In Markkleeberg qualmt’s: Das Fleisch-Festival ging 2010 in die dritte Runde

Niebe und Pappe in der Metalheadz-Kommandozentrale (Foto: Daniel Thalheim)
Niebe und Pappe in der Metalheadz-Kommandozentrale (Foto: Daniel Thalheim)

Die Kommandozentrale der Metalheadz ist eng und stählern. Von diesem engen Fahrstuhl in einem kleinen Wohnhaus am südlichen Ende von Connewitz dirigieren zwei junge Herren und ein geheimer VIP-Geist zum dritten Mal das „Fleisch Festival“. Dass dieses Festival am 19. und 20. Februar kein groß angelegtes Grillfest in der „Alten Turnhalle“ wird, ist bereits klar.

Man glaubt nicht, was so alles in dieser kleinen Zentrale reinpasst. Die beiden Herren, die sich auf der gemütlichen Couch neben der eingebauten Bar niederlassen, heißen schlicht „Niebe“ und „Evil Pappe“ – andere, als die Szenenamen gibts hier nicht. Ihres Zeichens sind die beiden Mittzwanziger beinharte Metalfans, die seit über fünf Jahren die Leipziger Metalszene mit Konzerten und Discos aufmischen.

Der bebrillte und kinnbärtige Niebe, legt auch gleich erstmal seinen metallischen Lieblingskünstler Devin Townsend auf, öffnet ein Bier und gräbt tief im geschichtlichen Urschleim zur Entstehungsgeschichte der Metalheadz, bevor das Fleischfestival zur Sprache kommt: „2003. Wir haben am 8. August Geburtstag gefeiert und daraus entstand sozusagen die Schnapsidee, Konzerte mit Undergroundbands zu organisieren. Damals saßen wir auch oft im Markkleeberger Jugendclub „Die Spinne“ und schauten den anderen Teenies beim Kartenspielen zu. Ansonsten haben wir uns abgesondert, Metal gehört und Bier getrunken.

Zu diesem Zeitpunkt kannten wir zwei oder drei Bands aus der näheren Umgebung. Eine Black Metal-Gruppe namens „Refractory“ haben wir einfach mal zum ersten legendären Heavy Christmas eingeladen. Wir haben uns auf den 8. August als Gründungstag der Markkleeberg Metalheadz geeinigt, und am 6. Dezember 2003 hatten wir unser erstes Konzert auf die Beine gestellt.“

Der langbärtige „Pappe“ ergänzt die Gründungsgeschichte um einige Fakten und beschreibt, warum sie eigentlich auf die Idee kamen, Konzerte zu organisieren: „Markkleeberg war das metallische Ödland, was Veranstaltungen dieser Art anging. Wir wollten einfach was günstiges machen für Leute, die wenig Geld haben und zugleich reges Interesse am Metal-Underground haben. Eigentlich wollten wir nur jährlich ein Konzert machen. Dass das solche Ausmaße annimmt und in das Fleisch-Festival mündet, war gar nicht so gedacht.“ Der Web-Designer mustert mit seinen lustig und listig blinzelnden Augen Niebes Bierflasche, steht auf und holt sich auch eine Flasche Hopfenkaltschale.

Kronkorken klappern auf die hölzerne Tischplatte, Biere zischen auf. Die Metalheadz haben mit diesen Anfängen eine Lücke im Leipziger Veranstaltungssektor füllen können. Jahr für Jahr stieg das Interesse an den feuchtfröhlichen Partys und Konzerten der beiden sympathischen Männer. „Scheddel wurde extrem erfolgreich als wir gerade anfingen, unsere ersten Erfahrungen mit dem Organisieren von Konzerten begannen. Über den anderen Club am Rande Leipzigs werfen wir mal einen Mantel des Schweigens. Wir wollten immer am Puls des Undergrounds sein und günstige Preise machen. Das ist unser Fleisch, wie wir es meinen.“, erklärt Niebe währenddessen.

Inzwischen kommt auch Pappe zurück, ploppt die Flasche auf: „Der Name ‚Fleisch‘ entstand im Helheim. Das war so ein Spaß, hat aber nichts mit dem leckeren Essen im Heim zu tun. Wohl eher mit dem Überbegriff ‚Fleisch‘. Für den einen ist Bildung sein Fleisch, oder Sex oder eben gutes Essen. Für uns ist es einfach nur gehaltvolle, grundehrliche Musik zu guten Preisen, mit Freunden. Fleisch steht für Lebensinhalt.“

Aller Anfang ist schwer. Man kämpfte vor Jahren mit den Tücken einer verqueren Musikanlage und der eigenen Blauäugigkeit. Doch dieses Jahr gehen die Metalheadz in die Vollen. „Wir wollen schon mit unseren Konzerten die Leute aufmischen. Krachen muss es!“, so Niebe weiter, und inhaliert eine weitere Flasche Bier. Das wird den Metalheadz auch gelingen. Sie haben eine neue Musikanlage ausleihen können und jede Menge Gruppen eingeladen, die der Szenekenner auch kennt. „ Teile des technischen Equipments, die so genannte Backline, sind bereits mit der amerikanischen Death metal-Legende Six Feet Under gereist. Eigentlich ist das ihr Equipment. Und die haben live einen wirklich guten Sound. Unsere graue Eminenz im Hintergrund hat das für uns eingefädelt.“

Niebe steckt sich entspannt eine Zigarette an, lehnt sich zurück und ist stolz auf die Vorbereitung in der Turnhalle: „Wir bauen alles komplett darein. Das heißt Bühne, Licht- und 4.000 Watt Tonanlage samt doppelter Backline, Bar mit allem drum und dran. Freiwillige Helfer müssen wir noch rekrutieren, dann kann es los gehen.“ Zu den Preisen sagen beide auch, dass sie sich auf einer absoluten Untergrenze des machbaren bewegen. Zwölf Euro pro Abend oder 20 Euro für beide Tage sind durchaus „kompatibel mit den Bedürfnissen der Gäste“, so Niebe und Pappe einstimmig. Was die wenigsten Gäste wissen, ganze fünf Tage wird das Festival für die Metalheadz inklusive Auf- und Abbau dauern.

In der Alten Turnhalle passen nach den Ausführungen der beiden Musikliebhaber dreimal so viele Gäste hinein, als in dem engen kleinen Jugendclub. Bedingung war nur, dass das Festival in Markkleeberg stattfindet. „Alles andere wäre Unsinn.“, erklärt Pappe. Seit September 2009 laufen Vorbereitungen für das Festival. „Dass wir in die Turnhalle konnten war für uns die beste Nachricht. Das zuständige Landratsamt hatte uns ganz schön zappeln lassen, denn nur in der Ferienzeit können dort schulfremde Veranstaltungen stattfinden. Unser Traum geht damit in Erfüllung.“

Langsam wird es eng im gemütlichen und verspiegelten Stahlfahrstuhl. Die Bierflaschen stapeln sich bereits und der letzte Tropfen des köstlichen Gerstensafts wird von Niebe nasal eingesaugt.

Die Markkleeberger Metaller wollen ihre Gäste mit einem beheizten Open Air-Raucherraum, sattem Sound und viel Abwechslung verwöhnen. So ganz kommen die Koblenzer Thrash Metaller „Desaster“ zum Fleisch Festival. Oder Deutschlands dienstälteste Deathmetalband „Fleshcrawl“. Mit „Gorilla Monsoon“ aus Dresden, den Leipzigern von „Grabak“ und den Thüringern von „Defloration“ ist auch Mitteldeutschland stark vertreten. Für eine große Überraschung werden die Newcomer „Bangalore“ sorgen. Diese Gruppe ist aus den erloschenen „Betrayer“ aus Grimma hervor gegangen.

Das Fleisch-Festival ist eine Kooperation zwischen der Bandcommunity Leipzig und den Markkleeberg Metalheadz. Die Konzertabende werden am 19. und 20. Februar um 18:30 Uhr eröffnet. Der Einlass erfolgt jeweils eine halbe Stunde vorher. Die Turnhalle befindet sich in der Rathausstraße 2 in Markkleeberg, südlich der Agra an der B2 gelegen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln können die Fans auch hinreisen. Die Linie 9 fährt bis zum S-Bahnhof Markkleeberg. Von dort aus muss man ein Stückchen östlich Richtung Rathaus laufen. Zurück geht es dann mit der Nighliner-Buslinie 9 ab Schulstraße.

Das Kombiticket ist für 20 Euro bei Culton Ticket im Vorverkauf oder ohne Zusatzgebühr an der Abendkasse erhältlich. Die Vorverkaufsgebühr, die zusätzlich erhoben wird, streicht der Tickethändler ein. Wer nur an einem Abend kommen möchte, kann dies für 12 Euro an der Abendkasse tun.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s