave Murray und Janick Gers in den letzten Jahren immer eine Erwähnung wert. 1975 in den Pubs und Clubs Londons von Harris gegründet, veröffentlichte Iron Maiden 1980 nach einer turbulenten Geschichte voller Besetzungswechseln und Abenteuern ihr erstes Album bei EMI.

Iron Maiden war schon immer einzigartig mit ihrem Mix aus schweißtreibend galoppierenden Hymnen und progressiven Anleihen. Heute steht die Truppe um Bandleader Steve Harris für neue Fans für gut gemachten Oldschool-Metal. Mit Grusel-Maskottchen „Eddie“, der seit ihrer ersten Single die Albumcover ziert, haben die Briten ihre „Maiden-Familie“ früh vervollständigt. Iron Maiden gehörte schnell zur so genannten New Wave Of Britisch Heavy Metal an, zu der auch Gruppen wie Def Leppard, Venom, Saxon und Diamond Head gehörten. Namen, von denen man heute weniger hört, was die Überlebensfähigkeit dieser livestarken Formation spricht.

Nach ihrem Debüt ging es mit der Band steil aufwärts. Mit dem Wechsel im Jahr 1981 kam Bruce Dickinson an Mikrofon und sang 1982 das Durchbruchalbum „The Number Of The Beast“ ein. Es gilt immer noch als Klassiker der Band, und Stil prägend für die ganze Heavy Metal-Szene der Achtziger. Feurio und Mordio wurden bei den streng-religiösen Kreisen wegen des von dem Künstler Derek Riggs gemalten Cover samt höllisch anmutenden Motiv eines grinsenden Maiden-Maskottchens „Eddie“ laut. Vorwürfe, die sonst recht stille und freundliche Gruppe sei eine Ansammlung von Satanisten. Anschuldigungen, die sich auch die Rocksänger Ozzy Osbourne, Alice Cooper und Marilyn Manson gefallen lassen mussten. Dabei begriffen hier ein paar Musiker, wie man die richtigen Leute provoziert.

Innerhalb von nur fünf Jahren war Iron Maiden nach Judas Priest die bekannteste Heavy Metal-Band auf Erden. 1984 trat die Band ihre erste Ausnahme-Tour zu ihrem Album „Powerslave“ mit ihren spektakulären Live-Shows mit überlebensgroßen Mumien und ägyptisch anmutenden Bühnenaufbauten in Polen an. Sechs Monate war dann die Band mit dem Tourbus in den USA unterwegs.

Bis Ende der Achtziger festigte sich dieser Superstar-Status mit Alben wie „Somewhere In Time“ (1986) und „Seventh Son Of A Seventh Son“ (1988). Mit den Neunzigern kam das Flaggschiff der so genannten New Wave Of British Heavy Metal ins Trudeln. Alben wie „No Prayer For The Dying“ (1990) und „Fear Of The Dark“ (1992) waren nur noch ein Abglanz dessen, was die Band in den Achtzigern zustande brachte. Bereits 1989 verließ der langjährige Gitarrist Adrian Smith die Band, Sänger Bruce Dickinson tat es ihm 1993 / 1994 nach. Iron Maiden blieb weiterhin am Ball und veröffentlichte mit dem Sänger Blaze Bayley die umstrittenen Alben „X-Factor“ (1995) und „Virtual XI“ (1997). Bayley konnte nicht ansatzweise seinem Vorgänger das Wasser reichen. Fans und Presse wunderten sich sehr über die Wahl, zumal Bayley auch live keine gute Figur machte.

Die Band machte eine Pause.

2000 meldete sie sich mit den Einstiegen von Dickinson und Smith zurück. Ergebnis war das umjubelte Comeback-Album „Brave New World“. Die eiserne Jungfrau zeigte wieder ihre Zähne. Es folgten zwei von Fans und Presse durchwachsen aufgenommene Studioalben mit dem Gitarren-Dreiergespann Dave Murray, Adrian Smith und Janick Gers, zahlreiche Live-Compilations und DVDs.

Zum selben Zeitpunkt kam die sonst für ihre Nähe zu den Fans berühmte Band ins Gerede. Ihr Management ließ Fans abmahnen, die ihre Bootlegs in den Neunzigern legal im deutschen Einzelhandel kauften und nun bei Handelsbörsen wie Ebay und Hood.de verscherbeln. Die illegal aufgenommenen Mitschnitte von Konzerten aus den Achtzigern waren dabei qualitativ meist stark minderwertig.

Die ahnungslosen Fans mussten zumindest in Deutschland eine Unterlassungserklärung unterschreiben und eine Abmahnung einer Summe von einhundert Euro an ein vom Management beauftragtes Anwaltsbüro bezahlen. Iron Maiden begründete seinen Schritt, dass man nur autorisierte Veröffentlichungen zulassen will und die im Umlauf befindlichen CDs mit den Titeln wie „Live U.S.A.“ aus dem Verkehr ziehen möchte. Doch mit dem Vorgehen trifft man wie immer die Falschen. Hätten es Iron Maiden wie Metallica gemacht, wären ähnliche Bootlegs kostenlos zum Download auf ihrer Homepage angeboten worden – und Anhänger der Band nicht ungewollt ins Visier von Rechtsverdrehern geraten.

Im Zweifelsfall sollte man wohl derzeit gar nichts von Iron Maiden privat weiter verkaufen.

2010 meldete sich die wohl wichtigste englische Rockband nach den Rolling Stones, Beatles und Motörhead mit einem neuen Album wieder zurück. Doch zuerst war der Name Iron Maiden neben weiteren Festivalauftritten in Europa, beim diesjährigen Wacken-Auftritt ganz dick im Festivalkalender vieler Fans unterstrichen. Dort traten die Engländer zusammen mit den nicht minder berühmten Skandalrockern von Mötley Crüe, dem alternden Alice Cooper, den nimmermüden Slayer, Cannibal Corpse, Immortal und vielen weiteren Bands aus der internationalen Metalszene auf.

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