Def Leppard im Rückspiegel: Erinnerungen mit „Mirrorball“

Es ist die Band mit dem einarmigen Drummer. Mit spektakulären Live-Shows waren sie neben Iron Maiden der wichtigste Rockexport der britischen Insel. Ihre Alben „Pyromania“ und „Hysteria“ gelten als Inbegriffe für Stadionrock der Superlative. Seit den Neunzigern umweht der Band zunehmend Stille. Die Rede ist von Def Leppard. Die Band veröffentlichte 2011 ein respektables Live-Album. Ein Artikel vom 28. Juni 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Die alte Musikkassette existiert nicht mehr, wo bereits das „Hysteria“-Album erklang. Vergessen, einfach irgendwo liegen gelassen oder weg geschmissen. Schon damals Anfang der Neunziger wünschte man sich ein Live-Video oder ein Live-Album, das die Band auf ihrem Höhepunkt in den Achtzigern dokumentiert. Dieser setzte sich mit „Adrenalize“ 1992 zwar fort, allerdings unter bösem Stern – Gitarrist Steve Clark starb wie so viele an ihm zuvor an einer deftigen Dosis Schmerzmitteln und Alkohol. Mit Alben wie „Slang“ und „Euphoria“ hatte die Band um Sänger Joe Elliot in den Neunzigern nur noch mäßige Erfolge zu verbuchen. Def Leppard verlor irgendwie den alten Sound, experimentierte, fand keinen neuen und bekam die Rechnung von den Fans.

Von einem Comeback bei dem jüngsten Studiowerk „Songs from the Sparkle Lounge“ zu sprechen, wäre auch vermessen. Aber der erste Tritt zurück auf die Stadionbühne scheint getan zu sein. Nun endlich das Livealbum. Während Bands wie Motörhead und Iron Maiden alle gefühlte zwölf Monate eins veröffentlichen, ließ Def Leppard sich auch hier Zeit damit. Dass die Briten etwas langsamer ticken, weiß man inzwischen schon. Doch dafür hat die einstige Schülerband aus der englischen Arbeiterstadt Sheffield umso mehr auf „Mirrorball“ zu bieten.

Auf zwei CDs bekommt der Fan erstmal alle Hits wie „Rocket“, „Animal“, „Love Bites“, „Rock On“, „Hysteria“ und „Pour Some Sugar On Me“ mit bestem Live-Feeling in die Lauscher gestreut. Drei neue Songs halten Def Leppard auch bereit. „Undefeated“, „Kings Of The World“ und „It’s All About Believin'“ knüpfen exakt da an, wo die Mannen mit „Adrenalize“ aufgehört hatten. Es sind geschmeidige Popsongs im Stadion-Rock-Gewand, nicht zu soft und nicht zu hart.

Def Leppard schrieb mit „Kings Of The World“ einen waschechten Bückling vor ihren Helden Queen. Von missglückt kann keine Rede sein, aber diese Art von Bombast findet man drei oder vier Stufen weiter unten bei solchen Spießgesellen wie Manowar. Die Songs versprechen wenigstens teilweise neue Großtaten. Glaubwürdiger erscheint die Band mit der vorliegenden Scheibe als 1999 Black Sabbath, die mit ihrer damaligen Live-Scheibe ihr Vermächtnis aufnahmen und mit ihren neuen Songs – die immer noch neu sind – ihr eigenes Grab schaufelten. Jetzt weiß man auch, warum sich das „More“ im Albumtitel eingeschlichen hat.

Def Leppard wagt hingegen einen kecken Blick aus demselben Grab. Die Erde war doch noch nicht über diese Band geschüttet worden, der Deckel noch nicht auf den Sarg genagelt.

So mancher wird sich trotzdem fragen, dass er seit 1992 nichts mehr von der bunten Truppe gehört hat und annahm, die Herren würden sich auf ihren Landsitzen bequem gemacht haben. Ist nicht so, aber in ihrem alten Leppard-Sound der Achtziger haben sich die einstigen Vokuhila-Träger eingekuschelt. Als hätten die vergangenen 20 Jahre nicht stattgefunden. Übrigens hat die Band auch eine bebilderte Version der Live-Scheibe veröffentlicht. Endlich. Zeit also für Erinnerungen mit einer großen Band.

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