In Semper Diabolica: Halle 5 rief mit den Markkleeberg Metalheadz Black Metal-Alarm aus

In Semper Diabolica 2011 (Foto: Daniel Thalheim)

In Semper Diabolica 2011 (Foto: Daniel Thalheim)

Das riecht nach Revival. Junge Menschen feiern zu alter Musik. Black Metal gibt es schon seit 30 Jahren – namengebend ist ein Studioalbum der britischen Heavy Metal-Legende Venom. Viele der heute Anwesenden waren damals noch nicht auf der Welt. Jetzt rückt die neue Generation nach. Die Clubsaison ist mit „In Semper Diabolica“ eröffnet. Das Halle 5 Jugendzentrum platzt aus allen Nähten. Ein Artikel vom 3. September 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Wer seit Mitte der Neunziger aufgeatmet hat, dass endlich Knöchelturnschuhe, Stretchleggins und Nietengürtel aus dem Erscheinungsbild der Heavy-Metal-Szene verschwunden sind, hat sich gewaltig geirrt. Seit einigen Jahren macht sich ein beachtliches Häuflein von jungen Fans auf, diese Moden wieder einzuführen – passend dazu gibt es Musik von ebenso jungen Bands zu hören. Diese kommen mit dem selben Stoff, wie die einstigen Ur-Väter des Black und Thrash Metal der Achtziger Jahre – Venom, Hellhammer, Possesed, Bathory, Kreator, Sodom und Celtic Frost.

„In Semper Diabolica“ heißt die Veranstaltung, die am Abend des 2. September für ein knackig volles Halle 5 Jugendzentrum sorgt – Auf ewig teuflisch. Fünf Bands frönen in dieser lauen Spätsommernacht jenen Klängen, die in den Achtziger Jahren eine Szene geboren hatten, die Begriffe wie „Speed Metal“, „Thrash Metal“ und „Black Metal“ auf ihre Fahnen geschrieben hat. Die damals noch jungen Gruppen wie Slayer, Metallica, Megadeth, Possessed, Hellhammer und Kreator vertraten diesen Stil.

Das Gesicht jener Combos hat sich gewandelt, neue Bands rückten nach wie Aura Noir aus Norwegen vor knapp über zehn Jahren. Heute Abend hören die Bands auf Namen wie Bitchhammer, Warhammer, Vent, Slaughtered Existence und Delirium Tremens.

Auf der Bühne in Nietengürtel, Leggins, Stretchjeans und Kutten bewehrte Musiker, im Publikum ein tobender Mob mit den selben Outfits. Vor allem bei Bitchhammer aus Leipzig und Warhammer fliegen die Haare, ist die Bewegungsfreiheit vor der Bühne besonders eingeschränkt, werden die nietenbewehrten Arme hochgereckt, Lieder mitgegröhlt. Der 2008 gegründete Bitchhammer lässt in der Szene mit seinen Aufnahmen von „Doomblessed & Chaosborn“ aufhorchen.

Warhammer aus Dortmund rumpelt ebenso bei viel Zuspruch durch eine unterhaltsame Stunde Spielzeit. Themen: anti-kirchliche Beschreibungen von Inquisitionspraktiken und eine versteckte Kritik daran, worauf die katholische Kirche fußt: Manipulation, Täuschung, viel Dreck am Stecken. Braucht Glaube Steuern? Bei so viel Action und dicker Luft fliehen viele Metalheads ins Freie, um bei Bierchen und Plausch die neuesten Festivalerlebnisse auszutauschen.

Es ging heiß her in der Halle 5 (Foto: Daniel Thalheim)

Es ging heiß her in der Halle 5 (Foto: Daniel Thalheim)

Oder auch das „aktuelle“ Thema der „Pay-To-Play“-Praktiken vieler Veranstalter. Darin lassen Konzertveranstalter junge Szenebands Kartenkontigente aufkaufen, um sie an ihre Fans weiter zu verkaufen. Wer alles absetzen kann, darf ein Konzert oder Festival eröffnen. Im Fall vom Dessauer Metalfest hatten die Band die Karten kostenlos bekommen und laut Vertrag (L-IZ berichtete) kaum eine Chance, überhaupt spielen zu dürfen. Wenn doch reicht es meist nur für eine Aufwandsentschädigung, die für weit anreisende Bands nicht einmal die Fahrtkosten deckt. Beim Metalmagazin „Rock Hard“ wird das Thema durch viele Leserbriefe angeregt, etwas stiefmütterlich und als unausweichlich betrachtet. Doch daran ist bei diesem Konzert nicht zu denken. Hier wird fair gespielt – dafür dürfen die Veranstalter, die Markkleeberg Metalheadz heute froh sein, mit einer finanziellen Null aus dem Abend zu kommen.

Bei all dem Trubel vor der Türe kommt es schon mal vor, dass einige junge Headbanger mit hoher Kopfstimme für Hinhorcher sorgen und so manches belustigtes Gesicht bei den Älteren – erinnern sie sich nur zu gut wie sie früher drauf waren. Sogar Schnauzbärte sind wieder in Mode gekommen – es bleibt denen nichts erspart, die Mitte und Ende der Neunziger einen unauffälligeren Stil pflegten. Nun ist Heavy Metal wieder zurück – mit all seinen bunten Ritualen, Moden und Tönen.

Dass sich an diesem Abend die Szene in der Halle 5 so zahlreich wiederfindet, wird die Veranstalter Niebe und Pappe besonders freuen. Dass das Fassbier zur letzten Band Delirium Tremens ausgeht, eher weniger. So kann die Band ihren Namen keine Ehre machen, ist auch Backstage so ziemlich jede Bierflasche leer gesaugt und die Band steht gerade mal angeheizt von der Stimmung im wieder zahlreicher werdenden Publikum auf der Bühne. So spät gibt es auch schon Ermüdungserscheinungen, die Reihen lichten sich wieder. Dennoch bleibt für viele der Eindruck zurück:

So großartig begann die Clubsaison für harte Töne in der Messestadt lange nicht mehr. Die geht bei den Markkleeberg Metalheadz am 30. September mit einem Konzert im VILLAkkeller weiter, wo Szenebands wie Defloration, Invocation, Profanation und die Burning Butthairs zur „Masters Of Death Metal – Dirty Sanchez Tour“ rufen.

Am 22. September 2012 steigt die Runde ein weiteres Mal in der Halle 5 auf dem Gelände der Kulturfabrik am Kreuz. „In Semper Diabolica“ steigt als Clubsaisonauftakt mit den Bands Ketzer, Fatal Embrace, Serpent, Warforger und Bitchhammer. Einlass ist 19 Uhr, Beginn 20 Uhr. Der Eintrittspreis wird noch bekannt gegeben. Schön regelmäßig auf die Homepage der Halle 5 schauen, oder gleich bei den Veranstalter der „Markkleeberg Metalheadz“ auf Facebook.

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