Devildriver im Rückspiegel: Mit Wut im Bauch ganz „biestig“

Erst im Dezember drehten sie im Werk II ihre Kreise. Die kalifornischen Metaller von Devildriver hatten Wut im Bauch. Dementsprechend früh wollten die Mannen um Sänger Dez Fafara ihr „Biest“ unters Volk bringen. Jetzt ist das neue Werk erschienen und hört, wie soll’s auch anders sein, auf „Beast“. Ein Artikel vom 20. November 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Albumtitel in der Metalszene haben alles eins gemeinsam: meist geht es plakativ zu. Bei Devildriver kam man schon in Erklärungsnöte als 2009 „Pray For Villains“ erschien samt Uhu-Totem auf dem Cover. Dann ist es doch einfacher, das Kind beim Namen zu nennen: Beast.

Mit Biestern hat es die Metalszene eigentlich von Anfang an zu tun. Mal tauchen sie als furchterregend aussehende Kuscheltiere wie bei Iron Maiden und Motörhead auf oder werden einfach in den Albumtitel als unheilvolles Omen für den CD-Inhalt präsentiert. Die Demoband- und Proberaum-Compilation „Amon:Feasting The Beast“ der Florida-Death Metaller von Deicide ist so ein „biestiges“ Zeichen für Musik, bei der es klingeln und rumpeln soll.

Die englischen Horror-Metaller von Cradle Of Filth mögen es subtiler und lehnen sich an die Mär von der Schönen und das Biest an, nannten eines ihrer Studiowerke „Cruelty And The Beast“. Bei den englischen Rockern von Iron Maiden verhieß die Namenswahl auf „The Number Of The Beast“ als absolutes Glück. War das jenes Album, das für die Band der kommerzielle Knackpunkt ihrer Karriere war – ab da ging es immer nur aufwärts.

Frankfurts Biertrinker von Tankard nannten ihr 2004er Werk „Beast Of Bourbon“ und legten mit „The Beauty And The Beer“ 2006 augenzwinkernd nach. Da ist sie wieder, die Geschichte von der Schönen und dem Bie… Bier. Weil das Biest auch hierzulande rockt, hatte eine DDR-Metallegende das Kind ebenfalls beim Namen genannt und sich als „Biest“ immerhin bis 1999 wacker geschlagen.

Griffige Titel müssen eben auch zur Musik passen. So haben Devildriver die Stellschrauben ihrer Noten einfach so aufgedreht belassen und kredenzen ihren Fans auf einer knappen Stunde Spielzeit 14 Songs, die teilweise eine deutliche Sprache sprechen. „Shitlist“ ist beispielsweise so ein Lied unter der sich wohl jeder vorstellen kann, was darunter gemeint ist. „Bring The Fight To The Floor“ ist die Szene-typische Mosh-Hymne für das Kampfschütteln der Haarmatten vor der Bühne, „You Make Me Sick“ die leicht verständliche Ansage an alle Menschen, die einen „krank machen“. Und wie ein brüllendes Tier schreit Dez Fafara seine Botschaften auch an jeden, der es noch einmal hören will: You make me sick!

Viel geändert hat sich also nicht in den vergangenen dreißig Jahren Metalgeschichte. Devildriver wummern nur wilder in den Köpfen als gezähmte Haudegen wie die schon gesetzteren Herren von Iron Maiden. „Beast“ ist so die passende Abdreh-Nummer für jeden Frustrierten, der ordentlich Wut im Gedärm hat und darin sein Biest für eine runde Stunde Bauchgefühl sucht.

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