Dream Theater im Rückspiegel: Amerikanisches Traumtheater öffnet den Vorhang für einen Drahtseilakt

Seit 1985 sind die New Yorker umtriebig. Zuerst als „Majesty“ in die Spur gekommen, dann als „Dream Theater“ wohlverdienten Ruhm eingeheimst, gelten die Musiker allesamt als Meister ihres Fachs und als echte Größen im Progressive Metal. Nach dem Abgang des Schlagzeugers Mike Portnoy melden sich Dream Theater mit einem Balance-Akt zurück. Schaffen sie ihn? Ein Artikel vom 27. August 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Wer einer der wenigen gewesen war, der jene amerikanische Wundermusiker 1998 im Leipziger Haus Auensee bestaunen durfte, kann sich glücklich schätzen einem seltenen Ereignis beigewohnt zu haben. Selbst vor geschätzten 30 bis 50 Leuten hatten sich die komplizierte Wege suchenden Metaller mächtig ins Zeug gelegt und konnten sogar angestammte Tresentiger überzeugen. So mancher durfte sich laut Lieder wünschen, die Road-Crew befleißigte Stücke von Iron Maiden und Slayer. Für Drummer Mike Portnoy ein riesiger Spaß, denn galt er bis 2010 bei Dream Theater als der wichtigste „Frontmann“ neben Sänger James LaBrie.

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Die Band, die nach dem übermächtigen Debüt „When Dream and Day Unite“ 1989 mit „Images & Words“ 1992 ihren internationalen Durchbruch schaffte, hat inzwischen zehn Scheiben auf dem Kerbholz. Nun Nummer 11 ohne den trommelnden „Oktopus“ Portnoy. Wird der neue Trommler Mike Mangini den übermächtigen Helden an den Trommeln und Becken ersetzen können? Oder kommt es vielmehr auf die Kompositionen an? Vielseitig scheint er ja zu sein, gab Mangini bei den Metallern von Annihilator, den Rockern von Extreme und Gitarrenhexer Steve Vai den Takt vor. Als Schlagzeuglehrer ebenfalls aktiv, muss er der passende Mann für den Job bei Dream Theater sein.

Der von Anfang bis Mitte 2011 in den Cove City Sound Studios in Long Island, New York aufgenommene 80-Minüter hat es natürlich wieder in sich. Nach dem recht eingängig gesungenen und episch klingenden Eröffner „On The Backs Of Angels“ und dem bombastischen und harten „Build Me Up, Break Me Down“ fachsimpelt die Band in dem ersten Zehnminüter „Lost Not Forgotten“ mit flirrenden Gitarrensoli, erzählerischen Teilen und gekonnten Songaufbauten. Kleine verträumte Verschnaufpausen packt Dream Theater mit „This is the Life“ und „Far From Heaven“ aus, haut mit einem dicken Epos „Breaking All Illusions“ den Hörern einen dicken Brocken vor und schaut mit „Beneath The Surface“ ruhig und gelassen unter die Oberfläche. Aber wo war die ganze Zeit der Drummer?

An geschickt zusammengefädelten Kompositionen mangelt es auf „A Dramatic Turn of Events“ nicht. Aber das Gesicht Mike Portnoy fehlt irgendwie. War seine Trommelkunst auf jedem Album akzentuiert als gleichwertiges Instrument im Gesamtklang der Band eingebettet, versteckt sich der Neue etwas im Hintergrund. Konnte Portnoy hin und wieder mit kleinen „Kunststückchen“ überraschen, fehlen bei Mangini kleine „Zaubereien“, er ordnet sich dem Konzept unter. Während vor seinem Weggang Portnoy Dream Theater seinen Stempel aufdrückte, ist Mangini einfach nur dabei. Das macht die Stücke vielleicht um einiges „bekömmlicher“.

Zeit muss man sich trotzdem bei so manchem Kaubonbon nehmen. Dream Theater ist natürlich mit „A Dramatic Turn Of Events“ ein anspruchsvolles und adäquates Werk gelungen, aber der Weggang von Schlagzeug-Kraken Mike Portnoy ist überall hörbar und kann so leicht nicht ersetzt werden – egal wie gut der Nachfolger handwerklich ist. Dream Theater sind und bleiben so oder so US-amerikanischer Anspruch in Noten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: