Iron Maiden im Rückspiegel: Zwischen süßen und bitteren Pillen – Live After Death

Iron Maiden, Cover "Live After Death" (foto: Derek Riggs/Iron Maiden/EMI)
Iron Maiden, Cover „Live After Death“ (foto: Derek Riggs/Iron Maiden/EMI)

Als ich nach der Wende 1990 meine erste Iron Maiden-LP „The Number Of The Beast“ in den Händen hielt, konnte ich monatelang nichts anderes hören als dieses Album. Später holte ich mir dann zur Komplettierung meiner Iron-Maiden-Sammlung die legendäre Live-Doppel-LP „Live After Death“. Der fulminante Mitschnitt von vier ausverkauften Shows in der Long Beach Arena L.A. war prächtig ausgestaltet mit zahlreichen Livefotos, Tourinformationen und dem wunderbar prachtvollen Cover, welches aufgeklappt werden konnte. Da ich auch dieses Album bis zum Ohrenbluten gehört hatte, wurde die Qualität der beiden LP’s nicht besser. Worauf ich mir die 1995 erschienene Doppel-CD in der schwachen Hoffnung zulegte, das überlange „Runnig Free“ befände sich nun auch auf einer der beiden CD’s.

Fehlanzeige. Anstatt die zweite – als Bonustrack-CD titulierte – Scheiblette mit mehr Schmankerln auszufüllen als mit ein paar Single B-Seiten und diesen Doppeldecker unverschämterweise zum Preis von zweien zu verkaufen, hätte ich mir das nur noch als Schwarzpressung (in miserabler Qualität) erhältliche Video als DVD-Bonus gewünscht. Später hielt ich natürlich den zweiten Teil der „History“-Reihe von Iron Maiden in den Händen und damit auch den gewünschten live-Mitschnitt in Bild und Ton.

Nichtsdestotrotz ersetzt die CD die zerschrammelte Doppel-LP auf passable Weise, so dass der Maiden-Fan mit einer überragenden Setlist der „World Slavery Tour“ konfrontiert wird (im Übrigen ist die Songauswahl nahezu identisch mit der Doppel-LP). Damals waren Overdubs „in“, so dass auch hier der Sound glasklar und ausgewogen rüberkommt. Wer Maiden live gesehen hat, weiß, dass der Sound manchmal hundsmiserabel klingen kann und vor allem matschig und äußerst laut (zu hören bei den völlig überflüssigen „A Real Live/Dead One“-Alben). Maiden-Fans sind bei Konzerten oftmals noch lauter als die Band. Aber das hört man auf „Live After Death“ nur hintergründig.

Neben den wunderbaren Standards, wie „Aces High“, „The Trooper“, Flight Of Icarus“ und „The Number Of The Beast“ kommen auch Songs zum Zuge, welche die Band erst vor kurz zwei Jahren wieder in die Setlist aufnahm. Das unvergessliche „Revelations“ beispielsweise oder „Hallowed Be Thy Name“. Natürlich packte die Band die beiden Hammersongs von der „Powerslave“-Scheibe, „Rime Of The Ancient Mariner“ sowie das monolithische „Powerslave“ mit ins CD-Programm.

Die Bonus-CD enthält noch das simple aber nicht minder geniale Instrumentalstück „Losfer Words (Big `Orra)“ – ebenfalls von „Powerslave“ – sowie die beiden unfehlbaren Klassiker „Sanctuary“ und „Murders In The Rue Morgue“. Allesamt gibt es in bester Qualität. Ich frage mich nur, warum von der unvergleichlichen Tour nur diese vier Shows in Los Angeles mitgeschnitten wurden.

Jedenfalls präsentiert dieses monumentale Tondokument eine der größten Heavy-Metalbands der achtziger Jahre in ihrer besten Form und Besetzung. Konzept der Band, Sound sowie Songwriting waren bestens aufeinander abgestimmt. Diesen Standard hatten sie meiner Meinung nach weder auf den folgenden Studio-Scheibletten noch auf Live-Mitschnitten erreicht. Zwar festigten „Somewhere In Time“ und „Seventh Son Son Of A Seventh Son“ den Ruf eine der besten Bands in ihrem Genre zu sein, aber danach ging es merklich bergab. Was nicht zuletzt an Steve Harris’ bescheiden werdenden Songwriting liegt.

Abschließend kann ich resümieren, dass die vorliegende CD ein stimmiges Resultat ist, da hier noch auf die bescheuerten Enhanced-Formate verzichtet wurde. Dieses Musikdokument darf in keiner Plattensammlung neben unverwechselbaren Livescheiben von Thin Lizzy (Live And Dangerous), Motörhead (No Sleep ’til Hammersmith), Deep Purple (Made In Japan), Scorpions (Tokyo Tapes) und Judas Priest (Unleashed In The East) fehlen. Auch ohne die überlange Liveversion von „Running Free“, entfaltet das Album eine unvergleichliche Atmosphäre und kann getrost als Einsteigeralbum gelten. Wer die Band in ihrer besten Phase erleben will, kommt an diesem Album nicht vorbei. Mittlerweile ist es das einzige Album von der Band, welches ich besitze. Die Studioalben und die Phase ab 1995 habe ich ad acta gelegt, denn die Songauswahl ist hier grandios und reicht völlig

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